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Der Medienkrieg gegen den Terror

„Mehr als die Hälfte dieses Kampfes findet auf dem Schlachtfeld der Medien statt, [denn] wir befinden uns in einer Medienschlacht, einem Wettrennen um Herz und Denken der [Muslime].“ Geäußert hat dies nicht irgendein PR-Manager, sondern Osama bin Ladens Stellvertreter Ayman al-Sawahiri.

Die Terroristen haben sich geschickt an die Kriegsführung im heutigen Medienzeitalter angepasst; Amerika und die übrigen Demokratien jedoch haben dies überwiegend nicht getan. Man denke daran, dass die gewalttätigen Extremisten über eigene „Komitees für Medienbeziehungen“ verfügen, die darauf abzielen, die Meinungsbildung der Eliten zu manipulieren. Sie planen und konzipieren schlagzeilenträchtige Angriffe und nutzen dabei alle Mittel der Kommunikation, um den kollektiven Willen freier Menschen einzuschüchtern und zu brechen.

Sie wissen, dass Kommunikation Grenzen überschreitet und dass eine einzige Nachrichtenmeldung, geschickt gehandhabt, unserer Sache genauso sehr schaden – und ihrer nutzen – kann wie jeder militärische Angriff. Und sie sind in der Lage, mit im Vergleich zu den enormen, kostspieligen Verwaltungsapparaten demokratischer Regierungen relativ wenigen Leuten und relativ bescheidenen Ressourcen schnell zu handeln.

Wir führen heute den ersten Krieg im Zeitalter von E-Mail, Blogs, Blackberry, Instant Messaging, Digitalkameras, Internet, Mobiltelefonen, Radiosendungen mit Zuhörerbeteiligung und Nachrichten rund um die Uhr. In Tunesien hat die größte Tageszeitung eine Auflage von etwa 50.000 Exemplaren – in einem Land von 10 Millionen Einwohnern. Aber selbst in den ärmsten Wohnvierteln finden Sie Satellitenschüsseln auf nahezu jedem Balkon oder Dach.

Vor einigen Jahren – unter Saddam Hussein – konnte einem Iraker die Zunge abgeschnitten werden, wenn er eine Satellitenschüssel besaß oder ohne staatliche Genehmigung das Internet nutzte. Heute sind Satellitenschüsseln auch im Irak allgegenwärtig.

Leider sind viele der Nachrichtensender, die über diese Schüsseln empfangen werden, dem Westen gegenüber feindlich eingestellt. In vielen Teilen der Welt dienen die Medien lediglich dazu, die Menschen aufzustacheln und die Wahrheit zu verdrehen – anstatt zu erklären und zu informieren. Während al-Qaeda und extremistische Bewegungen dieses Forum seit vielen Jahren benutzen und so die Ansichten der muslimischen Öffentlichkeit über den Westen weiter vergiften, haben wir im Westen gerade mal damit begonnen, hier gegen sie anzutreten.

Wir erlebten dies am Beispiel der falschen Anschuldigungen über die Entweihungen eines Korans im vergangenen Jahr. Die zuerst in einem wöchentlich erscheinenden Nachrichtenmagazin abgedruckte Meldung wurden anschließend tagelang auf Websites veröffentlicht, per E-Mail verschickt und über Satellitenfernsehen und Radiosender verbreitet, bis die Fakten aufgedeckt werden konnten. Diese Falschmeldung löste antiamerikanische Ausschreitungen in Afghanistan und Pakistan aus.

Das Militär der Vereinigten Staaten nahm sich – wie es angemessen und notwendig war – die erforderliche Zeit, um sicher zu gehen, dass es die Fakten hatte, bevor es die Vorwürfe als unwahr zurückwies. In der Zwischenzeit kamen unschuldige Menschen ums Leben.

Aber wir haben begonnen, uns anzupassen. Im Irak beispielsweise setzt das US-Militär – in enger Abstimmung mit der irakischen Regierung – auf andere als die traditionellen Mittel, um der irakischen Bevölkerung präzise Informationen zu liefern. Dies allerdings wird als „Kauf von Nachrichten“ dargestellt. Die resultierende Explosion von kritischen Meldungen in der Presse führt dann dazu, dass alles – jede Maßnahme, jede Initiative – aufhört. Dies schreckt jene, die innerhalb des Militärs für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig sind, ab, weil sie folgern, dass Innovation nicht toleriert wird.

Betrachten Sie einen Moment lang die enorme Zahl der Spalten in den Zeitungen und die stundenlange Fernsehberichterstattung, die den Anschuldigungen über die Misslandung von Häftlingen in Abu Ghraib gewidmet wird. Vergleichen Sie dies mit dem Umfang der Berichterstattung und der Verurteilung, die etwa mit der Entdeckung der Massengräber Saddam Husseins verknüpft war, welche mit Hunderttausenden von Leichen unschuldiger Iraker gefüllt waren.

Die freien Regierungen müssen die Kommunikationsplanung zu einem zentralen Bestandteil aller Aspekte dieses Kampfes machen. Tatsächlich wird das Vakuum, je länger dies dauert, desto stärker vom Feind besetzt werden.

Nichtsdestoweniger sind Anzeichen eines bescheidenen Fortschritts erkennbar. Schon bald nach dem verheerenden Erdbeben in Pakistan wurde zusammen mit unseren beträchtlichen Truppenkontingenten im Katastrophengebiet ein Team für Öffentlichkeitsarbeit eingesetzt. Dieses bemühte sich, die Aufmerksamkeit der Medien auf das Engagement Amerikas bei der Unterstützung des pakistanischen Volkes zu konzentrieren. Kurz vor bzw. nach dem Erdbeben durchgeführte Umfragen zur öffentlichen Meinung legen nahe, dass sich die Haltung in Pakistan in Bezug auf die USA aufgrund dieses neuen Bewusstseins drastisch verändert hat.

Die staatlichen Anstrengungen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit und öffentlichen Diplomatie führen langsam zu einer Neuausrichtung bei Stellenbesetzungen, Zeitplänen und Verwaltungskultur, um die ganze Bandbreite der heutigen Medien einzubinden.

Trotzdem muss unsere Regierung die institutionelle Fähigkeit entwickeln, zu antizipieren und innerhalb desselben Nachrichtenzyklus zu handeln. Dies erfordert die Einrichtung von rund um die Uhr tätigen Pressezentren und die Aufwertung der Betreuung des Internets und anderer Kanäle auf den Status der traditionellen Pressebetreuung des 20. Jahrhunderts. Dies erfordert es, sich weniger auf die traditionellen Druckmedien zu verlassen, ganz so, wie die Öffentlichkeit in den USA und der Welt sich weniger auf Zeitungen verlässt.

Es bedeutet außerdem, sich neue Wege für den Dialog mit Menschen weltweit zu Eigen zu machen. Während des Kalten Krieges erwiesen sich Einrichtungen wie etwa Radio Free Europe als wertvolle Instrumente. Wir müssen die Möglichkeit neuer Organisationen und Programme ins Auge fassen, die im Kampf gegen den Terror eine ähnlich wertvolle Rolle spielen können.

Wir führen einen Krieg, bei dem es um das Überleben unserer Lebensweise geht. Und der Schwerpunkt dieses Kampfes liegt nicht allein auf dem Schlachtfeld. Es ist ein Test des Willens, und er wird auf dem Feld der weltweiten öffentlichen Meinung gewonnen oder verloren. Zwar ist der Feind geschickt darin, die Medien zu manipulieren und die Hilfsmittel der Kommunikation zu seinem Vorteil zu nutzen, aber auch wir haben einen Vorteil: Die Wahrheit ist auf unserer Seite, und letztlich siegt die Wahrheit.

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