Sunday, April 20, 2014
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Die Türkei - eine Nation verschiedener Glaubensrichtungen

ANKARA – Nach Jahrzehnten der Missachtung und des Misstrauens von offizieller Seite hat die Türkei mehrere Schritte unternommen, um die Rechte der nichtmuslimischen Minderheiten des Landes sicherzustellen und damit die gleichberechtigte rechtsstaatliche Behandlung aller türkischen Bürger, ungeachtet ihrer Religion, ethnischen Zugehörigkeit oder Sprache zu garantieren.  

Zu den religiösen Minderheiten der Türkei zählen griechisch-orthodoxe, armenische, assyrische, kaldäische und andere christliche Glaubensgemeinschaften ebenso wie Juden. Sie alle bilden einen integralen Bestandteil der türkischen Gesellschaft. Als Teil der neuen Initiative der türkischen Regierung, jede Art der Diskriminierung von nichtmuslimischen Gemeinschaften zu beenden, bekräftigte Präsident Abdullah Gül diese Botschaft, indem er den griechisch-orthodoxen Patriarchen von Istanbul, Bartholomaios, empfing und in Hatay – als erster türkischer Präsident - eine Kirche und eine Synagoge besuchte.

Im August 2009 traf  Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan auf Büyükada, der größten der Prinzeninseln im Marmarameer, mit Oberhäuptern religiöser Minderheiten zusammen und zeigte ein offenes Ohr für ihre Probleme und Sorgen. Das ist ein klares Signal für die Absicht der Regierung, das gesellschaftliche Zugehörigkeitsgefühl dieser Gemeinschaften zu stärken. Als stellvertretender Ministerpräsident  traf ich im März 2010 mit Vertretern der religiösen Minderheiten zusammen und besuchte in den Jahren 2010 und 2011 armenisch-orthodoxe und griechisch-orthodoxe Patriarchate. Auch der türkische Minister für EU-Angelegenheiten,  Egemen Bağış, ist bei verschiedenen Anlässen mit den Oberhäuptern dieser Gemeinschaften zusammengetroffen.  

Jenseits der Etablierung freundlicher Beziehungen zwischen der türkischen Regierung und den religiösen Minderheiten des Landes hinaus, ändert sich auch die offizielle Politik. Im Mai 2010 veröffentlichte Ministerpräsident Erdoğan eine offizielle Erklärung, in der Beamte und Bürger vor jedweder Diskriminierung religiöser Minderheiten gewarnt wurden und in der man die uneingeschränkte Gleichstellung der nichtmuslimischen türkischen Bürger betonte.   

Das Fundament für diese Initiative der letzen Jahre wurde allerdings schon vor langer Zeit gelegt.  Im August 2003 führte die türkische Regierung unter Ministerpräsident Erdoğan Gesetzesänderungen zur Lösung von eigentumsrechtlichen Fragen im Zusammenhang mit den Verbänden religiöser Minderheiten ein. Zum ersten Mal in der Geschichte der Republik wurden 365 Grundstücke und Gebäude im Besitz der religiösen Minderheiten unter deren Namen gesetzlich registriert. Im Jahr 2008 setzte die Regierung trotz des heftigen Widerstandes anderer politischer Parteien eine Änderung des Vereinsgesetzes durch und ermöglichte es den religiösen Minderheiten, Immobilien zu erwerben (und Zuwendungen aus dem Ausland ungeachtet deren Ausmaßes zu bekommen).  

Aufgrund einer wichtigen Novelle zum Vereinsgesetz von August 2011 mussten über 350 Grundstücke und Immobilien an religiöse Minderheiten rückerstattet werden. Als Teil dieser Änderungen wurde der griechisch-orthodoxen Mädchenschule im Istanbuler Stadtteil Beyoğlu sowie dem jüdischen Gemeindezentrum in Izmir Rechtsstatus zuerkannt und damit ein jahrzehntelanger Streit beendet.  

Schon davor, nämlich im November 2010, wurde das griechisch-orthodoxe Waisenhaus auf der Insel Chalki dem griechisch-orthodoxen Patriarchat rückerstattet. Um den orthodoxen Metropoliten die Ausübung ihrer religiösen Pflichten zu erleichtern, verlieh man ihnen die türkische Staatsbürgerschaft. Darüber hinaus gehört dem Verbandsrat, der höchsten Behörde für religiöse Gemeinschaften, nun erstmals ein nichtmuslimisches Mitglied an, das die religiösen Minderheiten vertritt.  

Außerdem wurde der Generaldirektion für religiöse Verbände die Aufgabe übertragen, die von religiösen Minderheiten für ihre Religionsausübung benutzten Gebäude zu renovieren. Dazu zählt die historische Nikolaus-Kirche in Gökçeada auf der Insel Çanakkale sowie die assyrisch-katholische und die griechisch-katholische Kirche in Iskenderun. Eine Reihe weiterer Kirchen und Synagogen werden momentan ebensfalls renoviert.

Die Behörden haben überdies viele weitere historische und auch symbolische Schritte unternommen. Das Ministerium für Kultur und Tourismus hat das Kloster Panagia Sümela renovieren lassen, ein 1.600 Jahre altes Gebäude in Trabzon an der Schwarzmeerküste. Im August 2010 wurde dort von Bartholomaios die erste Messe seit Jahrzehnten gefeiert, an der hunderte Gläubige aus Griechenland, Russland, Georgien, Europa, den Vereinigten Staaten und der Türkei teilnahmen.  

Ein weiterer Meilenstein war die Renovierung und Einweihung der 1.100 Jahre alten armenischen Kirche auf Achtamar im März 2007. Der armenische Erzbischof Aram Ateşyan hielt dort die erste Messe nach 95 Jahren, die von tausenden Gläubigen besucht wurde.

Diese Maßnahmen wurden ergriffen, um die lange währenden Probleme der nichtmuslimischen religiösen Minderheiten der Türkei zu lösen. Die türkischen Muslime haben mit jüdischen und christlichen Gemeinden über Jahrhunderte zusammengelebt und sie mit Respekt und Mitgefühl behandelt. Wir sind entschlossen, auch die verbleibenden Probleme zu lösen und wir glauben, dass dies durch gegenseitigen Respekt und Zusammenarbeit erreicht werden kann. Die Juden und Christen in der Türkei sind vollwertige Staatsbürger mit gleichen Rechten und wir werden daran arbeiten, um sicherzustellen, dass diese Realität in allen Lebensbereichen des Landes ihren Niederschlag findet.

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  1. CommentedPaulo Sérgio

    It certainly polishes the Turkish image in the European Community. Of course, Turkey now emerges as the leading moderate Muslim nation in the Middle East, as Egypt's light begins to fade.

    Turkey's overtures to minorities within in its borders should include some kind of interest in preserving a moderate Egypt -- they should engage these Arab Spring countries, just the same as South Africa should have played a more proactive role in Africa - in Zimbabwe and the Ivory Coast. Lost opportunities for soft power..

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