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Eine Abhilfe gegen finanzpolitisches Versagen?

CAMBRIDGE, MASS.: Sollten mehr Länder unabhängige finanzpolitische Beratungsgremien einrichten, um größere Objektivität in die nationalen Haushaltsdebatten einfließen zu lassen? Der im Gefängnis sitzende Betrüger Bernie Madoff hat kürzlich die Gefühle einer Menge Leute auf den Punkt gebracht, als er erklärte: „Die ganze Regierung ist ein Schneeballsystem.“

Vielleicht war es nur das Wunschdenken eines Mannes, der sein Leben im Gefängnis beschließen wird, nachdem sein eigenes, alle bisherigen Rekorde brechendes Schneeballsystem im Umfang von 50 Milliarden Dollar 2008 zusammengebrochen ist. Persönlich vermute ich, dass Madoffs wenig beneidenswerter Platz in den Rekordbüchern noch für eine ganze Weile Bestand haben wird. Trotzdem muss man sich angesichts der Tatsache, dass viele Regierungen weltweit vor einer tödlichen Kombination aus nicht aufrecht zu erhaltenden konventionellen Schulden, beispiellosen Rentenverpflichtungen und einem Rückgang des wirtschaftlichen Wachstums stehen, fragen, wie sie dem finanzpolitisch begegnen wollen.

In unserer neuen Veröffentlichung „A Decade of Debt“ (Ein Jahrzehnt der Schulden) zeigen Carmen M. Reinhart und ich, dass die öffentliche Gesamtverschuldung der USA, d.h. die des Bundes, der Einzelstaaten und der Kommunen, inzwischen die am Ende des Zweiten Weltkrieges erreichte Rekordmarke von 120% vom BIP übersteigt.

Japan natürlich steht nach sehr viel schlechter dar; dort liegt die öffentliche Gesamtverschuldung bei über 200% vom BIP. Zwar wird dies durch Devisenreserven teilweise ausgeglichen, doch steht Japan jetzt vor enormen Kosten bei der Katastrophenbewältigung – und zwar zusätzlich zu deprimierenden demografischen Trends. Auch die Schuldenstände vieler anderer Länder liegen inzwischen ungemütlich nahe an ihren höchsten Werten seit 150 Jahren, und dies, obwohl es in weiten Teilen der Welt relativ friedlich zugeht.