Anne Ruthmann/Flickr

Das Leben in Uber-City

LONDON – Mais oui! Wie jeder französische Fünftklässler weiß, wurde das Internet in Paris erfunden. Es hieß Minitel, eine Abkürzung für Médium interactif par numérisation d’information téléphonique, und bestand aus einem Netzwerk von beinahe neun Millionen Endgeräten, die Menschen und Organisationen miteinander verbanden und Informationsaustausch in Echtzeit ermöglichten. Minitel boomte in den 1980er und 1990er Jahren, da in seinem Rahmen eine Reihe von Online-Anwendungen entstanden, die den weltweiten Dotcom-Taumel vorwegnahmen. In der Zeit danach verlor es langsam an Bedeutung und wurde schließlich eingestellt, nachdem das „echte“ Internet die globale Vorherrschaft antrat.

Sowohl Minitel als auch das Internet gründeten auf der Schaffung digitaler Informationsnetzwerke. Doch hinsichtlich der Umsetzungsstrategien bestanden enorme Unterschiede. Bei Minitel handelte es sich um ein von oben nach unten gesteuertes System; um eine große von der französischen Post und dem nationalen Telekommunikationsanbieter lancierte Entwicklungsinitiative. Das System funktionierte gut, aber sein Wachstums- und Innovationspotenzial waren aufgrund der starren Architektur und der proprietären Protokolle zwangsläufig begrenzt.

Im Gegensatz dazu entwickelte sich das Internet von unten nach oben, weswegen es gelang, die ursprüngliche Verlockung zur Regulierung durch die Telekommunikationsriesen zu umgehen. Letztlich wurde es zum chaotischen, aber revolutionären Weltveränderer in seiner heutigen Form (ein „Geschenk Gottes“, wie es Papst Franziskus kürzlich formulierte).

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