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Können wir das Bruttoinlandsglück steigern?

PRINCETON – Das kleine Königreich Bhutan im Himalaya ist international für zwei Dinge bekannt: hohe Visagebühren, die den Zustrom von Touristen begrenzen, und seine Politik des “Bruttoinlandsglücks” als Alternative zum Wirtschaftswachstum. Die beiden hängen zusammen: Mehr Touristen würden zwar die Wirtschaft fördern, aber gleichzeitig Bhutans Umwelt und Kultur beeinträchtigen und so langfristig zu weniger Glück führen.

Als ich erstmals vom Ziel des Landes erfuhr, das Glück seiner Bewohner zu maximieren, fragte ich mich, ob dies lediglich eine politischer Slogan sei oder ob es wirklich praktische Konsequenzen zur Folge hätte. Letzten Monat war ich in der Hauptstadt Thimpu, um dort auf einer Konferenz, die von Premierminister Jigme Y. Thinley ausgerichtet wurde, über “Wirtschaftsentwicklung und Glück” zu sprechen. Mitorganisator war Jeffrey Sachs, der Direktor des Earth Institute an der Columbia University und Sonderberater des UN-Generalsekretärs Ban Ki-moon. Dort stellte ich fest, dass es sich um weit mehr als um einen Slogan handelt.

Ich war nie zuvor auf einer Konferenz, die von einer Regierung so ernst genommen wurde. Eigentlich hatte ich erwartet, dass Thinley die Konferenz mit einer formellen Willkommensrede eröffnen und sich danach in sein Büro zurückziehen würde. Statt dessen bestand sein Beitrag in einer gut durchdachten Zusammenfassung der Schlüsselthemen, die bei der politischen Leitlinie der Förderung von Glück eine Rolle spielen. Danach blieb er die vollen zweieinhalb Tage bei der Konferenz und leistete wertvolle Beiträge zur Diskussion. Darüber hinaus waren bei den meisten Sitzungen mehrere Minister des Kabinetts anwesend.

Seit Urzeiten wird Glück als universeller Wert betrachtet. Schwierig wird es, wenn wir Glück allgemeingültig definieren und messen wollen.