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UNESCO zu verkaufen

COLUMBUS, OHIO – In einer besseren Welt würden meine Nichten und Neffen in Äquatorialguinea den Präsidenten unseres Landes für die sorgfältige Verwaltung der Erdöleinnahmen und für die Nutzung dieser Mittel für Entwicklung respektieren. In einer besseren Welt würden meine Nichten und Neffen der wichtigsten kulturellen Institution der Vereinten Nationen, der UNESCO, Anerkennung dafür zollen, beharrlich eine Verbesserung der Bildung und Gesundheit afrikanischer Kinder einzufordern.

In der Welt, wie wir sie kennen, wird Präsident Teodoro Obiang nur von relativ wenigen Menschen geliebt und respektiert. Zu seinen größten Fans zählen vermutlich die gut situierten Mitglieder seiner Familie, sowie ausgewählte Führungskräfte in den Vereinigten Staaten und Europa, wo er einen guten Teil seines Geldes ausgibt. Oder bestimmte Mitglieder des UN-Menschenrechtsrates: Während einer Sitzung im März besaßen einige Staaten die Frechheit, Äquatorialguinea zu seinem „eindeutigen Bekenntnis“ zu den Menschenrechten zu gratulieren.

Obiang wird offenbar auch von Vorstandsmitgliedern der UNESCO geliebt und respektiert. Sie haben drei Millionen Dollar von ihm angenommen, mit denen ein Preis in seinem Namen finanziert wird. Dieser Preis soll die Arbeit von Einzelnen und Institutionen würdigen, einschließlich Nichtregierungsorganisationen, die mit wissenschaftlicher Forschung im Bereich Biowissenschaft die Qualität des menschlichen Lebens verbessern. Vielleicht werden auch die Empfänger Obiang lieben.

Man kann leicht erkennen, wo Obiang – der an die Macht gelangte, nachdem er seinen Vorgänger ermordet hatte – das Geld herbekommt, mit dem er um sich wirft. Seit Mitte der Neunzigerjahre zählt Äquatorialguinea zu den großen Erdölexporteuren.

Während Obiang, seine Familie und seine Kumpane um die Welt jetten und auf großem Fuße leben, zählen meine Nichten und Neffen zur überwiegenden Mehrheit der Menschen im Lande, die weiterhin im Sumpf der Armut stecken. Die Kindersterblichkeit ist hoch. Freie und faire Wahlen gibt es nicht. Willkürliche Inhaftierung und Folter sind weitverbreitet. Die Regierung gestattet so gut wie keine unabhängigen Nachrichten und Informationen.

Im Jahr 2009 stellten die Vereinten Nationen fest, dass Äquatorialguinea die weltweit größte Diskrepanz zwischen seinem Pro-Kopf-BIP, das dem von Italien und Spanien entsprach, und seinem Grad der menschlichen Entwicklung aufweist, der dem von Haiti ähnelt. Meine Nichten und Neffen haben eine Lebenserwartung von 52 Jahren.

Laut Teodorin Obiang, Sohn des Präsidenten und sein voraussichtlicher Nachfolger, verstößt es in Äquatorialguinea nicht gegen das Gesetz, wenn ein Regierungsminister ein Unternehmen besitzt und Angebote für Ausschreibungen der Regierung in Ministerien einreicht, die von ihm oder ihr kontrolliert werden. Man könnte angesichts solch schamloser Korruption in Gelächter ausbrechen, wenn ihre Auswirkungen das Land nicht derart schwächen würden.

Unter den erklärten Prioritäten der UNESCO werden die Gleichberechtigung der Geschlechter aufgeführt, Bildung für alle, nachhaltige Entwicklung und Ethik. Meine Nichten und Neffen in Äquatorialguinea gehen immer noch mit leerem Magen zur Schule. Wenn sie mittags nach Hause kommen, verkaufen sie Donuts auf der Straße, um das Haushaltseinkommen aufzubessern – die Zeit, in der sie eigentlich Hausaufgaben machen sollten. Wenn man mit weniger als einem Dollar pro Tag überleben muss, wie es bei den meisten meiner Landsleute der Fall ist, bedeutet das ein Leben ohne fließendes Wasser, sanitäre Anlagen oder Strom.

Wie kann es sein − angesichts des Berges von Beweisen für Korruption und Geldwäsche durch Obiang, seine Familie und seine Mitarbeiter, sowie der erbärmlichen Lebensbedingungen, die die Menschen in Äquatorialguinea erdulden −, dass die UNESCO entschieden hat Obiangs Geld anzunehmen und einen Preis in Biowissenschaften nach ihm zu benennen? Welcher Art von Sorgfaltspflicht wurde nachgekommen, um zu gewährleisten, dass das angenommene Geld zur Finanzierung des Preises nicht genau von den Afrikanern gestohlen wurde, deren Interessen die UNESCO angeblich vertritt?

Soweit es die Menschen in Äquatorialguinea betrifft, verleiht die UNESCO Obiang und seinem Regime durch die Auslobung dieses Preises Glaubwürdigkeit und macht sich dadurch mitschuldig an den von ihm verübten Formen des Missbrauchs. Die UNESCO – die damit nicht allein ist unter den UN-Organisationen – scheint eher geneigt alles zu tun, um zu vermeiden irgendeine Maßnahme zu ergreifen, die „afrikanische Befindlichkeiten“ in ihrem Vorstand verletzen könnten. Ein europäischer Botschafter wurde mit den Worten zitiert, afrikanische Länder würden sich allesamt für den Preis aussprechen und sie hätten genügend Befürworter, um diesen einzuführen.

Der Obiang-Preis ist eine Verhöhnung all dessen, wofür die UNESCO öffentlich steht. Die UNESCO bleibt ungeniert. Sie hat keine Bereitschaft signalisiert den Preis zurückzuziehen oder Nachforschungen über den Ursprung des Geschenks von Obiang anzustellen.

Wäre es nicht schön, wenn sich die UNESCO und ihr Exekutivrat – insbesondere die afrikanischen Mitglieder des Exekutivrates – tatsächlich für Afrikaner einsetzen würden?

Vielleicht lieben sie Obiangs Geld aber auch mehr als sie meine Nichten und Neffen lieben.

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