Tuesday, September 2, 2014
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Einwanderung und Amerikas Macht

CAMBRIDGE – Die Vereinigten Staaten sind eine Nation von Einwanderern. Außer einer geringen Anzahl amerikanischer Ureinwohner kommen alle ursprünglich aus einem anderen Land, und selbst Einwanderer, die erst vor kurzem ankamen, können in Spitzenpositionen der Wirtschaft und Politik aufsteigen. Präsident Franklin Roosevelt sprach die Töchter der Amerikanischen Revolution – eine Gruppe, die auf die frühe Ankunft ihrer Vorfahren stolz ist – einst als „fellow immigrants“ (in etwa Miteinwanderer) an, was zu einem bekannten Ausspruch wurde.

In den letzten Jahren gab es in der US-Politik jedoch eine starke Tendenz gegen Einwanderung, und die Frage spielte beim Kampf um die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner 2012 eine große Rolle. Allerdings hat die Wiederwahl Barack Obamas die Macht der aus Lateinamerika stammenden Wähler demonstriert, die den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney mit einer 3-1-Mehrheit ablehnten, genau wie asiatischstämmige Amerikaner.

Die Folge ist, dass nun mehrere prominente republikanische Politiker ihre Partei drängen, ihre einwanderungsfeindliche Politik zu überdenken, zudem werden Pläne für eine Reform des Einwanderungsrechts zu Beginn von Obamas zweiter Amtszeit auf der Agenda stehen. Eine erfolgreiche Reform wird ein wichtiger Schritt sein, um einen Machtverlust Amerikas zu verhindern.

Ängste in Bezug auf die Auswirkungen der Einwanderung auf nationale Werte und ein gemeinsames amerikanisches Identitätsgefühl sind nichts Neues. Die „Know-Nothing“-Bewegung im neunzehnten Jahrhundert gründete auf dem Widerstand gegen Immigranten, vor allem gegen die Iren. Ab 1882 konzentrierte sich die Ausgrenzung auf Chinesen, und mit dem strengeren Immigration Act von 1924 verlangsamte sich der Zuwandererstrom im Allgemeinen vier Jahrzehnte lang.

Im zwanzigsten Jahrhundert verzeichneten die USA 1910 ihren höchsten prozentualen Anteil von im Ausland geborenen Einwohnern – 14,7 % der Bevölkerung. Ein Jahrhundert später waren laut der Volkszählung von 2010 13% der amerikanischen Bevölkerung im Ausland geboren worden. Doch obwohl es sich um eine Nation aus Einwanderern handelt, stehen mehr Amerikaner der Immigration skeptisch als positiv gegenüber. Verschiedene Meinungsumfragen belegen, dass entweder eine relative oder eine absolute Mehrheit weniger Einwanderung fordert. Die Rezession hat derartige Ansichten noch verschärft: 2009 war die Hälfte der US-Öffentlichkeit dafür, weniger Einwanderer zuzulassen, gegenüber 39 % im Jahr 2008.

Sowohl die Anzahl der Einwanderer als auch ihre Herkunft hat Befürchtungen hinsichtlich der Auswirkungen der Einwanderung auf die amerikanische Kultur wachgerufen. Die Demografen malen für 2050 das Bild eines Landes, in dem nicht-hispanische Weiße nur eine geringe Mehrheit darstellen. 25 % der Bevölkerung werden aus Lateinamerika stammen, wogegen afrikanischstämmige und asiatischstämmige Amerikaner 14 % bzw. 8 % ausmachen werden.

Doch produzieren Massenkommunikation und die Kräfte des Marktes starke Anreize, die englische Sprache zu meistern und einen gewissen Grad an Assimilation hinzunehmen. Moderne Medien helfen den neuen Einwanderern, im Vorhinein mehr über ihr neues Land zu erfahren als die Einwanderer vor einem Jahrhundert. Tatsächlich deuten die meisten Anhaltspunkte darauf hin, dass die aktuellen Einwanderer sich mindestens ebenso schnell integrieren wie ihre Vorgänger.

Obwohl eine zu hohe Einwanderungsquote soziale Probleme hervorrufen kann, stärkt die Immigration auf lange Sicht die Macht der USA. Es wird geschätzt, dass derzeit mindestens 83 Länder und Territorien zu niedrige Geburtenraten haben, um ihre Bevölkerungszahl konstant zu halten. Während die meisten Industrieländer im Laufe dieses Jahrhunderts einen Mangel an Einwohnern erleben werden, zählt Amerika zu den wenigen, die einen Bevölkerungsrückgang wohl verhindern und ihren Anteil an der Weltbevölkerung halten können.

Um seine aktuelle Bevölkerungszahl beizubehalten, müsste Japan zum Beispiel in den nächsten 50 Jahren jährlich 350 000 Neuankömmlinge aufnehmen, was für eine Kultur, die historisch einwanderungsfeindlich war, schwierig ist. Dagegen rechnet das Census Bureau (die für die Volkszählung zuständige US-Behörde) damit, dass die amerikanische Bevölkerung in den nächsten vier Jahrzehnten um 49 % wachsen wird.

Derzeit sind die USA das am drittstärksten bevölkerte Land der Welt; wahrscheinlich werden sie in 50 Jahren immer noch an dritter Stelle stehen (hinter China und Indien). Das ist für die wirtschaftliche Macht äußerst relevant: Während fast alle anderen Industrieländer schwerer an der Versorgung der älteren Generation zu tragen haben werden, könnte die Einwanderung helfen, dieses politische Problem für die USA zu lindern.

Und obwohl Studien darauf hinweisen, dass die kurzfristigen wirtschaftlichen Vorteile der Einwanderung relativ gering sind und ungelernte Arbeitskräfte unter der Konkurrenz leiden könnten, können qualifizierte Einwanderer wichtig für bestimmte Wirtschaftssektoren sein – und für das langfristige Wachstum. Es gibt eine starke Korrelation zwischen der Anzahl von Visa für qualifizierte Bewerber und den in den USA angemeldeten Patenten. Anfang dieses Jahrhunderts leiteten in China und Indien geborene Ingenieure ein Viertel der Technologiefirmen in Silicon Valley, auf die 17,8 Milliarden US-Dollar Umsatz entfielen, und 2005 hatten Einwanderer zur Gründung von einem Viertel aller amerikanischen Technologie-Start-ups des letzten Jahrzehnts beigetragen. Einwanderer oder die Kinder von Einwanderern gründeten ungefähr 40 % der Fortune 500-Unternehmen von 2010.

Ebenso wichtig sind die Vorteile der Immigration für Amerikas „weiche Macht“, womit seine Anziehungskraft gemeint ist. Zusammen mit den Aufstiegsmöglichkeiten für Einwanderer macht die Tatsache, dass Menschen in die USA kommen wollen, das Land attraktiver. Die USA sind ein Magnet, und viele Menschen können sich auch deshalb als Amerikaner begreifen, weil viele erfolgreiche Amerikaner wie sie aussehen. Darüber hinaus tragen die Verbindungen der Einwanderer zu ihren Familien und Freunden im Heimatland dazu bei, richtige und positive Informationen über die USA zu vermitteln.

Und weil das Vorhandensein mehrerer Kulturen Verbindungswege zu anderen Ländern schafft, trägt es ebenso zu einer offeneren Einstellung und Weltanschauung der Amerikaner bei, was im Zeitalter der Globalisierung wichtig ist. Anstatt harte und weiche Macht zu verwässern, fördert die Immigration beide.

Singapurs ehemaliger Premierminister Lee Kuan Yew, ein scharfsinniger Beobachter der USA und Chinas, argumentiert, dass China die USA als führende Macht des 21. Jahrhunderts nicht überholen wird, gerade weil die USA die besten und hellsten Köpfe aus dem Rest der Welt anziehen und in einer vielfältigen Kultur der Kreativität vereinen. China hat eine größere einheimische Bevölkerung, aus der es Arbeitskräfte heranziehen kann, doch Lees Ansicht nach wird die sinozentrische Kultur des Landes es nicht so kreativ werden lassen wie die USA.

Diese Ansicht sollten sich die Amerikaner zu Herzen nehmen. Wenn es Obama gelingt, in seiner zweiten Amtszeit eine Reform des Einwanderungsrechts zu erlassen, wird er viel zur Einhaltung seines Versprechens beigetragen haben, die Stärke der USA aufrechtzuerhalten.

Aus dem Englischen von Anke Püttmann

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  1. CommentedJ St. Clair

    you all better get used to fewer humans on this planet .... there is no amount of immigration that will change that....everyone is broke.....no need to bring another human onto this planet that will be struggling for 70 years hussling for money...

  2. CommentedLeo Arouet

    Woow... Un artículo que destaca las bondades de la inmigración. Joseph Nye rescata lo positivo de la corriente de inmigración y hace una comparación a la largo plazo de Estados Unidos y Europa... Las tasas de natalidad están disminuyendo en Europa y Japón; así que estos países tendrán que realizar políticas favorables si desean que sus sociedades mantengan su densidad actual... La inmigración contribuye al poder económico y al poder blando de un país.

  3. CommentedPaul A. Myers

    Real simple:
    1. Give visas to young people with education who want to come and work, not to older people under family reunification.
    2. Give visas to foreign students who get a degree in the US.
    3. Everyone starts with a conditional work permit; it takes say 20 quarters of Social Security earnings to get a Green Card. Now, rather than working in the underground economy, everyone will clamor to work in the legal economy and earn those Social Security quarters.
    4. The US does not have a Social Security entitlement problem; it has a lack of imagination problem in its political leadership.
    5. Increase Asian immigration and let the Chinese leaders wonder where all the talent went!

  4. CommentedAnthony Juan Bautista

    Hmmmm, is the GOP really anti-immigration? Or is this just a liberal meme? Pls show me legislation passed by the fed GOP house or GOP state govt that seeks to roll-back America's status as the number one LEGAL immigration destination in the world. I know it's not fashionable in Washington to enforce existing statute; but ignoring American law is not "pro immigrant" in any healthy sense.

    The author may be an unserious presentor by perpetuating this nonsense.

  5. CommentedShane Beck

    Not necessarily. It depends upon how the immigrants identify themselves. People immigrate for various reasons- economic, family ties, fleeing persecution etc. If the immigrants still identify themselves in terms of the home country, you may get ghettos or at worst balkanization in unstable countries. It also varies over time- first generation immigrants may not integrate but the third generation may integrate. It also depends upon the acendency of the home countries- now that Asian countries are economically strong there is less reason for the asian immigrants to integrate into America and more reason to emphasise their cultural heritage / ties. There are advantages for nations to be culturally heterogenuous but there are also advantages for nations to be culturally homogenuous or at least have one totally dominant culture.

  6. CommentedLuis A. Guerra

    While reading your article I can not help but remember a comment left to an article in the Miami Herald which I later published in my Blog "Stars, Stripes and Stains". Here a quote of that comment:

    "Our concept of freedom is so powerful that it even negates the need of a given culture and/or language to exist. In fact, it is the power of our concept of freedom that allows us to assimilate as much or as little as we want from any culture in the world and still remain uniquely American. In the process, our freedom compels us to use our imagination and reshape, transform, refine, etc. everything we assimilate and end up with a uniquely American version of the original; talk about hot dogs, Taco Bell and Brooklyn style pizza.

    You should have more faith on the power of our concept of freedom. Immigrants certainly do and eventually are compelled to make it their own regardless of what believes they might have brought with them when they first arrived to the US.

    That is the true America; "E pluribus Unum" by the uniqueness and immensely creative as well as galvanizing power of our concept of freedom".

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