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Bush, der nachlässige Nachbar

Nachdem Präsident George W. Bush Lateinamerika jahrelang ignoriert hat, versucht er nun verzweifelt, die interamerikanischen Beziehungen zu verbessern. Doch kam seine soeben abgeschlossene Reise nach Brasilien, Uruguay, Kolumbien, Guatemala und Mexiko zu spät. Jahrelange Versäumnisse können unmöglich durch eine Reise ausgelöscht werden, die viele Fototermine und wenig Substanz beinhaltete.

In den Hauptstädten Lateinamerikas wurde Bushs Besuch als eine Reaktion auf den wachsenden Einfluss und die Popularität des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez in der Region gewertet. Auf jeden Fall scheint Chávez es so gesehen zu haben, zumal er Bush ständig aus der Ferne piesackte.

Bevor er nach Brasilien flog, sagte Bush, seine Regierung bekomme nicht genügend Anerkennung für ihre Lateinamerikapolitik. Doch werden die USA Lateinamerika und den Staaten in der Karibik 2007 wirtschaftliche Hilfsleistungen im Wert von $ 1,8 Milliarden zur Verfügung stellen, das sind $ 200 Millionen weniger als 2006. Zudem wird fast die Hälfte der Gesamtsumme in Form von militärischer Hilfe gezahlt, während $ 716 Millionen an ein einziges Land fließen werden: Kolumbien.

In dem Bestreben, ihre geringe Popularität in Lateinamerika zu verbessern, hat die Regierung Bush vor kurzem zusätzliche $ 75 Millionen für Bildung und $ 385 Millionen zur Finanzierung von Hypotheken für die Armen angekündigt. Außerdem wird das Lazarettschiff der US-Marine, die USNS Comfort, in den Häfen einer Reihe von lateinamerikanischen Ländern anlaufen.