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Wie man Neujahrsvorsätze auch einhält

MELBOURNE – Haben Sie irgendwelche Neujahrsvorsätze gefasst? Vielleicht haben Sie sich vorgenommen, mehr für ihre körperliche Fitness zu tun, Gewicht zu verlieren, mehr Geld zu sparen oder weniger Alkohol zu trinken.   Möglicherweise ist Ihr Vorsatz auch von altruistischeren Idealen geprägt: den Bedürftigen zu helfen oder Ihren CO2-Fußabdruck zu verkleinern. Werden Sie Ihren Vorsatz aber auch einhalten?

Das Jahr 2010 ist noch jung, aber Studien belegen, dass es weniger als der Hälfte derjenigen, die sich Neujahrsvorsätze fassen, auch gelingt, sich einen Monat lang daran zu halten. Was sagt uns das über die menschliche Natur und unsere Fähigkeit, ein besonnenes oder ethisches Leben zu führen?

Ein Teil des Problems ist natürlich, dass wir uns nur Dinge vornehmen, die wir normalerweise wahrscheinlich nicht tun würden. Nur ein Magersüchtiger würde den Vorsatz fassen, mindestens einmal in der Woche Eis zu essen und nur ein Workaholic würde sich vornehmen, mehr Zeit vor dem Fernseher zu verbringen. Wir nützen also die Gelegenheit zu Neujahr, eine Änderung jener Verhaltensweisen herbeizuführen, die am schwierigsten abzulegen sind. Damit rückt allerdings auch der Fehlschlag in greifbare Nähe.

Dennoch: Vermutlich fassen wir Vorsätze, weil wir entschieden haben, dass es das Beste wäre, genau das zu tun, was wir uns vornehmen. Aber warum tun wir es nicht einfach, wenn wir diese Entscheidung schon getroffen haben? Diese Frage beschäftigt die Philosophen schon seit Sokrates. Im Protagoras, einem der Dialoge Platos, sagt Sokrates, dass sich niemand für etwas entscheiden würde, von dem er wüsste, dass es schlecht sei. Die Wahl etwas bekannt Schlechtem ist daher eine Art Fehler: Die Menschen tun etwas nur, wenn sie glauben, dass es gut ist. Sokrates und Plato mögen sich gedacht haben, dass man die Menschen motivieren kann, wenn man ihnen mitteilt, was das Beste ist. Diese Lehrmeinung ist allerdings schwer zu verdauen – viel schwerer jedenfalls als ein weiteres Stück Kuchen, von dem man weiß, dass es einem nicht gut tut.

Aristoteles vertrat einen anderen Standpunkt, der sich auch besser in unsere alltäglichen Erfahrungen des Scheiterns bei Dingen einfügt, von denen wir wissen, dass sie das Beste für uns wären. Unsere Vernunft sagt uns vielleicht, was das Beste ist, so Aristoteles, aber in einem entscheidenden Moment wird unsere Vernunft durch Emotion oder Verlangen überlagert. Das Problem liegt daher nicht in einem Mangel an Wissen, sondern darin, dass unsere Vernunft sich gegenüber anderen, nicht rationalen Aspekten unserer Natur nicht durchzusetzen vermag.

Diese Ansicht wird durch jüngste Forschungsergebnisse unterstützt, die belegen, dass ein großer Teil unseres Verhaltens auf sehr raschen, instinktiven und emotional fundierten Reaktionen beruht. Obwohl wir sehr wohl in der Lage sind, aufgrund rationaler gedanklicher Prozesse Entscheidungen zu fällen, erweisen sich diese Entscheidungen bei der Umsetzung in konkrete Handlungen oftmals als weniger durchsetzungskräftig als unsere instinktiven Gefühle.  

Was hat das alles nun mit dem Einhalten von Vorsätzen zu tun? Richard Holton, Professor für Philosophie am MIT und Autor des Buchs Willing, Wanting, Waiting weist darauf hin, dass der Vorsatz ein Versuch ist, das Problem der Beibehaltung einer Absicht zu lösen, wenn wir erwarten, zu einem gewissen Zeitpunkt in der Zukunft Neigungen zu entwickeln, die unserer Absicht entgegenlaufen. Momentan wollen wir zwar abnehmen und sind rational überzeugt, dass dies wichtiger ist, als der Genuss, den uns das zusätzliche Stück Kuchen bereitet. Aber angesichts der Aussicht auf den Kuchen morgen, gehen wir davon aus, dass unser Verlangen nach der wundervoll cremigen Schokolade unsere Vernunft außer Kraft setzt, so dass wir uns möglicherweise selbst davon überzeugen, dass ein wenig Gewichtszunahme wirklich nicht so schlimm ist.

Um das zu verhindern, versuchen wir, unserer aktuellen Absicht, Gewicht zu verlieren, Nachdruck zu verleihen. Wir fassen feierlich einen Vorsatz und erzählen unserer Familie und Freunden davon, um auszuschließen, dass wir der Versuchung doch nachgeben. Halten wir unseren Vorsatz nicht ein, müssen mir zugeben, dass wir unser Verhalten nicht wie erhofft unter Kontrolle haben. Damit verlieren wir vor uns selbst und unserem Umfeld das Gesicht.

Das passt gut zu den Erkenntnissen von Psychologen, wie wir die Chancen vergrößern können, unsere Vorsätze auch einzuhalten. Richard Wiseman, Professor für Psychologie an der Universität Hertfordshire hat 5.000 Menschen mit Neujahrsvorsätzen begleitet. Nur etwa zehn Prozent schafften es, ihren Vorsätzen treu zu bleiben. In seinem jüngst erschienenen Buch   59 Seconds, beschreibt Wiseman, wie man die Erfolgschancen erhöhen kann:

·         Teilen Sie Ihre Vorsätze in eine Reihe kleinerer Schritte auf;

·         Erzählen Sie Ihrer Familie und Ihren Freunden von Ihrem Vorsatz, um einerseits Unterstützung zu bekommen und andererseits die persönlichen Kosten eines Fehlschlags zu erhöhen;

·         Erinnern Sie sich selbst regelmäßig an die Vorteile, wenn Sie Ihr Ziel erreichen;

·         Gönnen Sie sich jedes Mal eine kleine Belohnung, wenn Sie eine Etappe auf dem Weg zu Ihrem Ziel geschafft haben;

·         Halten Sie Ihre Fortschritte auf dem Weg zu Ihrem Ziel fest, indem Sie beispielsweise darüber Tagebuch führen oder eine Tabelle auf der Kühlschranktür befestigen.

Für sich alleine erscheint jeder dieser Faktoren trivial. Insgesamt jedoch stellen sie Möglichkeiten dar, die Selbstkontrolle nicht nur im Moment, sondern auch in Zukunft zu wahren. Im Erfolgsfall wird das von uns als besser beurteilte Verhalten zur Gewohnheit – und es bedarf daher keines bewussten Willensaktes zur Verhaltenskontrolle mehr.    

Diese Methoden zur Einhaltung eines Neujahrsvorsatzes können uns helfen, Fortschritte zu erzielen – nicht nur bei der Gewichtsreduktion oder der Vermeidung von Schulden, sondern auch wenn es darum geht, ein ethisch besseres Leben zu führen. Wir könnten sogar erkennen, dass dies der beste Vorsatz ist, den es zu fassen gilt - zu unserem eigenen und zum Nutzen der anderen.

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