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Mehr Stabilität durch Rohstoffanleihen

CAMBRIDGE – Die Preise für fossile Brennstoffe, Mineralien und landwirtschaftliche Güter befinden sich auf einer veritable Achterbahnfahrt. Obwohl Rohstoffpreise immer größeren Schwankungen unterliegen als die Preise von Fertigerzeugnissen und Dienstleistungen, waren die Rohstoffmärkte in den letzten fünf Jahren mit einer außergewöhnlichen, beinahe beispiellosen Volatilität konfrontiert.

Länder, die sich auf den Export von Öl, Kupfer, Eisenerz, Weizen, Kaffee oder anderen Rohstoffen spezialisieren, erleben zwar einen Boom, aber sie sind auch höchst verwundbar. In Folge einer neuen Rezession, eines Anstiegs der realen Zinssätze in den USA, Klimaschwankungen oder zufälliger sektorspezifischer Faktoren könnten die Dollar-Preise dieser Güter jederzeit drastisch sinken.

Betroffen sind vor allem Länder, die Schulden in Dollar oder anderen ausländischen Währungen haben. Kommt es zu einem drastischen Einbruch ihrer Export-Einnahmen im Verhältnis zu ihren Verpflichtungen aus dem Schuldendienst, könnte das Resultat der Krise in Lateinamerika im Jahr 1982 ähneln oder den asiatischen und russischen Währungskrisen der Jahre 1997-1998.

Viele Entwicklungsländer haben seit den 1990er Jahren Fortschritte beim Übergang von Dollarschulden in Richtung ausländischer Direktinvestitionen und anderer Arten von Kapitalzuflüssen erzielt oder haben ihre Verpflichtungen zur Gänze beglichen. Einige Rohstoffexporteure sind aber trotzdem noch auf der Suche nach Möglichkeiten, Geld zu borgen, ohne sich allzu exzessiven Risiken auszusetzen.

Rohstoffanleihen könnten ein probates Mittel zur Umgehung dieser Risiken sein. Die Exporteure eines bestimmten Rohstoffs sollten Anleihen ausgeben, die nicht in Dollar oder einer anderen Währung denominiert sind, sondern auf den Preis dieses Rohstoffs lauten. Jamaika würde beispielsweise Aluminiumanleihen ausgeben, Nigeria Ölanleihen, Sierra Leone Eisenerzanleihen und die Mongolei Kupferanleihen. Anleger könnten Kaffeeanleihen aus Guatemala, Kakaoanleihen aus Côte d’Ivoire, Gummianleihen aus Liberia, Baumwollanleihen aus Mali und Goldanleihen aus Ghana kaufen.

Der Vorteil dieser Anleihen besteht darin, dass im Falle eines Absinkens des Weltmarktpreises des jeweiligen Rohstoffs die Relation zwischen Schuldenstand und Export nicht unbedingt steigen müsste. Die Kosten für den Schuldendienst passen sich ohne drastische Unterbrechungen aufgrund eines Vertrauensverlusts, einer Krise, Umschuldung und so weiter, automatisch an.

Diese Idee ist nicht neu. Warum also hat man es mit dieser Möglichkeit nicht schon früher versucht? Befragt man dazu die Finanzminister von rohstoffexportierenden Schuldnerländern, bekommt man häufig zur Antwort, dass sie eine ungenügende Nachfrage nach derartigen Rohstoffanleihen befürchten.

Angesichts der Tatsache, dass Rohstoffanleihen über einen offensichtlich latenten Markt verfügen, der auf realen ökonomischen Fundamentaldaten beruht, ist das eine überraschende Feststellung. Schließlich haben Stahlunternehmen ein in der Natur der Sache begründetes Interesse, sich gegen die Preisschwankungen bei Eisenerz abzusichern, ebenso wie Fluglinien und Versorgungsbetriebe ein Interesse an der Absicherung gegen Ölpreisschwankungen haben.

Jeder dieser Rohstoffe stellt einen bedeutenden Produktionsfaktor großer Unternehmen dar.  Mit Sicherheit besteht für diese Rohstoffanleihen genau so viel Nachfrage wie für Credit Default Swaps und manche andere absonderlich komplizierte Derivate, die momentan gehandelt werden!  

Ein erfolgreicher Markt benötigt Liquidität und es können sich Schwierigkeiten ergeben, einen Markt in Gang zu bringen, bis er eine gewisse kritische Masse erreicht hat. Das Problem könnte darin bestehen, dass nicht viele Anleger gleichzeitig eine Long-Position auf Öl und das nigerianische Kreditrisiko auf sich nehmen wollen.

Eine multilaterale Institution wie die Weltbank könnte eine entscheidende Rolle bei der Etablierung eines Markts für Rohstoffanleihen spielen. Das würde vor allem in solchen Ländern besonders gut passen, wo die Bank ohnehin schon Kredite vergibt.  

Und so könnte es funktionieren: Anstatt an Nigeria einen Dollar-Kredit zu vergeben, würde dieser Kredit auf den Ölpreis lauten. Um das Risiko schwankender Weltmarktpreise für Öl zu verringern, würde die Bank die gleiche Menge an Rohstoffanleihen ausgeben, die in Öl denominiert sind. Wenn die Bank an mehrere ölexportierende Länder Kredite vergibt, wäre der damit geschaffene Markt für Ölanleihen viel größer und auch liquider. Diese Pooling-Funktion wäre vor allem in Bereichen wichtig, wo es verschiedene Güteklassen oder Sorten eines Rohstoffs gibt (bei Öl oder Kaffee beispielsweise) und wo Preise in ausreichendem Maße voneinander abweichen können, um für die Exporteure einen entscheidenden Unterschied zu bedeuten.

Eine Alternative für manche Rohstoffexporteure ist die Risikoabsicherung durch Verkäufe auf den Futures-Märkten. Ein beträchtlicher Nachteil von Derivaten sind allerdings deren kurze Laufzeiten. Ein westafrikanisches Land, in dem man Ölreserven gefunden hat, muss Erkundungen, Bohrungen und den Bau von Pipelines finanzieren. Das heißt, dass es sich über einen Zeithorizont von 10 bis 20 Jahren absichern muss und nicht nur über 90 Tage.

Ein weiterer Nachteil dieser Derivate ist, dass sie eines hohen Grades an – technischer wie auch politischer – Ausgereiftheit bedürfen. Im Falle eines Anstiegs des Rohstoffpreises könnte sich ein Finanzminister, der zwar das Exportpreisrisiko mustergültig auf dem Futures-Markt abgesichert hat, plötzlich mit Anschuldigungen konfrontiert sehen, wonach er den nationalen Besitzstand verspielt hat. Dieses Prinzipal-Agent-Problem wird im Falle der Rohstoffanleihen abgemildert.  

Wenn die internationalen Finanzexperten sich mit dieser Idee anfreunden, könnten die Rohstoffexporteure in der Lage sein, beim nächsten Preissturz ihrer Produkte Kalamitäten zu vermeiden. Die Weltbank sollte sich dieser Sache annehmen.

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