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Afrikas Griff nach der Energie

Warum hat Afrika es bisher nicht geschafft, die Armut zu überwinden? Bürgerkriege, Hunger, Krankheiten, das Erbe des Kolonialismus - sie alle wurden als mögliche Gründe für die drückende Armut und wirtschaftliche Rückständigkeit dieses Kontinents angeführt. Noch ein weiterer Faktor jedoch - der vermutlich irgendwie mit den anderen in Beziehung steht - spielt eine grundlegende Rolle dabei, den Fortschritt in der Region zu ersticken: das Fehlen moderner Energiequellen.

Afrikas enormes Energiepotenzial wird - so eine der zentralen Schlussfolgerungen des jüngst von der OECD veröffentlichen African Economic Outlook für 2003/2004 - nach wie vor nur sehr unzureichend genutzt. Nahezu die Hälfte der 53 afrikanischen Länder könnte in gewinnträchtiger Weise Wasserkraft produzieren; aufgrund der schlechten Infrastruktur und der hohen Anfangsinvestitionen wird dieses Potenzial jedoch nur zu 7 % ausgeschöpft.

Darüber hinaus entfallen auf Afrika - trotz seines großen Potenzials im Bereich der Geo- und Solarenergie - lediglich 1,3 % der weltweit installierten Sonnenkollektoren, und nur vier Länder haben bisher damit begonnen, unterirdische Wärmequellen zu erschließen. Von den fossilen Brennstoffen - in erster Linie Öl - die tatsächlich in Afrika gefördert werden, wird lediglich ein Viertel vor Ort verbraucht.

Die begrenzte Erschließung der afrikanischen Energiereserven hat dazu geführt, dass Afrika ein weltweites Schlusslicht bei der Nutzung moderner Energiequellen ist. Mehr als drei Viertel der afrikanischen Bevölkerung jenseits der Sahara sind nicht an ein Stromnetz angeschlossen; in Lateinamerika und Ostasien sind es im Vergleich hierzu weniger als 14 %. Entsprechend verwenden die meisten Afrikaner zur Beleuchtung, zum Kochen und zum Heizen Biomasse (tierischen und pflanzlichen Abfall sowie Feuerholz).