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Der Brexit im größeren Zusammenhang

MAILAND – Ich glaube nicht, dass Ausländer einen sinnvollen Beitrag leisten, wenn sie ihre starken Meinungen dazu äußern, wie die Bürger eines Landes oder einer größeren Einheit wie der Europäischen Union sich angesichts einer wichtigen politischen Wahlmöglichkeit entscheiden sollten. Vielleicht sind unsere Einsichten, die auf internationalen Erfahrungen beruhen, manchmal hilfreich, aber dabei sollte die Asymmetrie der Rollenverteilung nie aus den Augen verloren werden.

Dies gilt insbesondere für die britische Volksabstimmung über die Frage, ob das Land in der EU bleiben will. Wenige Tage vor der Wahl ist nur sicher, dass das Ergebnis knapp ausfallen wird, und es scheint genug unentschlossene Wähler zu geben, um es in die eine oder andere Richtung zu bewegen. Aber angesichts der politischen und sozialen Fragmentierung, die weit über Europa hinausgeht, könnten Außenseiter vielleicht zur Erklärung dessen beitragen, um was es wirklich geht.

Zunächst wird es nicht überraschen, dass das Wachstumsmuster in großen Teilen der entwickelten Welt bezüglich der Verteilung der Einkommen, des Wohlstands und der Vor- und Nachteile des erzwungenen Strukturwandels in den letzten zwanzig Jahren problematisch war. Wir wissen, dass die Globalisierung und manche Aspekte der Digitaltechnologie (insbesondere Automatisierung und Disintermediation) in allen Ländern zur Polarisierung von Arbeit und Einkommen sowie zum anhaltenden Druck auf die Mittelklasse beigetragen haben.

Zweitens hat die anhaltende Krise Europas (die mehr an eine chronische Krankheit erinnert) dazu geführt, dass das Wirtschaftswachstum viel zu schwach und die Arbeitslosigkeit – insbesondere unter Jugendlichen – inakzeptabel hoch ist. Und Europa ist nicht allein. In den Vereinigten Staaten ist die Arbeitslosenquote zwar formal zurückgegangen, aber die Tatsache, dass die Inklusion weitgehend gescheitert ist, hat – sowohl bei der Linken als auch bei der Rechten – zu Unzufriedenheit mit Wachstumsmustern geführt, von denen diejenigen an der Spitze überproportional profitieren.