Amerikas selbstzerstörerische Hegemonie

Als ich vor fast 20 Jahren vom „Ende der Geschichte“ schrieb, war eine Sache, die ich nicht vorhersah, das Maß, in dem Amerikas Verhalten und Fehlurteile den Antiamerikanismus zu einer der wesentlichen Spannungslinien der Weltpolitik machen würden. Und doch ist – vor allem seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 – genau das passiert, und zwar aufgrund von vier von der Bush-Regierung begangenen zentralen Fehlern.

Erstens wurde die als Antwort auf die Anschläge des Jahres 2001 entwickelte Doktrin zum Einsatz präventiver Maßnahmen (preemption) in unangemessener Weise auf den Irak und andere so genannte „Schurkenstaaten“ ausgedehnt, die Massenvernichtungswaffen zu entwickeln drohten. Sicher, gegenüber staatenlosen Terroristen mit derartigen Waffen sind Präventivmaßnahmen völlig berechtigt. Aber sie können nicht das Herzstück einer allgemeinen Strategie zur Verhinderung der Verbreitung von Atomwaffen sein, dergestalt, dass die Vereinigten Staaten überall militärisch intervenieren, um ihre Entwicklung zu verhindern.

Die Kosten der Umsetzung einer solchen Politik wären schlicht zu hoch (allein im Irak sind es bisher mehrere hundert Milliarden Dollar und zehntausende Tote). Dies ist der Grund, warum die Bush-Regierung militärischen Konfrontationen mit Nordkorea und dem Iran aus dem Weg gegangen ist – trotz ihrer Verehrung des israelischen Luftschlages gegen den irakischen Reaktor in Osirak in 1981, der damals Saddam Husseins Atomprogramm um mehrere Jahre zurückwarf. Schließlich führte der Erfolg eben dieses Angriffs dazu, dass eine derart begrenzte Intervention sich nie wieder würde wiederholen lassen, weil die Möchtegern-Atommächte gelernt haben, ihre werdenden Waffenprogramme unterirdisch, versteckt oder in mehrfacher Ausführung zu betreiben.

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