2

Weimar 2013?

NEW YORK – Die schlimmste Krise des Kapitalismus seit der Großen Depression der 1930er Jahre hat bittere Erinnerungen auf beiden Seiten des Atlantiks geweckt. Der Geist Franklin D. Roosevelts geht um in Barack Obamas USA. Historische Debatten darüber, ob FDRs „New Deal“ funktionierte, bilden nun einen wichtigen Teil der amerikanischen Diskussion über die aktuelle Geld- und Fiskalpolitik im Allgemeinen und die von der US-Notenbank verfolgte Politik der quantitativen Lockerung im Besonderen.

In Europa, wo volkswirtschaftliches Scheitern einst zum Zusammenbruch der Demokratie selbst führte, fragen sich inzwischen viele Menschen, ob dies wieder passieren könnte. Einige erkennen einen weiteren Weimarer Moment, der an die Sparpolitik und steil ansteigende Arbeitslosigkeit erinnert, die Heinrich Brünings Deutschland charakterisierte und dazu beitrug, die Nazis an die Macht zu bringen.

Auf den ersten Blick scheinen die Gründe, dieses Szenario zu verwerfen, überwältigend. Falls die Europäische Union Eines erreicht hat, so ist es, einen Krieg zwischen Frankreich und Deutschland undenkbar zu machen. Der gesamte geopolitische Kontext ist daher heute sehr viel weniger bedrohlich als in den 1930er Jahren.

Zudem sind die ideologischen Extreme, die den Kontinent damals in Erregung versetzten und polarisierten, heute alles andere als beliebt. Der durch den Zusammenbruch der UdSSR und des sowjetischen Blocks in Osteuropa diskreditierte Kommunismus liegt praktisch im Sterben, und seine wichtigsten Anhängergruppen – dort, wo die kommunistischen Parteien es geschafft haben, sich zu behaupten – altern und sind nicht in der Lage, sich zu vermehren.