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Die Krisenprobe

WARSCHAU – Ereignisse wie die aktuelle Finanzkrise stellen eine ernsthafte Behinderung des Wirtschaftswachstums dar. Aber die Frage, die wir uns stellen sollten, betrifft die Auswirkungen solcher Ereignisse auf die längerfristige Entwicklung. Und diese Frage hat bisher überraschend wenig Interesse hervorgerufen.

Herkömmliche Wachstumstheorien konzentrieren sich auf systematische Kräfte – zum Beispiel Kapitalbildung, Beschäftigung und technischen Wandel – die per definitionem immer wirken, wenn auch mit unterschiedlicher Intensität. Einige Theorien beschäftigen sich auch mit zugrunde liegenden institutionellen Faktoren wie Eigentumsrechten, Wettbewerb auf dem Markt, Steuer- und Regelungsaufwand und dem Grad der Rechtsstaatlichkeit.

Ein weiterer Forschungsstrang behandelt das Krisenmanagement, aber ohne eine Untersuchung der Folgen für langfristiges Wachstum. Im Fall einer Finanzkrise beinhaltet dies normalerweise steuerliche und monetäre Erleichterungen sowie Rettungspakete für größere Finanzinstitute. Der gängige Ansatz beim Krisenmanagement war bisher kurzfristig und beruhte, wie in dieser letzten Krise zur Genüge bewiesen wurde, auf dem, was ich eine sachlich gerechtfertigte Interventionsdoktrin nenne.

Dieser Doktrin zufolge sind alle Maßnahmen infolge eines Krisenmanagements gerechtfertigt, genauso, wie man sich ja auch keine Gedanken darum macht, ob man zuviel Wasser zum Feuerlöschen nimmt, denn die Alternativen wären auf jeden Fall negativer und hätten gut eine Katastrophe und/oder einen Zusammenbruch der Finanzmärkte hervorrufen können.

Aber die Feuermetapher schließt elementare Fragen aus: wie zum Beispiel ist sicherzustellen, dass Anti-Krisen-Maßnahmen die Kräfte der Markterholung nicht schwächen oder wie können die längerfristigen Konsequenzen derartiger Maßnahmen gemessen werden.

Letzteres Problem ist erst in jüngster Zeit in Debatten darüber aufgetaucht, wie man jetzt das Problem von stark angestiegener Staatsverschuldung und Geldmenge bewältigt.

Die Integration dieser unterschiedlichen Analysestränge in einen kohärenten Ansatz für Wirtschaftswachstum ist eine enorme Herausforderung, für Politiker und Wissenschaftler gleichermaßen. Aber einige Punkte erscheinen mir in der aktuellen Situation relevant.

Zunächst haben Finanzkrisen, die so tief sind wie die aktuelle, einen hohen sozialen Preis, daher ist es nur natürlich, dass man versucht, sie zu verhindern. Aber genau wie bei einer Medizin brauchen wir eine genaue Diagnose der Ursachen des Problems.

Der unmittelbare Grund für alle Finanzkrisen ist ein übermäßiges Kreditwachstum – ein Kreditboom, der in sich zusammenfällt. Aber die unterschwelligen Gründe für einen Boom sind bei jeder Krise anders. Im vorliegenden Fall war ein ernsthaftes Versagen der staatlichen Politik am Ausbruch der Krise beteiligt, wie ein Bericht hervorhob, der im vergangenen Jahr von einer Gruppe um Jacques de Larosière erstellt wurde, einem ehemaligen Geschäftsführer des IWF.

Viele Zentralbanken sind zum Beispiel der viel zu lockeren Geldpolitik der amerikanischen Notenbank gefolgt. Andere Gründe waren fehlerhafte Finanzverordnungen, expansionistische Steuerpolitik in Ländern wie den USA, Großbritannien und Irland, keine angemessenen makroprudentiellen Verordnungen usw. Vorbeugende Maßnahmen sollten sich daher auf diese politischen Fehler konzentrieren, anstatt sich in einer generellen Ablehnung von Hedgefonds und anderen Private Equity-Produkten zu erschöpfen.

Mein zweiter Punkt ist, dass es verschiedene offensichtliche Wirtschaftskanäle gibt, durch die Booms, die in sich zusammenfallen, das Wachstum beeinträchtigen. Dazu gehören eine erhöhte Arbeitslosigkeit, die Reduzierung von übermäßigen Schuldenlasten und daraus folgende kreditgesteuerte Ausgaben, die Umstrukturierung von Sektoren, die aufgrund der exzessiven Ausgaben gewachsen sind, und die Kürzung der Kreditvergabe durch überforderte Kreditinstitute.

Es gibt keine Politik, die die Wirkung all dieser miteinander verbundenen Faktoren unterbinden könnte, ohne das langfristige Wachstum zu beschädigen. Eine fortgesetzte Finanzpolitik ist gewiss nicht die Antwort, da dies letztendlich sowohl privaten Verbrauch als auch Wirtschaftsinvestitionen schädigen würde. Aber es gibt Reformen, die wirtschaftliche Anpassung erleichtern und damit die soziale Belastung verringern können, indem sie der langfristigen Arbeitslosigkeit Wachstum entgegensetzen. Zu diesen Reformen gehören Maßnahmen zur Erhöhung der Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt und die beschleunigte Reparatur der Bilanzen der Banken. Die Geschwindigkeit der wirtschaftlichen Erholung ist zu einem großen Teil abhängig von dem Ausmaß, in dem diese Schritte unternommen werden.

Ein dritter Punkt für all diejenigen, die immer noch an ein Gratis-Mittagessen glauben, ist, dass Auswirkungen der Verpflichtungen eines Landes im Bereich Klimaschutzpolitik auf Beschäftigung und Wachstum sorgfältig analysiert werden müssen. Die Erhöhung der Belastungen einer Wirtschaft ist nicht die beste Politik für die Zeit nach einer großen Krise.

Viertens kann die Bedeutung der Steuerdisziplin für das langfristige Wachstum gar nicht überschätzt werden. Es ist nur allzu leicht, Beispiele für Länder zu finden, die an einer anhaltenden fiskalischen Expansion schwer gelitten haben. Ebenso fällt mir keine einzige Wirtschaft ein, deren langfristige Wachstumsaussichten durch übermäßigen steuerlichen Geiz gelitten hätten.

Angesichts des steuerlichen Vermächtnisses der aktuellen Krise sollten alle Anstrengungen unternommen werden, um die Haushaltsdisziplin fest in den Ländern der EU zu verankern. Institutionelle Maßnahmen wie steuerliche Rahmen und Grenzwerte für die Höhe der öffentlichen Verschuldung können hier sehr hilfreich sein. Allerdings ist es letztlich die öffentliche Meinung, die die Finanzpolitik bestimmt, eine steuerpolitisch konservative öffentliche Meinung wäre also ein ausgezeichneter Vermögenswert, da sie die Verschwendungssucht der Politiker zügeln würde.

Mein letzter Punkt ist, dass Krisen zwar unangenehm sind, aber im Allgemeinen doch als Wegbereiter für wachstumsfördernde Reformen gelten. Dies ist allerdings nicht immer der Fall, da die politischen Schlussfolgerungen aus einer Krise größtenteils darauf beruhen, was die Öffentlichkeit als Ursache der Krise ansieht.

Wenn die öffentliche Meinung frühere Marktreformen für die aktuelle Krise verantwortlich macht, könnte die politische Schlussfolgerung daraus in die falsche Richtung gehen. So war es in Russland 1998 und in Argentinien 2000: in beiden Fällen hat die öffentliche Meinung größtenteils vorherige Reformen für die Krise verantwortlich gemacht, obwohl beide Krisen durch steuerliche Verantwortungslosigkeit und ungenügende Reformen hervorgerufen wurden.

Auch dieses Mal liegt der Schlüssel für die Überwindung des schwierigen Vermächtnisses der Krise darin, wie ihr Ursprung wahrgenommen wird. Wenn die öffentliche Meinung politische Fehler oder einen Mangel an Reform als Ursache festmacht, gibt es eine Chance, dass die richtigen Lektionen gelernt werden und dass eine solide Wachstumspolitik die Folge sein wird.

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