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Amerikas Schwierigkeiten

NEW YORK: Die gesamtwirtschaftlichen Indikatoren für die USA waren in den letzten Monaten besser als erwartet. Die Zahl der Neueinstellungen ist gestiegen, die Indikatoren für die produzierende Industrie und das Dienstleistungsgewerbe haben sich leicht verbessert, selbst die Wohnungswirtschaft zeigt ein paar Lebenszeichen, und das Konsumwachstum war relativ widerstandsfähig.

Doch trotz der günstigen Daten wird das US-Wirtschaftswachstum im gesamten Jahresverlauf 2012 relativ schwach bleiben und unter dem Trend liegen. Warum ist all den guten Wirtschaftsnachrichten der letzten Zeit nicht zu trauen?

Erstens leiden die US-Verbraucher nach wie vor unter der Einkommens- und Vermögensentwicklung und werden durch Schulden eingeschränkt. Die bescheidene Verbesserung beim verfügbaren Einkommen – trotz stagnierender Reallöhne – beruht primär auf Steuersenkungen und Transferleistungen; dies ist nicht nachhaltig: Irgendwann müssen die Transferleistungen gesenkt und die Steuern erhöht werden, um das Haushaltsdefizit zu reduzieren. Die jüngsten Konsumdaten lassen gegenüber der Zeit vor zwei Monaten – die von für das Weihnachtsgeschäft gerade mal vertretbaren Einzelhandelsumsätzen geprägt war – bereits eine Abschwächung erkennen.

Zugleich ist der Anstieg bei den US-Beschäftigungszahlen noch immer zu unbedeutend, um sichtbare Auswirkungen auf die Gesamtarbeitslosenquote und die Arbeitseinkommen zu haben. Die USA müssen auf kontinuierlicher Basis monatlich mindestens 150.000 Arbeitsplätze schaffen, nur um die Arbeitslosenquote zu stabilisieren. Mehr als 40% der Arbeitslosen sind Langzeitarbeitslose, was deren Chancen, je wieder eine vernünftige Arbeit zu finden, reduziert. Und die Unternehmen suchen immer noch nach Wegen, um die Beschäftigungskosten zu senken.

Die steigende Ungleichheit bei den Einkommen wird das Konsumwachstum ebenfalls begrenzen, weil sich Einkommensanteile von jenen mit höherer marginaler Konsumquote (Arbeiter und weniger Wohlhabende) zu jenen mit höherer marginaler Sparquote (Unternehmen und wohlhabende Haushalte) verlagern.

Zudem wird der jüngste Anstieg der Investitionsausgaben (und Wohnungsausgaben) zu Ende gehen, weil Steuererleichterungen auslaufen, die Unternehmen die Entwicklung bei den derzeit drohenden sogenannten „Tail Risks“ (unwahrscheinlichen Ereignissen mit extrem starken Auswirkungen) aussitzen und die unzureichende Endnachfrage die Auslastungsquoten niedrig hält – mit düsteren Aussichten für 2012. Und die meisten Anlageinvestitionen werden weiter arbeitssparenden Technologien gelten, was erneut impliziert, dass die Zahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze begrenzt bleiben wird.

Gleichzeitig liegt selbst sechs Jahre nach der Rezession auf dem Eigenheimsektor dieser immer noch im Koma. Angesichts der Tatsache, dass die Nachfrage nach neuem Wohnraum gegenüber ihrem Spitzenwert um 80% gefallen ist, dürfte sich die Preisanpassung nach unten hin auch 2012 fortsetzen, da das Angebot an neuen und bestehenden Eigenheimen die Nachfrage weiter übersteigt. Bei bis zu 40% der Haushalte mit Hypotheken – 20 Millionen – könnte der Hypothekenwert irgendwann über dem Wert ihres Eigenheims liegen. Der Teufelskreis aus Zwangsvollstreckungen und niedrigeren Preisen dürfte sich also fortsetzen – und angesichts so vieler Haushalte, die ernsthaften Kreditbeschränkungen unterliegen, wird das Vertrauen trotz bestehender Verbesserungen schwach bleiben.

Angesichts der blutleeren Zunahme bei der Binnennachfrage besteht Amerikas einzige Chance, sich seiner potenziellen Wachstumsrate anzunähern, in der Verringerung seines hohen Handelsdefizits. Doch von den Nettoexporten wird 2012 eine Bremswirkung für das Wachstum ausgehen, und zwar aus mehreren Gründen:

·         Der Dollar müsste sich weiter abschwächen, was unwahrscheinlich ist, weil viele andere Notenbanken dem Beispiel der Federal Reserve gefolgt sind und eine zusätzliche „quantitative Lockerung“ betreiben, weil der Euro weiter unter Abwärtsdruck bleiben dürfte und weil China und anderen Schwellenmärkte noch immer aggressiv an den Märkten intervenieren, um eine zu schnelle Aufwertung ihrer Währungen zu verhindern.

·         Niedrigeres Wachstum in vielen hochentwickelten Volkswirtschaften, in China und in anderen Schwellenmärkten bedeutet eine geringere Nachfrage nach US-Exporten.

·         Die Ölpreise werden angesichts der geopolitischen Risiken im Nahen Osten wohl weiter auf hohem Niveau verharren, was die Kosten der US-Energieimporte hoch halten wird.

Es ist unwahrscheinlich, dass die US-Politik hier Rettung bringen wird. Im Gegenteil: Von der Fiskalpolitik wird 2012 eine erhebliche Bremswirkung ausgehen, und der politische Stillstand im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen im November verhindern, dass die Politik die langfristigen Fiskalprobleme in Angriff nimmt.

Angesichts der schwachen Aussichten beim US-Wirtschaftswachstum ist zu erwarten, dass die Fed eine weitere Runde quantitativer Lockerung einleitet. Doch auch die Fed steht vor politischen Beschränkungen und wird zu wenig tun und sich zu spät bewegen, um der Wirtschaft wesentlich zu helfen. Zudem ist eine lautstarke Minderheit im Offenmarktausschuss der Fed, der die Zinsen festsetzt, gegen eine weitere Lockerung. In jedem Fall kann die Geldpolitik nur Liquiditätsprobleme in Angriff nehmen – und die Banken strotzen vor überschüssigen Reserven.

Vor allem aber befinden sich die USA – und viele andere hochentwickelte Länder – weiter in der Frühphase eines Entschuldungszyklus. Eine von zu viel Schulden und Fremdkapitalaufnahme (zuerst im privaten Sektor und dann in den öffentlichen Bilanzen) verursachte Rezession erfordert eine lange Phase geringerer Ausgaben und höherer Ersparnisse. Das wird in diesem Jahr nicht anders sein, denn die Entschuldung des öffentlichen Sektors hat gerade erst begonnen.

Und schließlich sind da jene Tail Risks, die die Anleger, Unternehmen und Verbraucher hypervorsichtig machen: die Eurozone, wo die Umschuldungen – oder schlimmer, ein mögliches Auseinanderbrechen – Risiken von systemischer Bedeutung darstellen; das Ergebnis der US-Präsidentschaftswahlen; geopolitische Risiken wie der Arabische Frühling, die militärische Konfrontation mit Iran, Instabilität in Afghanistan und Pakistan, die Nachfolge in Nordkorea und der Führungswechsel in China; und die Konsequenzen des globalen Wirtschaftsabschwungs.

Angesichts all dieser großen und kleinen Risiken haben Unternehmen, Verbraucher und Anleger einen starken Anreiz, abzuwarten und stillzuhalten. Das Problem ist natürlich, dass, wenn genug Leute abwarten und nichts tun, sie genau jene Risiken verstärken, die sie zu vermeiden suchen.

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  1. Commented

    Ben Leet

    In October 2011 Roubini and Alpert and Hockett released "The Way Forward", a lengthy recommendation, see The New America Foundation. In this present article he emphasizes only one remedy, U.S. exports. In The Way Forward the authors recommend three "pillars": 1) a public jobs program, $1.2 trillion over a five year period, 2) a debt restructuring program targeting real estate (housing) and finance, and 3) global reforms restoring balance to world trade. Since 1979 the CBO reported the top-earning 1% of households increased their income share from 8% to 17%, post-taxes and post-transfers. The lower-earning 80% of households lost the 9% transfer of income to the top 1%. There is no credible evidence that this trend will lessen, even the modest tax increases suggested by Obama will do little to revive demand and purchasing power for the 80% who are facing increasing stress. Marriner Eccles, the former Chairman of the Fed during the Great Depression, said the economy is like a poker game, when the losers run out of credit, the game is over. That's why he recommended public job creation and strict regulation of finance. Unemployment dropped 1933-1937 from 25% to 9.6%, and in the 1940s public job creation reduced it to under 2% in 1943 and 1944. The labor market (wages) is very deflationary under our present, 2012, conditions. This dire economic condition is staring us all straight in the face, and its remarkable that so few understand it. My blog, http://benL8.blogspot.com, I suggest more remedies, more analysis.

  2. Commented

    Kristy Mayer

    You argue that rising income inequality will dampen consumption growth, contributing to sustained below-potential growth in the United States. But in making this argument, you simply assume without any explanation that rising income inequality is a foregone conclusion. Rising income inequality has been an ongoing trend for many years now, and one could postulate that it likely will continue – but this is still just a claim that remains to be proven.

    One reason why rising income inequality may seem a foregone conclusion is the degree to which it is entrenched in the U.S. tax system. However, the tax system, despite appearances to the contrary, is not immutable. Many prominent economists have suggested ways to recalculate tax rates (e.g., Diamond and Saez, 2011) or reform the system as a whole to more appropriately tax America’s wealthy, which would work to mitigate rising inequality.

    Reforming the tax system is clearly not the silver bullet that will stop completely rising income inequality or eliminate the output gap. But, citing rising income inequality as a one of five reasons why United States’ economic growth is below potential and simply assuming that it will continue into the future is unproductive. Arguing that rising inequality dampens growth provides an opportunity for you to underscore the urgency of the active debate on tax reform and other ways to reduce income inequality. Rather than summarily dismissing rising income inequality as an irremediable part of the problem, you should reference the active debate and recommend that reversing the trend of rising income inequality be considered as part of the solution.

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