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Eine Krise in zwei Geschichten

CHICAGO – Die industrialisierten Demokratien der Welt befinden sich in der Krise, und zur Erklärung ihrer Ursache – und angemessener Gegenmaßnahmen – sind zwei unterschiedliche Geschichten im Umlauf. Die erste und besser bekannte Diagnose ist, dass aufgrund hoher Schulden vor der Krise die Nachfrage eingebrochen ist. Die Haushalte (und Staaten), die am meisten ausgegeben haben, können sich nichts mehr leihen. Um das Wachstum wiederzubeleben, müssen andere ermutigt werden, Geld auszugeben – Regierungen, die noch immer kreditwürdig sind, sollen ihre Defizite vergrößern, und niedrige Zinssätze sollen Haushalte vom Sparen abhalten.

Unter diesen Umständen ist Sorglosigkeit in Haushaltsfragen eine Tugend, zumindest kurzfristig. Sobald mittelfristig das Wachstum wieder einsetzt, können die Schulden zurückgezahlt und der Finanzsektor gezügelt werden, damit er die Welt nicht mit einer weiteren Krise überzieht.