Exit from comment view mode. Click to hide this space
Email | Print

Voraussetzung für einen Erfolg in Afghanistan ist die Beteiligung Chinas und Russlands

NEW YORK – Die Sorge um die umstrittenen Präsidentschaftswahlen in Afghanistan ist verständlich. Um der Gewalt im Land ein Ende zu setzen, braucht die Regierung die Legitimität und die Fähigkeit, die eigentlichen Ursachen des Aufstandes der Taliban zu beseitigen.

Aber ein Erfolg in Afghanistan, also die Errichtung einer nachhaltigen, demokratischen Regierung, die die politische Gewalt im Zaum hält, die Wiedereinrichtung einer Terrorbasis mit globalem Einfluss verhindert und den durch Drogengelder finanzierten Aufstand eindämmt, der die Nachbarländer bedroht, erfordert eine umfassendere Harmonisierung der Politik der Weltmächte. Diese haben ein Interesse am Ergebnis.

In letzter Zeit hat man sich viel Gedanken gemacht, wie die NATO, afghanische und pakistanische Sicherheitskräfte zusammen arbeiten können, um den Aufstand zu besiegen und zu verhindern, dass das Land wieder zu einem Zufluchtsort für Terroristen wird. Aber die letzten Jahre haben gezeigt, dass die NATO ohne effektivere internationale Zusammenarbeit, insbesondere mit China und Russland, unfähig ist, nachhaltige Verbesserungen in Politik, Wirtschaft und Sicherheit herbeizuführen.

Repräsentanten der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ), deren wichtigste Mitglieder China und Russland sind, haben schon vor Jahren den Drogenhandel aus Afghanistan als eine der Hauptursachen für regionale Instabilität erkannt. Die NATO sollte sich diesen Umstand zunutze machen, um potenzielle Kooperationspartner in Sachen afghanische Sicherheit auszuloten. Zusätzliche Unterstützung durch China und Russland sicherzustellen und damit die Hilfe zu ergänzen, die bereits von den zentralasiatischen Mitgliedern der SOZ und den SOZ-Staaten mit Beobachterstatus Pakistan und Indien geleistet wird, ist unabdingbar.

Afghanistan ist für die SOZ von vitalem Interesse. Die Mitglieder sind erpicht darauf, der afghanischen Regierung im Kampf gegen regionalen Drogenhandel und Terrorismus beizustehen. Präsident Hamid Karzai ist seit 2004 regelmäßiger Gast bei SOZ-Gipfeln und hat an die SOZ appelliert, den Kampf gegen den Drogenhandel zu einer Priorität zu machen. Die SOZ hat eine afghanische Arbeitsgruppe eingerichtet, um die zahlreichen Initiativen der Organisation in Bezug auf Afghanistan zu koordinieren.

Die Vereinbarung einer Sonderkonferenz unter der Federführung der SOZ im März 2009 hat den einzigartigen Status Afghanistans weiter bestätigt. Die Regierungen der SOZ und Afghanistans haben in einer gemeinsamen Erklärung die Unterstützung der von der NATO angeführten Internationalen Sicherheitsunterstützungstruppe (ISAF) bei der Bekämpfung des regionalen Drogenhandels bekräftigt.

Mitglieder der SOZ zeigten zwar kein Interesse daran, die ISAF mit eigenen Truppen zu unterstützen, aber die Erklärung hat „andere Länder ermutigt, ... sich an den gemeinsamen Anstrengungen zu beteiligen“, den regionalen Terrorismus zu bekämpfen und zu „erwägen, sich an der Beförderung von nicht-militärischen Gütern zu beteiligen, die von der ISAF benötigt würden“. Mehrere SOZ-Mitglieder helfen den NATO-Ländern bereits, Vorräte nach Afghanistan zu transportieren, während Russland es den USA gestattet, militärische Güter über seine Grenze nach Zentralasien und weiter nach Afghanistan zu transportieren.

Diese Zusammenarbeit könnte weiterentwickelt werden, denn China und Russland haben vielleicht mehr als alle anderen Länder mit dem Westen gemeinsame Interessen in Afghanistan. Von Afghanistan geht eine wichtige Drogenroute durch Zentralasien nach Russland und Europa. Die lockere Abfertigung an Russlands Grenzen mit den ehemaligen Sowjetrepubliken in Zentralasien erleichtert das Schmuggeln von Drogen und anderen Waren. Die Taliban und insbesondere al-Qaida haben ihre Positionen in Afghanistan auch genutzt, um andere eurasische Terrorbewegungen zu unterstützen, besonders die Islamische Bewegung Usbekistan und deren zahlreiche Ableger.

Obwohl sich China nicht auf der „Nordroute“ befindet, durch die afghanische Drogen traditionell nach Zentralasien und Europa gelangen, sind seit 2005 neue Drogennetzwerke entstanden, die illegale Drogen von Afghanistan durch Pakistan und Zentralasien nach China bringen. Zudem ist die chinesische Regierung weiterhin besorgt über die Verbindungen der Taliban zu radikalislamischen Gruppen, die für die Unabhängigkeit des unruhigen autonomen Gebiets Xinjiang kämpfen.

China ist außerdem zu einem wichtigen Stakeholder in Afghanistan geworden. Nach den offiziellen Zahlen der chinesischen Regierung waren chinesische Unternehmen im vergangenen Jahr an 33 Projekten in Afghanistan beteiligt. Im Mai 2008 nahm Chinas wirtschaftliches Engagement in Afghanistan jäh zu, als chinesische Firmen den Zuschlag für einen 3,5-Milliarden-Dollar-Vertrag zur Entwicklung der riesigen Aynak-Kupfermine erhielten. Zum Vertrag gehören auch die Errichtung eines Kraftwerkes und der Bau einer Eisenbahnstrecke, die die Minen über Pakistan mit China verbinden soll. Es handelt sich um die größte ausländische Direktinvestition in der afghanischen Geschichte, die auch Hunderte von Arbeitsplätzen schaffen wird.

Trotzdem sind chinesische Unternehmer aufgrund der weit verbreiteten Gewalt zurückhaltend bei Investitionen in Afghanistan. Übergriffe von Aufständischen haben seit 2004 elf chinesische Arbeiter getötet. Chinesische Investoren würden vermutlich begierig weitere Bodenschätze in Afghanistan kaufen, wenn sich die Sicherheitssituation verbessern würde. Im Norden Afghanistans liegen zum Beispiel bisher unerschlossene Öl- und Erdgasreserven, die dazu beitragen könnten, den Energiebedarf Chinas zu decken.

Da die SOZ-Mitglieder klar gestellt haben, dass sie nicht bereit sind, Kampftruppen zur von der NATO angeführten ISAF zu schicken, sollte sich eine engere Zusammenarbeit zunächst auf die Wiederbelebung der afghanischen Wirtschaft konzentrieren und darauf, denjenigen, die vom Drogenhandel leben, eine alternative Versorgungsmöglichkeit zu bieten. Die langfristige wirtschaftliche Überlebensfähigkeit Afghanistans hängt vom Ausbau der Transport-, Kommunikations- und anderer Versorgungsnetze ab, damit das Land besser in die regionale Wirtschaft eingebunden werden kann.

China und Russland können in Afghanistan Wirtschaftshilfe leisten und investieren und so mehr Projekte ins Leben rufen, die Afghanistan mit dringend benötigten Arbeitsplätzen und Erträgen versorgen. Die NATO und Afghanistan könnten im Gegenzug Truppen zum Schutz dieser Projekte vor Angriffen abstellen, idealerweise mit finanzieller Unterstützung seitens China und Russland, um Vorwürfen aus dem Weg zu gehen, westliche Soldaten stürben, um ausländische Firmen zu bereichern. Chinas enge Beziehungen zu Pakistan könnten sich auch bei der Unterstützung europäischer und amerikanischer Anstrengungen als nützlich erweisen, das pakistanische Militär und den pakistanischen Geheimdienst gegen die Taliban bei der Stange zu halten.

In der Zwischenzeit könnten all diese internationalen Akteure dazu beitragen, die afghanische Armee und nationale Polizeikräfte finanziell zu unterstützen und auszubilden. Schließlich müssen die Afghanen den wirtschaftlichen und sicherheitstechnischen Fortschritt selbst leisten. Die ausländischen Verbündeten können nur dazu beitragen, ihn auf den Weg zu bringen.

Reprinting material from this Web site without written consent from Project Syndicate is a violation of international copyright law. To secure permission, please contact us.

Exit from comment view mode. Click to hide this space

Comments (0)

You need to login in order to leave a comment. If you do not yet have an account, please register.

Show comments of
close

The two commenting options explained

Watch a 1 minute video
to discover how you can comment on the entire article or a specific paragraph. The two images below also explain the two ways of commenting.

1) Entire article comment
Once logged in, simply click inside the comment box where it says "Enter text here." Enter and post your comment.

2) Paragraph comment
Please log in first. Then click to the left of the desired paragraph. Your cursor will automatically move to the comments box. Enter and post your comment.

Top Project Syndicate commentaries

Email this article

Your name is required.

Your email is required.


Your friend's name is required.

Your friend's email is required.


A message is required.