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Sieg der Aasgeier

NEW YORK – Eine aktuelle Entscheidung eines US-Berufungsgerichts droht, die globalen Märkte für Staatsanleihen auf den Kopf zu stellen. Sie könnte sogar dazu führen, dass die USA nicht länger als ein guter Platz zur Ausgabe von Staatsanleihen betrachtet werden. Zumindest aber macht sie alle Umstrukturierungsmaßnahmen im Rahmen gängiger Schuldverträge hinfällig. In dem Prozess wurde ein Grundprinzip des modernen Kapitalismus – dass, wenn Schuldner ihre Gläubiger nicht bezahlen können, ein Neubeginn erforderlich ist – umgeworfen.

Der Ärger begann vor einem Dutzend Jahren, als Argentinien keine andere Wahl hatte, als seine Währung abzuwerten und seine Zahlungsunfähigkeit zu erklären. Das Land war in eine rapide Abwärtsspirale von der Art geraten, die uns inzwischen aus Griechenland und anderen Teilen Europas vertraut ist. Die Arbeitslosigkeit schoss steil in die Höhe, und die eingeleitete Sparpolitik verschärfte nur den wirtschaftlichen Abschwung, statt den Haushalt wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Abwertung und Umstrukturierung der Schulden funktionierten. In den Folgejahren – bis zum Ausbruch der globalen Finanzkrise 2008 – betrug Argentiniens jährliches BIP-Wachstum jeweils 8% oder mehr, eine der höchsten Wachstumsraten weltweit.

Selbst frühere Gläubiger profitierten. In einem hochgradig innovativen Schritt tauschte Argentinien seine alten Schuldverschreibungen gegen neue – zu etwa 30 Cent pro Dollar oder etwas mehr – sowie eine ans BIP gekoppelte Anleihe ein. Je stärker das argentinische Wachstum, desto mehr zahlte das Land seinen ehemaligen Gläubigern.