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Frauen und der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf

OLYMPIA, WASHINTON – Barack Obama und John McCain sind die beiden Kandidaten in Amerikas diesjähriger Präsidentschaftswahl, doch wurde der Wahlkampf auch von zwei äußerst unterschiedlichen Frauen beherrscht: Hillary Clinton und Sarah Palin. Viele Beobachter glauben sogar, dass Frauen das Wahlergebnis bestimmen werden. Um also Sigmund Freud zu paraphrasieren: „Was wollen amerikanische Frauen?“

Bis in die 60er Jahre hinein neigten amerikanische Frauen eher als Männer dazu, die Republikaner zu unterstützen. Bei der Wahl 1980 zeigte sich eine andere Geschlechterkluft; Frauen stimmten mit höherer Wahrscheinlichkeit für die Demokraten als Männer. 1996 lag die Unterstützung der Frauen für Bill Clinton um 14 Prozentpunkte höher als die der Männer, und im Jahr 2000 zogen Frauen Al Gore um 12 Punkte George W. Bush vor.

Doch seit 1996 hat sich die politische Geschlechterkluft halbiert. Die Frauen, die sich wieder zu den Republikanern hingezogen fühlen, sind der gängigen Meinung nach „Sicherheitsmütter“ – Ehefrauen und Mütter aus den Vorstädten, die nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 anfingen, sich Sorgen um die Sicherheit ihrer Familien zu machen. Die Nominierung Palins durch McCain war ein Versuch, diese Mütter anzusprechen und die Stimmen von Frauen zu gewinnen, die über Clintons Niederlage enttäuscht waren.

Tatsächlich war die Verschiebung zu den Republikanern seit 2001 größtenteils durch weiße Frauen aus den Südstaaten bedingt. In der Nation insgesamt, merkt die Politikwissenschaftlerin Karen Kaufmann an, stimmten 50 % der Mütter mit Kindern in 2000 für Bush, und diese Zahl fiel 2004 sogar auf 49 %. Doch stimmten weiße Südstaatenfrauen, die 1996 und 2000 mit wesentlich höherer Wahrscheinlichkeit als weiße Südstaatenmänner für Bill Clinton bzw. Al Gore waren, 2004 seltener als Südstaatenmänner für den Demokraten John Kerry. Der Unterschied zwischen den Wahlvorlieben weißer Südstaatenfrauen und weißer Frauen aus dem übrigen Land ist nun größer als der zwischen Männern und Frauen.

Außerhalb der Südstaaten neigen Wählerinnen seltener dazu, in der Außenpolitik wie Falken zu denken, und unterstützen eher Ausgaben für Gesundheit, Bildung und andere Sozialprogramme. Frauen beurteilen die Bemühungen, Einkommensunterschiede zu verringern, tendenziell ebenfalls wohlwollender, obwohl afroamerikanische Männer bei diesen Themen genauso „mitfühlend“ sind wie afroamerikanische Frauen.

Kann eine der beiden Parteien wirklich gewinnen, indem sie den Geschlechtunterschied aufgreift? Frauen sehen andere Frauen gern als Machthaberinnen. Als die Demokraten 1984 Geraldine Ferraro als Vizepräsidentin aufstellten, zog sie riesige Menschenmengen an, genau wie Palin heute. Kurz nach Palins Nominierung sagte eine von drei weißen Frauen, dass sie jetzt eher für McCain stimmen würde.

Auf den ersten Blick erscheint es einleuchtend, dass Parteien das Geschlechterrollenbewusstsein der Frauen in einen vereinheitlichen Wählerinnenblock umwandeln könnten. Frauen haben bestimmte gemeinsame Interessen, insbesondere im Hinblick auf ihre Selbstbestimmung bei Fortpflanzungsentscheidungen und den Schutz vor sexueller Ausbeutung und Vergewaltigung. Die meisten Freuen erkennen zudem, dass die Medien sie härter beurteilen als Männer, und ärgern sich darüber. Und da Frauen im Allgemeinen davon ausgehen, dass sie das Gros der Verantwortung für die Kindererziehung tragen, bewerten sie Sozialpolitik tendenziell von dieser Warte aus.

Doch unterscheidet sich die Herangehensweise der Frauen an geschlechtsspezifische Fortpflanzungs-, Sexual- und Familienfragen je nach Schicht und persönlichen Optionen außerhalb der Familie. Frauen, die auf dem Arbeitsmarkt konkurrieren, unterstützen im Allgemeinen Bemühungen, eine sexuelle Doppelmoral in Frage zu stellen und sexuelle Belästigung energisch zu verfolgen. Doch akzeptieren Frauen, die von ihrem Ehemann abhängig sind, häufig eine Doppelmoral, die weibliche Reinheit und männliche Galanterie betont. Diese Frauen glauben, dass ein Festhalten an den stereotypen Geschlechterrollen „gute“ Frauen schützt.

Ebenso wissen Frauen, dass sie üblicherweise weniger verdienen und geringere Chancen auf einen beruflichen Aufstieg haben als Männer. Doch wählen sie unter Umständen unterschiedliche Strategien, um mit diesen Nachteilen fertigzuwerden. Diejenigen, die sich außerhalb der Ehe selbst versorgen können oder müssen, sind tendenziell dafür, wirtschaftliche Chancen für Frauen auszuweiten, und gegen Gesetze und Werte, die Ehemännern und Vätern die Autorität in der Familie übertragen.

Dagegen haben Frauen mit geringerer ökonomischer Autonomie unter Umständen das Gefühl, dass ihren Interessen am besten durch eine Betonung der Familienhierarchie und der wechselseitigen Pflichten gedient ist. Weibliche Ehrerbietung kann als eine Verstärkung der Pflicht des Mannes angesehen werden, die Familie zu ernähren.

Sogar bei Themen wie Verhütung und Abtreibung werden die Positionen von Frauen manchmal durch gegensätzliche Einschätzungen beeinflusst. Frauen, die später heiraten wollen, um zuvor ihre berufliche Laufbahn voranzubringen, neigen wesentlich stärker dazu sicherzustellen, dass sie eine unbeabsichtigte Schwangerschaft verhindern oder beenden können. Doch sagen Frauen, die glauben, dass ihre beste Aussicht auf Sicherheit darin besteht, einen Ehemann zu finden, in Umfragen häufig, dass Männer, wenn andere Frauen den biologischen Konsequenzen des Geschlechtsverkehrs entkommen können, weniger willens wären, eine Heirat im Gegenzug dafür anzubieten.

Ebenso neigen Frauen, die mit ihren Kindern zu Hause bleiben möchten, dazu, Steuervergünstigungen oder Familiengeld zu befürworten, während Frauen, die Beruf und Familie miteinander verbinden möchten, eher mehr Kinderbetreuung und garantierten Elternschaftsurlaub unterstützen.

Langfristig sind diese Unterschiede gewichtiger als die Gemeinsamkeiten der Frauen. Die Zustimmung von Frauen für Palin nahm ab, als sie mehr darüber erfuhren, wofür die Kandidatin steht. Der Hauptgrund, warum einige Frauen – und noch mehr Männer – dazu neigen, für eine McCain-Palin-Kombination zu stimmen, ist nicht Palins Geschlecht, sondern die Tatsache, dass ihre Präsenz auf der Kandidatenliste den Wertkonservativen erneut versichert, dass McCain bereit ist, ihrer Agenda entgegenzukommen. Palins Nominierung könnte jedoch eine unbeabsichtigte Auswirkung auf die Ansichten der wertkonservativen Parteimitglieder zu Geschlechterrollen haben. Im letzten Sommer stellte das Pew Research Center fest, dass lediglich 20 % der Republikaner sagten, sie würden eine Kandidatin unterstützen, die Kinder im Schulalter hätte. Heute scheinen dieselben Republikaner an der Tatsache, dass Palin drei Tage nach der Geburt ihres letzten Kindes wieder arbeiten ging, nichts auszusetzen zu haben. Was ihre Unterstützung für die Entscheidung einer Frau angeht, die Mutterschaft mit einem anspruchsvollen Job zu verbinden, scheinen die Wertkonservativen nun mit langjährigen Feministinnen einer Meinung zu sein.

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