WASHINGTON, DC – Während die Welt mit den schwerwiegendsten Finanzturbulenzen der Nachkriegszeit ringt, hat sich die Aufmerksamkeit auf die Industrie- und Schwellenländer konzentriert, die am unmittelbarsten betroffen sind. Doch sind die Auswirkungen auf arme Länder bei Weitem heftiger.
Das schwache weltweite Wachstum lässt die Exportmärkte schrumpfen, und viele Rohstoffpreise brechen ein. Die Kombination aus strengeren Kreditbedingungen in den Industrieländern und trüberen wirtschaftlichen Aussichten in Niedriglohnländern haben die Investitionsströme erreicht. Außerdem sinken auch die Überweisungen der Arbeiter, welche die Auslandshilfe als größten Finanzfluss in Niedriglohnländer überholt haben.
Das südlich der Sahara gelegene Afrika ist stark von Rohstoffexporten abhängig, daher ist es besonders anfällig für den globalen Konjunkturrückgang. Viele afrikanische Länder haben das letzte Jahrzehnt dazu genutzt, eine sichere und tragbare Wirtschaftspolitik zu betreiben, die zu stabilem Wachstum und niedriger Inflation geführt hat. Zusammen mit dem Schuldenerlass haben diese Maßnahmen eine niedrige Staatsverschuldung, relativ stabile Finanzsysteme und vor allem steigende Lebensstandards herbeigeführt.
Diese Errungenschaften sind nun in Gefahr. Die hohen Lebensmittel- und Kraftstoffpreise, die bis vor Kurzem vorherrschten, haben den Staatsfinanzen vieler afrikanischer Volkswirtschaften einen hohen Tribut abverlangt. Jetzt steht ihnen ein zweiter Schlag durch die globale Rezession bevor.
Die Priorität für Afrika und die internationale Gemeinschaft muss sein, sicherzustellen, dass der Kontinent den Sturm auf den globalen Finanzmärkten übersteht, die bedeutsamen Errungenschaften der letzten zehn Jahre aufrechterhält und weiterhin entschlossene Fortschritte bei der Armutsbekämpfung macht. Dies ist nicht der richtige Zeitpunkt, um eine Pause bei den Bemühungen um die Millenniums-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen einzulegen.
Wie man Afrika helfen kann, dieser Aufgabe gerecht zu werden – unter anderem auch durch das Lernen aus den Lektionen vergangener Erfolge – wird das Ziel einer großen vom IWF und Präsident Jakaya Kikwete von Tansania gesponserten Konferenz sein, die diesen März in Dar-es-Salaam stattfinden wird. An dieser Diskussion über Afrikas Aussichten werden nicht nur offizielle politische Entscheidungsträger beteiligt sein, sondern auch Vertreter des privaten Sektors und der Zivilgesellschaft, denen – wie wir alle erkennen – eine Schlüsselrolle zukommt.
Selbstverständlich liegt die Verantwortung für die Umsetzung einer soliden Wirtschaftspolitik bei den afrikanischen Ländern selbst. Doch muss die internationale Gemeinschaft ihnen hilfreich zur Seite stehen. Meiner Ansicht nach bietet eine starke Politik auf afrikanischer Seite mit starker Unterstützung der internationalen Gemeinschaft die besten Aussichten auf nachhaltiges Wachstum und Armutsbekämpfung in Afrika. Die folgenden drei Prioritäten sollten uns leiten:
· Erstens: Obwohl es in einigen Ländern Spielraum für fiskalische Anreize geben kann, ist dieser in vielen Ländern begrenzt; daher muss die Region als Ganzes ihr hart erarbeitetes, niedriges Niveau der Staatsverschuldung schützen. Wenn der Sturm vorbei ist, werden eine niedrige Staatsverschuldung und tragbare Staatsfinanzen entscheidend sein für die Aufrechterhaltung der Ausgaben, die den Armen helfen, sowie für das Zurückholen der internationalen Investoren, die für Afrikas zukünftiges Wachstum unentbehrlich sind.
· Zweitens: Die international sinkenden Preise schaffen die Gelegenheit, die Inflation von dem beunruhigend hohen Niveau wieder herunterzubringen, das durch die globale Krise bei den Nahrungsmittel- und Kraftstoffpreisen Anfang des letzten Jahres verursacht wurde. Das bedeutet nicht, strenge Inflationsziele durchzusetzen. Aber eine berechenbare Geldpolitik, die darauf abzielt, mittelfristige Preisstabilität zu gewähren, ggf. mit einem flexiblen Wechselkurs, begünstigt sowohl den Privatsektor als auch vor allem die Armen.
· Drittens: Die internationale Gemeinschaft ist verpflichtet, ihrem Versprechen nachzukommen, die Entwicklungshilfe zu erhöhen. Jetzt ist nicht die Zeit, um diese Versprechen zu brechen. Ebenso wichtig ist es, globale Handelsgespräche wieder aufzunehmen und die Doha-Runde zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen – nicht zuletzt um Afrika vor dem Risiko des zunehmenden Protektionismus zu schützen.
Der IWF ist bereit, seinen Teil dazu beizutragen. Wir arbeiten eng mit unseren 53 afrikanischen Mitgliedern bei der Ausgestaltung einer angemessenen politischen Antwort zusammen. Wir haben unsere Zahlungen an die Länder erhöht, die von den Nahrungsmittel- und Kraftstoffschocks am stärksten betroffen sind. Und wir stehen ihnen mit zusätzlicher Unterstützung zur Seite – unter anderem auch mit einem neuen Finanzierungsmechanismus für Länder, die von exogenen Schocks betroffen sind –, um denjenigen zu helfen, die die globale Finanzkrise am härtesten getroffen hat.
Wir stocken zudem unsere technische Hilfe auf, um wirtschaftspolitische Entscheidungsprozesse in Afrika zu stärken, und eröffnen zwei neue regionale technische Hilfszentren. Bei der Konferenz in Tansania freuen wir uns auf Feedback und Ideen dazu, wie der Fonds noch mehr tun kann – und anders.
Während Afrika und seine Partner gemeinsam durch den Sturm auf den Finanzmärkten navigieren, müssen wir sicherstellen, dass die Wehrlosesten nicht vergessen werden. Wir müssen außerdem sicherstellen, dass Lösungen zur Stärkung der Finanzstabilität und zur Vermeidung zukünftiger Turbulenzen – der Schwerpunkt des G-20-Gipfels im April – mit allen betroffenen Ländern diskutiert werden. Aller Augen sind derzeit auf die unmittelbare Krise gerichtet. Doch dürfen wir nicht die längerfristigen Herausforderungen aus den Augen verlieren, die bleiben werden, wenn der Sturm abklingt. Die Konferenz in Tansania wird es uns ermöglichen, zu beurteilen, was wir aus den Erfolgen der Vergangenheit gelernt haben und was sich in Zukunft ändern muss.
Unser gemeinsames Ziel ist klar: Wir müssen sicherstellen, dass Afrika nicht nur den unmittelbaren Sturm übersteht, sondern stärker aus ihm hervorgeht.


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