Thursday, October 30, 2014
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Hoffnung kann man messen

SEATTLE – Die Lebensqualität der Ärmsten dieser Welt hat sich in den letzten 15 Jahren so schnell erhöht wie nie zuvor. Ich bin optimistisch, dass wir dieses Tempo in den kommenden 15 Jahren noch steigern können. Schließlich gewinnen wir stets an Wissen dazu. Konkrete Beispiele hierfür sind die Entwicklung und die sinkenden Kosten neuer Medikamente, wie etwa HIV-Präparate, und die Erzeugung von neuem Saatgut, das armen Bauern eine höhere Produktivität ermöglicht. Wenn derartige Werkzeuge einmal erfunden sind, verschwinden sie nicht wieder – sie werden nur besser.

Skeptiker weisen auf die Schwierigkeiten hin, neue Methoden dort zu implementieren, wo sie gebraucht werden. Hier ist der innovative Einsatz von Messungen staatlicher und karitativer Erfolge von herausragender Bedeutung. Dieser Prozess – klare Zielsetzungen, die Wahl des geeigneten Ansatzes und schließlich die Auswertung der Ergebnisse, um den Ansatz mithilfe dieser Rückmeldungen kontinuierlich zu verbessern – hilft uns, Werkzeuge und Dienstleistungen dort bereitzustellen, wo sie benötigt werden.

Innovative Lösungen zur Beseitigung von Engpässen bei dieser Bereitstellung sind von entscheidender Wichtigkeit. Mit der Erfindung der Dampfmaschine ist vor langer Zeit ein Weg eingeschlagen worden, auf dem sich herausstellte, dass Fortschritt weder selten noch unberechenbar sein muss. Wir können ihn sogar zu einer Normalität werden lassen.

Auch als Optimist verschließe ich nicht die Augen angesichts der anstehenden Probleme oder der Herausforderungen, die wir überwinden müssen, um den Fortschritt in den nächsten 15 Jahren zu beschleunigen. Dabei betrachte ich vor allem zwei Herausforderungen mit großer Sorge: Werden wir ausreichende Mittel zur Finanzierung von Gesundheits- und Entwicklungsprojekten aufbringen können? Wird es uns gelingen, klare Ziele bei der Hilfe für die Ärmsten zu formulieren und sie gemeinsam zu verfolgen?

Erfreulich ist, dass viele Entwicklungsländer steigende Wachstumsraten verzeichnen und sie dadurch für die Unterstützung ihrer armen Bevölkerungsgruppen mehr Ressourcen einsetzen können. So ist etwa Indien inzwischen weniger abhängig von äußerer Hilfe und wird letztlich ohne sie auskommen.

Einige Länder wie Großbritannien, Norwegen, Schweden, Südkorea und Australien erhöhen ihre Entwicklungshilfe-Etats; andere, traditionell großzügige Geberländer wie Japan und die Niederlande haben sie reduziert. Es ist unklar, welche Richtung viele andere Länder wie die USA, Frankreich, Deutschland und Kanada einschlagen werden.

Hilfeleistungen bleiben jedoch weiterhin von entscheidender Bedeutung. Sie ermöglichen es Menschen in den ärmsten Ländern, ihre Grundbedürfnisse zu decken. Sie ermöglichen Innovationen bei der Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen und ihrer Bereitstellung. Leider sind die Entwicklungshilfe-Etats durch die Krisensituation in fast allen Industrieländern gefährdet. Die Menschen konzentrieren ihr Interesse unweigerlich auf Probleme in ihrem Umfeld, sofern sie keine Rückmeldung zu den positiven Auswirkungen ihrer Spendenbereitschaft erfahren.

Eine einzige Meldung, ob zutreffend oder nicht, über den Missbrauch von Hilfeleistungen kann den gesamten Bereich diskreditieren. Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie nach einer Investition in jeder Zeitung nur schlechte Nachrichten über den Kursverfall dieser Aktien und keinerlei Erfolgsmeldungen lesen?

Lange Zeit nahm man Entwicklungshilfe nur als die Gesamtsumme von Spendengeldern wahr. Heute können wir jedoch Indikatoren wie Kindersterblichkeit genauer messen. Die Auswirkungen ihrer Hilfeleistung werden den Menschen deutlich vor Augen geführt – ihre Hilfe kann etwa entscheiden, ob jemand eine HIV-Therapie erhält oder der Krankheit zum Opfer fällt. Wenn Hilfeleistung auf diese Weise dargestellt wird, erhöht sich die Chance, dass sie zur Priorität wird.

Wird sich die internationale Gemeinschaft in den nächsten 15 Jahren auf klare, gemeinsame Zielsetzungen einigen? Die Vereinten Nationen haben mit der Ausarbeitung neuer Ziele für die Zeit nach 2015 begonnen, wenn die heutigen Millennium-Entwicklungsziele (MDGs) ablaufen. Wie schon beim ersten Mal können diese Ziele dazu beitragen, die einzelnen Aktionsgruppen auf eine gemeinsame Linie einzuschwören, Wählern die Ergebnisse ihrer Spendenfreudigkeit zu präsentieren und uns unsere Fortschritte bei der Bereitstellung von Lösungen für Menschen in Armut aufzuzeigen.

Der Erfolg der MDGs bedeutet, dass es großes Interesse an ihrer Fortführung in einem breiteren Rahmen gibt. Viele der potenziellen neuen Ziele finden jedoch keine einhellige Zustimmung und die Erweiterung um viele neue Ziele – oder schwierig zu messende Ziele – birgt die die Gefahr, dass die Dynamik der Bewegung verloren geht.

Die Millennium-Entwicklungsziele waren in sich schlüssig, da ihr Schwerpunkt auf der Unterstützung der ärmsten Menschen der Welt lag. Die an ihrer Umsetzung beteiligten Gruppen konnten leicht identifiziert werden. Sie trugen ihren Teil der Verantwortung für die Zusammenarbeit und die zu erzielenden Fortschritte. Wenn die Vereinten Nationen eine Übereinkunft über weitere wichtige Ziele wie die Abschwächung der Folgen des Klimawandels finden, sollte erwogen werden, ob diesen Bemühungen mit anderen Akteuren und einem separaten Prozess  nicht am besten gedient wäre.

Die Fortschritte, die die internationale Gemeinschaft in den letzten 15 Jahren bei der Unterstützung von Menschen in großer Armut erzielt hat, passieren nicht auf einen Schlag, sondern verändern ein Leben nach dem anderen zum Positiven. Aus diesem Grund sind sie oft weniger sichtbar als ein großer Rückschlag wie der Ausbruch einer neuen Epidemie. Wir sollten von Zeit zu Zeit innehalten und mit Stolz auf die Erfolge blicken, die aus den richtigen Zielsetzungen, dem notwendigen politischen Willen, aus großer Hilfsbereitschaft und innovativen Lösungen und ihrer Bereitstellung resultieren. Meine Bereitschaft mich zu engagieren ist dadurch nur noch gestiegen.

Aus dem Englischen von Sandra Pontow.

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  1. Commentedgeorge sos

    the setback is the epidemic?...right.....blind to the facts .If the 1% wanted to stop poverty on earth ,all they had to do is redistribute wealth ,equally with all.But with the excuse that people are not ready to manage their lives,you will endlesly earn,on the account of the poor.stealing resources,"buying" ,investing in water reserves,or minerals,is the way to go people!!mine the earth till you get rid of all the dirt...then ,start living your lives on a planet that is no more a planet .....what are we talking about?hope for 15 years down the line ,when people around the world will be already dead from hunfer?already dead from war ts that the US and other big powers cause in order to steal some more resources ,and secure them.....or just to sell some more weapons,to fight unemployment back home.....
    spare us the philosip[hical conquest...you are rich,you want to keep what you got and you dont give a shit about the poor.Lets play now charity....

  2. CommentedKathy Holland

    All we have done is shift the poor from one country to another. Innovation and measurement of the opportunities that lift greater numbers of lives up will lead to prosperity. Democratizing the tax code, charitable giving, etc. so there is greater economic participation with the intent to correct, adjust the laws in support of enterprise and each nation's citizenry. All inclusive information data needs to be massaged to answer the critical questions no one appears to be willing to ask.....well I am willing.

  3. CommentedFemi Awoyinfa

    Certainly some remarkable progress has been made in the last fifteen years, especially in relation to the world's poor across some indicators. The next fifteen years are critical and success will rely heavily on the crafting of new MDG goals and political will both in the north and south as Gates has suggested.

  4. CommentedLeo Arouet

    Es muy difícil mantener esa esperanza cuando se coloca en una balanza la realidad de la voluntad política y el deteriorio acuciante de la situación de los más desfavorecidos...

  5. Commentedsk khalid ali

    good article overall..vission is clear to help poor worldwide..i think the axis of all evil usa-israil & their role in conspiracy in world politics should be check by un to calm world..& will help people to do their work normally...people will live peacefully..economy will bounce back

  6. CommentedEdward Ponderer

    These are beautiful sentiments, only Murphy's law tends to outrank such beautiful sentiments. For example, see here on the problems with Mr. Gates push for an end to Polio:

    http://www.nytimes.com/2011/02/01/health/01polio.html?ref=world&_r=0

    It is going to take a lot more than the teamwork smarts of individuals to take on Murphy. Its going to take a singular global Humanity, with mutual concern and responsibility matching the economic and cultural interdependence rapidly evolving from globalization.

    Try completely getting rid of the dandelions on your front lawn without the concern of everyone to protect their neighbors front lawn with equal ferocity.

  7. CommentedGodfrey Barborous

    This "goal-oriented" approach only serves the interests of corporations and governments.

    Give it up Gates -- and I don't mean all your money.

  8. CommentedFrank O'Callaghan

    Gates is right that we can make a better world. He is also right that innovation is a major motor of this. He does not mention the great issue of inequality. Reducing that will be the other great motor.

  9. CommentedZsolt Hermann

    Even if we share Mr. Gates's optimism based on the present, the future does not look so optimistic.
    The global crisis, the disappearing middle class, growing unemployment is creating a new generation of "poor" people, and youth without future prospects.
    The main problem is humanity's stubborn persistence of pushing on with a socio-economic system that is unsustainable.
    Very soon even today's generous donors will stop giving as they will have nothing to give from.
    Gazing optimistically beyond the horizon without knowing where we stand, and who we are only yields disappointment.
    Instead we should be looking down the ground, ahead of our feet and try to build a new, natural and thus sustainable global human system, adapted to today's global, interconnected world, one in which mutual responsibility, truly global cooperation and consideration will make today's charity projects obsolete.

  10. CommentedJ St. Clair

    trade is monetary...life's journey require money....of which is not that easy to obtain...therefore.....the "advantages" of life are questionable...

  11. CommentedJ St. Clair

    when framed this way....we can frame it this way too.....the market of making drugs..needs a market of takers of drugs....what would a market of making drugs do...without a market of takers of drugs......who is the greater of benefitors...is it about life...or is it about trade...

  12. CommentedAyse Tezcan

    I, too, am an optimist that things are moving in the right direction. Thanks to information dissemination, people in the developed world have an access to information about where their aid monies go. Consequently, the recipients are being required to be more accountable, which may eventually help reducing corruption in the recipient countries and mediator organizations.
    I also believe that advancements in technologies such use of smart phones in delivering health care will expedite reaching these MDGs sooner than expected as well as measuring the process and outcomes more accurately than ever before. The important challenge is now identify the communities' assets to remedy these needs for sustainable progress and prioritizing the delivery for optimum impact. On the process end, I am still cautiously watching the great fraction in social enterprise whether this many small organizations has any utility, or they are redundant and/or impede progress.

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