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Bewertet die Ratingagenturen

CAMBRIDGE – In der neuen Finanzordnung, die von Regulierungsbehörden auf der ganzen Welt momentan auf den Weg gebracht wird, sollte die Reform der Ratingagenturen ein zentrales Element sein. Die Ratingagenturen spielen auf modernen Kapitalmärkten eine Schlüsselrolle, versagten aber in den Jahren vor der Finanzkrise vollkommen. Es bedarf daher eines wirksamen Mechanismus zur Bewertung dieser Bewertungsunternehmen.

Es ist weithin bekannt, dass Ratingagenturen die Investoren im Regen stehen ließen. Viele von Standard & Poor, Moody’s und Fitch in den Jahren des Booms als sicher bewertete Finanzprodukte im Zusammenhang mit Immobilienkrediten erwiesen sich als tödliche Gefahr. Und das Problem ist nicht auf derartige Finanzprodukte beschränkt: Da sich die Emittenten anderer Schuldtitel die Ratingagenturen, von denen sie bewertet werden, aussuchen und bezahlen, haben diese Agenturen noch immer einen starken Anreiz, sich durch die Ausstellung von guten Bewertungen erkenntlich zu zeigen.

Was sollte nun getan werden? Ein dazu vorgebrachter Ansatz sieht vor, die Bedeutung der Bewertungen zu begrenzen. Vielfach rührt nämlich die Bedeutung der Bewertung von gesetzlichen Bestimmungen her, die institutionelle Investoren und Investmentvehikel verpflichten oder ermuntern, in ihren Portefeuilles Anlagen zu halten, die von anerkannten Agenturen eine hinreichend gute Bewertung erhielten.

Enttäuschung über die Leistung der Agenturen und Skepsis hinsichtlich Wirksamkeit der Regulierung hat zu Forderungen geführt, die Verwendung von Ratings zu regulatorischen Zwecken zu eliminieren. Wenn die Bewertungen keine gesetzliche Grundlage haben, so das Argument, brauchen sich die Regulierungsbehörden nicht um die Qualität der Bewertung zu kümmern und können die Überwachung der Agenturen dem Markt überlassen.

Aber selbst wenn diese Bewertungen nicht mehr gesetzlich gefordert oder gefördert wären, bliebe die Nachfrage nach diesen Bewertungen – und die Notwendigkeit, ihre Zuverlässigkeit zu verbessern – bestehen. Viele Anleger sind nicht in der Lage, zu überprüfen, in welchem Ausmaß die hohe Rendite eines Rentenfonds auf Risiko zurückzuführen ist. Sie würden daher von einer Bewertung der Beteiligungen des Fonds profitieren. Angesichts der Erfahrungen aus der Vergangenheit kann man sich aber nicht auf die Reputation auf dem Markt verlassen, um die Zuverlässigkeit derartiger Ratings sicherzustellen.

Ein anderer Ansatz ist, die Haftungsregelungen zu ändern. Dieser Argumentation zufolge würden sich die Anreize für die Ratingagenturen verbessern, wenn Investoren sie vor Gericht bringen könnten. Obwohl eine derartige juristische Durchleuchtung bei der Verhinderung der haarsträubendsten Fälle wirken könnte, würde man damit allerdings nicht sicherstellen, dass die Ratingagenturen richtig handeln, wenn man nicht erwarten kann, dass die Gerichte im Nachhinein feststellen, was das Richtige gewesen wäre.    

Es gibt somit keine andere Möglichkeit, als den Ratingagenturen Anreize zu bieten, eine möglichst genaue Bewertung abzugeben. Bewerkstelligen könnte man dies, indem man den Gewinn der Agentur nicht von der Zufriedenheit des Emittenten abhängig macht, der diese Agentur wählt, sondern davon, wie gut diese Bewertung den Investoren dient.  Wenn der Gewinn einer Agentur von ihrer Leistung abhängt – nämlich von der Genauigkeit der Bewertung – würde das Profitmotiv nicht mehr in perversen, sondern durchaus gedeihlichen Anreizen bestehen.   

Der US-Senat stimmte in diesem Monat für die Einbeziehung eines derartigen Mechanismus in den Gesetzesentwurf zur Finanzreform, der nun noch mit der Vorlage des Repräsentantenhauses abgestimmt werden muss. Der Ansatz des Senats sieht vor, dass die Regulierungsbehörden Bestimmungen erarbeiten, wonach ein unabhängiger Regulierungsrat die Ratingagenturen auswählen würde. Diesem Rat wäre es möglich, seine Entscheidungen auf Grundlage der Leistungen der Agentur in der Vergangenheit zu treffen.

Damit ein derartiger Mechanismus funktioniert, muss die Zahl der Aufträge der Agenturen und damit auch deren Vergütung, an angemessene Maßstäbe für deren Leistung gekoppelt werden. Bei diesen Maßstäben sollten man sich darauf konzentrieren, was die Bewertungen für die Investoren so wertvoll macht – nämlich ihre Genauigkeit bei der Prognose finanzieller Gesundheit.

Ein derartiger Mechanismus dürfte nicht auf die Bewertung strukturierter Finanzprodukte beschränkt sein (wie es leider in der Vorlage des Senats der Fall ist). Vielmehr sollte er für alle von Ratingagenturen bewertete Produkte gelten. Denn alle Bewertungen von Finanzprodukten führen zu den gleichen Anreizproblemen und könnten von einer Reform profitieren.

Wie vorauszusehen war, gab es gegen den Gesetzesentwurf des Senats erbitterten Widerstand der führenden Ratingagenturen. Standard & Poor argumentierte, dass ein derartiger Mechanismus den Ratingagenturen „weniger Anreize für den Wettbewerb untereinander, für das Streben nach Innovation und die Verbesserung ihrer Modelle, Kriterien und Methoden“ bieten würde.  

Nun ja, ein solcher Mechanismus würde die negativen Anreize tatsächlich reduzieren -  nämlich den Wettbewerb untereinander, den Wertpapieremittenten zu gefallen sowie Innovationen und Verbesserungen anzustreben, die es den Ratingagenturen ermöglichen, die Emittenten zufrieden zu stellen. Sehr wohl jedoch würde dieser Mechanismus die positiven Anreize fördern – nämlich den Wettbewerb untereinander zu stärken, genaue Bewertungen abzugeben und Innovation und Verbesserungen anzustreben, die es den Ratingagenturen ermöglichen, dieses sozial besser verträgliche Ziel zu erreichen.

Ratingagenturen sind ein wichtiger Aspekt moderner Kapitalmärkte und sollten es auch bleiben. Aber damit diese Bewertungen gut funktionieren, müssen die Ratingagenturen selbst bewertet werden.

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