Tuesday, July 22, 2014
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Wie eine Pleite zum starken Staat führt

WASHINGTON, DC – Führende Kongressmitglieder der USA sind entschlossen, es bei der Schuldengrenze für den Staatshaushalt mit der Obama-Regierung auf eine Machtprobe ankommen zu lassen. Normalerweise würde man annehmen, dass die Republikaner in dieser Verhandlungsphase kompromissbereit wären, aber es gibt eine Minderheit von Hardlinern, die eine durch Staatsschulden verursachte Pleite offensichtlich für keine schlechte Idee halten.

Diese Abgeordneten – mit denen ich kürzlich während dreier Kongressanhörungen in Kontakt kam – sind überzeugt, dass die US-Bundesregierung im Vergleich zur Wirtschaft zu groß ist und dass drastische Schritte erforderlich sind, um sie unter Kontrolle zu bringen. Je nachdem wie stark man die “Tea Party” im Kapitol einschätzt, scheint zumindest eine teilweise Überschuldung nicht so undenkbar zu sein, wie bisher angenommen – ein Risiko, das auch die jüngsten Warnungen der Rating-Agenturen widerspiegeln.

Aber die Folgen einer wie auch immer gearteten Pleite würden ironischerweise den Staat im Vergleich zur US-Wirtschaft noch vergrößern – genau das Ergebnis, dass die kompromisslosen Republikaner angeblich verhindern wollen.

Der Grund dafür ist einfach: Eine Staatspleite würde das bestehende Kreditsystem zerstören. Die grundlegende Zinsbasis, nach denen sich die modernen Finanzmärkte richten, sind die sogenannten “risikofreien” Zinssätze auf Staatsanleihen. Diese Säule des Systems zu entfernen – oder die US-Anleihen mit einem hohen Risiko zu versehen – würde viele private Verträge und Transaktionen zerstören.

Darüber hinaus halten viele Menschen und Unternehmen ihren “Notgroschen” in Form von US-Staatsanleihen. Beispielsweise sind die Geldmarktfonds, die für am sichersten gehalten werden, diejenigen, die ausschließlich US-Staatsschulden besitzen. Wenn die USA pleite gehen, werden diese alle in Schieflage geraten, das heißt, sie können für den Wert des eingezahlten Geldes nicht mehr garantieren.

Das Ergebnis wäre Kapitalflucht – aber wohin? Viele Banken bekämen ein ähnliches Problem: Ein Preissturz der US-Anleihen (das Gegenstück zu höheren Zinssätzen, da sich Anleihepreise und Zinssätze gegenläufig bewegen) würde ihre Bilanzen ruinieren.

Kein Unternehmen in den USA würde eine Staatspleite unbeschadet überstehen – und keine Bank und keine andere finanzielle Institution könnte einen sicheren Hafen für Ersparnisse bieten. Es gäbe einen derart massiven Ansturm auf Bargeld wie seit der Großen Depression nicht mehr, mit langen Schlangen vor den Geldautomaten und Bankschaltern, um so viel Geld wie möglich abzuheben.

Darüber hinaus würde die Geldvergabe an den privaten Sektor der USA ausbleiben, was die Notenbank vor eine unangenehme Wahl stellen würde. Entweder könnte sie einspringen und direkt an Haushalte und Unternehmen eine enorme Kreditsumme vergeben (ähnlich wie die Gosbank, die Notenbank der Sowjetunion), oder sie könnte zuschauen, wie das BIP um 20-30% fällt – ein Rückgang, der in modernen Volkswirtschaften beim Austrocknen der Kreditvergabe bereits vorgekommen ist.

Mit dem freien Fall des privaten Sektors würden Konsum und Investitionen rapide zurückgehen. Auch Amerikas Exportfähigkeit wäre behindert, da auch ausländische Märkte betroffen wären und Exportunternehmen ohne Kredit wahrscheinlich nicht produzieren könnten.

In einem Punkt haben die Republikaner recht: Nach einer Pleite würden die Staatsausgaben absolut betrachtet sinken. Aber was würde schlimmer abstürzen, öffentliche Ausgaben oder die Größe des privaten Sektors? Mit ziemlicher Sicherheit der private Sektor mit seiner Abhängigkeit von Krediten zur Ressourcenfinanzierung. Man nehme die Kontraktion nach dem Beinahe-Zusammenbruch des Finanzsystems in Jahr 2008 und multipliziere sie mit zehn.

Auf der anderen Seite hat die Regierung Kontrolle über die Notenbank und könnte so Bargeld bereitstellen, um Löhne zu zahlen. Ohne die Anhebung der Schuldengrenze wären dafür einige juristische Tricks erforderlich. Aber die Alternative wäre wohl der Zusammenbruch der nationalen Sicherheit der USA – Soldaten und Grenzposten müssen bezahlt werden, das Transportsystem muss funktionieren usw.

In dieser Situation Geld auszuteilen, hätte mit Sicherheit inflationäre Effekte, aber die Notenbank könnte sich darüber hinwegsetzen, da die USA noch nie einer solchen Kreditimplosion ausgesetzt waren und die verzweifelten Kreditausweitungen von 2008 nicht so schlimme Auswirkungen hatten, wie von Kritikern befürchtet.

Dies wären also die Auswirkungen einer Staatspleite in den USA: Der private Sektor würde kollabieren, die Arbeitslosigkeit würde schnell 20% überschreiten, und der Staat wäre trotz Schrumpfung der letzte übrig gebliebene Arbeitgeber.

Die Republikaner im Parlament und Senat, die die Schuldengrenze nicht erhöhen wollen, spielen mit dem Feuer. Sie propagieren eine Politik, die schlimme Folgen hätte und das Gegenteil von dem erreichen würde, was sie angeblich wollen, da eine Pleite die Regierung und den Staat wichtiger machen würde, und nicht umgekehrt.

Das einzige Gesetz, das der Kongress nicht außer Kraft setzen kann, ist das Gesetz der unbeabsichtigten Konsequenzen.

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