Alle wollen wirtschaftliche Stabilität und keiner möchte heute aufgeben, was ihm gestern Stabilität verlieh. Allerdings ist es trügerisch, Stabilität durch Starrheit herstellen zu wollen. Die Stabilität des internationalen Finanzsystems von heute hängt nämlich von der Bereitschaft der Länder mit starren Wechselkursen ab, diese Kurse flexibler zu gestalten.
In der Zeit nach der internationalen Finanzkrise der Jahre 1997 und 1998 waren viele Schwellenmärkte – aufgrund von Währungsabwertungen, raschen Produktivitätszuwächsen oder beidem – höchst wettbewerbsfähig. Länder mit erheblichen Leistungsbilanzüberschüssen bauten enorme Reserven auf und setzten die Wechselkurse ihrer Währungen fest (oder steuerten sie stark), um die ersten zwei Zielvorgaben zur Sicherung der externen Stabilität zu erreichen.
Die Ironie an der Sache ist, dass während der Krise der Jahre 1997/98 ein spezielles System festgesetzter Wechselkurse versagte, als das Kapital abfloss. Doch in vielfacher Hinsicht klappte die Anhäufung von Reserven besser, als man sich das vorgestellt hatte – die Länder erkannten, dass man beträchtlichen Schocks standhalten konnte und das Wachstum war sowohl national als auch international beeindruckend. Innerhalb von ein paar Jahren kam man in vielen Ländern daher zum Schluss, dass festgesetzte Wechselkurse eine gute Sache wären, solange man dies durch ausreichend mit offiziellen Reserven gefüllte Kriegskassen unterstützte. Im weltweiten Wechselkurssystem entstand eine neue Art von Ordnung.
Natürlich kam es zu weniger erwünschten externen Effekten auf andere. Wenn ein beträchtlicher Teil der Weltwirtschaft einen Leistungsbilanzüberschuss aufweisen möchte (um das Jahr 2006 war das ein großer Teil der Schwellenländer Asiens, die meisten Öl exportierenden Staaten und Japan), muss es in einem gleich großen Teil der Weltwirtschaft ein Leistungsbilanzdefizit geben. In den Jahren nach 1998 stellten die USA beinahe das ganze benötigte Defizit.
Solange US-Vermögenswerte für Menschen in Ländern mit einem Leistungsbilanzüberschuss attraktiv waren (oder es eine annehmbare Investitionskette aus Überschussländern gab, die in den USA endete) waren diese Anhäufungen von Reserven tragbar. Beim IWF bestand große Sorge darüber, was passieren würde, wenn diese Kette abreißt – und der schlussendliche Riss war natürlich mehr eine Frage der Arithmetik als der Ökonomie. Das Leistungsbilanzdefizit der USA kann nur dann etwa 3 % über dem BIP bleiben, wenn es unrealistische Annahmen darüber gibt, welchen Anteil an amerikanischen Vermögenswerten der Rest der Welt zu halten gewillt ist.
Die von China, der Eurozone, Japan, Saudi Arabien und den USA im Frühjahr 2007 – im Rahmen der multilateralen Konsultationen über globale Ungleichgewichte - angekündigten strategischen Pläne sind als Reaktionen der internationalen Gemeinschaft auf die steigenden Gefahren zu sehen. Die USA sollten ihr Defizit reduzieren und die Überschussländer vernünftige Maßnahmen ergreifen, um ihre Überschüsse in einer Art und Weise abzubauen, die das globale Wachstum unterstützt.
Nachdem die globale Situation komplexer wurde, hat sich in den letzten Monaten in der Diskussion eine gewisse Dringlichkeit breitgemacht. Speziell die Probleme am US-Immobilienmarkt haben seit letztem Sommer das Vertrauen in verbriefte Anlagen untergraben. Herausgekommen ist dabei eine Verschiebung der globalen Portfolio-Präferenzen, die manche Wechselkurse erheblich in Mitleidenschaft gezogen haben.
Der Dollar erfuhr eine Abwertung, die eine weltweite Anpassung unterstützt und den amerikanischen Staatsanleihenmarkt glücklicherweise nicht zum Erliegen bringt. Die langfristigen Zinsen sind ja schon seit Juli niedrig, daher verlief diese Anpassung auch „in geordneten Bahnen“. Doch das Muster der Wechselkursbewegungen im Rest der Welt hat mit den bestehenden Verhältnissen hinsichtlich der Leistungsbilanzen größtenteils nichts zu tun. In Wirklichkeit haben Währungen von Überschussländern mit stark gelenkten Wechselkursen seit dem letzten Sommer real effektiv an Wert verloren und damit einen Inflationsdruck geschaffen und die globale Anpassung beeinträchtigt.
Diese Entwicklung hat auch den Anpassungsdruck unverhältnismäßig in Richtung Länder mit flexiblen Währungen verschoben, wie beispielsweise dem Euro sowie dem kanadischen und den australischen Dollar. Diese mangelnde Anpassung der Überschussländer mit starren Wechselkursregime bedeutet, dass sich mit der Verringerung des US-Defizits anderswo auf der Welt – neben einer real effektiven Währungsaufwertung - ein Defizit aufbaut.
Der leichte Teil der Übung ist nun, zu wissen, was in dieser zunehmend komplexen und unbeständigen Situation zu tun ist: Man werfe einen Blick auf die bei den multilateralen Konsultationen präsentierten Strategien und setze sie einfach um. Wie im jüngsten halbjährlichen Bericht des US-Finanzministeriums an den Kongress dargelegt, sieht die Strategie für China vor, seine „Wirtschaft wieder ins Gleichgewicht zu bringen: Ankurbelung der Binnennachfrage und des Wachstums auf Grundlage von Konsum, Reform des Finanzsystems, und eine größere Flexibilität des Wechselkursregimes. Tatsächlich ist es ein zentrales wirtschaftliches Ziel der chinesischen Führung, das Wachstum wieder ins Gleichgewicht zu bringen.“
Allerdings wird es mit einer Stärkung der Nachfrage und einer real effektiven Aufwertung der Währung in China nicht getan sein, wenn nicht auch andere Länder ihren Teil beitragen. Die Ölexporteure müssen ihre fiskalischen Ausgaben erhöhen, Japan und die Eurozone müssen zur Ankurbelung des Wachstums Strukturreformen durchführen und die USA müssen konkrete Maßnahmen ergreifen, um höhere Ersparnisse zu erreichen.
Das würde einen Beitrag zur Aufrechterhaltung des Vertrauens leisten und der Anpassungsprozess würde weiterhin in geordneten Bahnen und ohne neue globale Ungleichgewichte oder Protektionismus ablaufen. Diese in den multilateralen Konsultationen entwickelten Strategien müssen auch umgesetzt werden, um einen Vertrauensverlust in den Dollar zu verhindern.
Die Gefahren für das weltweite Wachstum werden steigen, solange diese Anpassung uneinheitlich verläuft. Die politische Seite dabei ist nicht so einfach, aber um diese Gefahren zu verringern, brauchen wir die Zusammenarbeit zwischen den Ländern, und zwar jetzt.


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