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Ein Schwerkrafttest für den Euro

CAMBRIDGE, MASS.: Mir ist bewusst, dass Wechselkurse nie leicht erklärbar oder verständlich sind. Trotzdem empfinde ich den heutigen relativ robusten Kurs des Euro als etwas mysteriös. Glauben die Gnomen an den Devisenmärkten ernsthaft, dass das letzte „umfassende Rettungspaket“ für den Euro mehr als ein paar Monate Bestand haben wird?

Der neue Plan beruht auf einer fragwürdigen Mischung zweifelhafter finanztechnischer Gimmicks und vager Versprechen eines bescheidenen asiatischen Engagements. Selbst der beste Teil des Plans – der vorgeschlagene (aber nicht wirklich vereinbarte) Haircut für Inhaber griechischer Schuldverschreibungen aus dem Privatsektor von 50% – reicht zur Stabilisierung der profunden Schulden- und Wachstumsprobleme des Landes nicht aus.

Wie also kommt es, dass der Euro mit einem Aufschlag von 40% auf den US-Dollar gehandelt wird, obwohl die Anleger südeuropäische Staatsanleihen weiter mit großer Skepsis betrachten? Mir fällt ein sehr guter Grund ein, warum der Euro fallen muss, und sechs weniger überzeugende Gründe, warum er stabil bleiben oder aufwerten sollte. Beginnen wir damit, warum der Euro fallen muss.

In Ermangelung eines klaren Pfades hin zu einer sehr viel engeren fiskalischen und politischen Union, der nur über eine Verfassungsänderung führen kann, erscheint der aktuelle Mittelweg des Eurosystems zunehmend unhaltbar. Es scheint klar, dass die Europäische Zentralbank gezwungen sein wird, deutlich größere Mengen an (hoch spekulativen) Staatsanleihen aus der Eurozone zu kaufen. Das mag kurzfristig funktionieren, doch falls sich staatliche Ausfallrisiken manifestieren – was, wie meine Forschungen mit Carmen Reinhard nahe legen, wahrscheinlich ist – wird man nun ihrerseits die EZB rekapitalisieren müssen. Und falls die stärkeren nördlichen Euroländer nicht bereit sind, diesen Transfer zu schlucken – und der politische Widerstand ist groß –, könnte die EZB gezwungen sein, sich durch Geldschöpfung zu rekapitalisieren. So oder so droht mit hoher Wahrscheinlichkeit eine schwere Finanzkrise.