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Tscheschenien , Russland und die Welt

MOSKAU: Mit dem abflauenden Krieg in Tschetschenien zu einem Konflikt auf unterer Ebene ist es an der Zeit die Frage neu aufzuwerfen : worum ging es bei dem Krieg und wohin wird er fuehren ? Der Westen reagierte auf den Konflikt wie auf eine Wiederbelebung des russischen Imperialismus, ein Zeichen, dass Russlands Beziehungen zum Rest der Welt wieder abkuehlen werden. Vielen Russen, die demokratischen Reformer miteingeschlossen, die die russische Politik nicht uneingeschraenkt unterstuetzen, fuehlen sich missverstanden.

Wenn Russen von ihren nationalen Interessen sprechen, dann hat man die Vorstellung eines zurueckschlagenden, Sowjetunion-aehnlichen Reiches vor Augen . Schwachsinn. Abgesehen von ein paar Fanatikern und Slawophilen, sehen die Russen keinen Weg mehr zurueck zu ihrer imperialen Vergangenheit.

Sie wuenschen es sich auch nicht, selbst wenn sie es erreichen koennten. Heutzutage besitzt eine rueckwaertsgewandte/nationalistische Bewegung kaum noch ernstzunehmende Unterstuetzung in Russland, nicht vergleichbar mit den 15-30% der Stimmen fuer Radikalnationalisten wie in Frankreich oder Oesterreich. Ich denke, den Russen schenkt man nicht allzuviel Glauben noch zollt man ihnen Anerkennung fuer den unvergleichlichen Gleichmut, mit dem sie Jahrhunderte imperialer Tradition abgelegt haben. Ein Grund, warum Russland so friedlich den Zusammenbruch der Sowjetunion akzeptiert hat, liegt in der Erkenntnis vieler, dass Grossreich und Demokratie miteinander nicht vereinbar sind.

Wonach die Russen suchen, ist eine wirtschaftliche Erneuerung, die fuer Russland den Weg ebnen wird, im Leben sowohl in Europa als auch in der Welt eine wichtigere Rolle zu spielen.