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Die Eurozone: Uneinigkeit macht stark

FLORENZ – Seit Monaten führt eine immer frenetischere und manchmal schon apokalyptische Debatte über das Schicksal des Euro zu fortschreitender globaler Destabilisierung. Kann die gemeinsame europäische Währung überleben? Niemand Geringeres als der ehemalige Vorsitzende der US-Notenbank, Alan Greenspan, hat dies jetzt öffentlich verneint.

Aber angesichts dieser Not erweist sich der Euro als erstaunlich widerstandsfähig. Im Gegensatz zum Sommer 2010 bleibt er auf den Währungsmärkten im Vergleich zum Dollar ziemlich stabil. Diese Stabilität ist verwirrend.

Die Skeptiker haben für ihre Kritik am Euro jede Menge Munition. Die Krisengespräche der europäischen Regierungen und ihre immer neuen, immer komplexeren Maßnahmen sorgen manchmal für eine Beruhigung der Märkte, aber die Welle des Zweifels fließt immer wieder zurück. Die Händler geben sich für einen Tag oder manchmal nur für ein paar Stunden der Illusion von Stabilität hin, was zu einer euphorischen, aber kurzlebigen Rallye an den Finanzmärkten führt. Dann wieder erkennen sie, dass sich nicht viel verändert hat und dass einige Wochen oder Monate später die Probleme verschärft wiederkehren werden.

Immer wieder tauchen neue juristische und verfassungsrechtliche Probleme auf. Muss der Vertrag der Europäischen Union geändert werden? Ist das nicht politisch undenkbar? Man kommt zwangsläufig zu dem Schluss, dass die Politik in der Eurozone unwiderruflich beschädigt ist.

Aber durch diese Schwierigkeiten wird klarer, warum die Eurozone damals überhaupt gegründet wurde. Marktturbulenzen zeigen die Notwendigkeit institutioneller Mittel auf, um größere Währungsstabilität zu erreichen. Die offensichtlichste Lösung besteht in einer internationalen Währung.

Der Euro entstand aufgrund schädlicher Effekte der internationalen Währungsinstabilitäten nach dem Zusammenbruch der festen Wechselkurse in den frühen 1970ern. Immer wenn der Dollar schwach war, floss das Kapital in alternative Währungen wie den Japanischen Yen oder die Deutsche Mark. Aber die wirtschaftlich bedeutende Exportindustrie der beiden Länder wurde durch die Aufwertung ihrer Währungen extrem belastet, und sie versuchten verzweifelt, ihren Status als Reservewährungsländer wieder loszuwerden..

Heute sind die hauptsächlichen “Profiteure” – eigentlich aber Opfer – des Dollarzweifels viel kleiner als Japan und Deutschland. Heute verteuert der Kapitalfluss den Schweizer Franken, die Kronen Schwedens und Norwegens und den Kanadischen und Australischen Dollar, und verursacht in diesen kleinen Ländern massive Verwerfungen, da ihre Produkte und Dienstleistungen an Wettbewerbsfähigkeit einbüßen.

Die Verwalter dieser neuen Fluchtwährungen versuchen nun verzweifelt, diese zumindest vorübergehend an die Währungen ihrer großen Nachbarn zu koppeln oder anzupassen. Solch eine Vorgehensweise ist gefährlich und potenziell selbstzerstörerisch, da eine Kopplung oder Bindung eine Zielvorgabe voraussetzt, gegen die Spekulanten hohe Wetten eingehen können.

Aufgrund der aktuellen Verunsicherung werden die kleineren europäischen Länder nach Wegen suchen, sich enger an den Euro anzulehnen. Schon in den 1970ern während der ersten Welle von Währungsturbulenzen führten die skandinavischen Staaten und die Schweiz Verhandlungen, um sich mit einer europäischen Währung zu verbinden. Heute ist die Logik dieser Strategie noch zwingender.

Auch viele andere kleine Volkswirtschaften sind sich der Vorteile der Euro-Mitgliedschaft bewusst. Slowenien, seit 2007 in der Eurozone, und die Slowakische Republik, die Anfang 2009 Mitglied wurde – gerade als die sich ausbreitende Finanzkrise die Tür für die weitere Vergrößerung des Euroraums schloss – konnten sich über viel größere finanzielle Stabilität freuen als ihre ungebundenen Nachbarn.

Diese Nachbarn hatten unter anderem das Problem, dass ihre Kreditkosten so hoch waren, dass Kreditnehmer, darunter viele Hauskäufer, sich in niedrig verzinsten Schweizer Franken verschuldeten und dann durch deren Aufwertung massiv belastet wurden. Diese Turbulenzen führen zu der Erkenntnis – die auch der Einführung des Euro zugrunde liegt – dass normale Menschen und Unternehmen kein Wechselkursrisiko eingehen sollten.

Sogar in größeren Ländern werden die Kosten und die Vorteile der Mitgliedschaft in einer Währungsunion erneut gegeneinander abgewogen. Direkt nach der Finanzkrise wurde allgemein angenommen, dass Großbritannien gegenüber Mitgliedern der Eurozone wie Spanien aufgrund der Flexibilität der Währung im Vorteil sei. Aber die spanischen Exporte haben sich schneller erholt als die britischen, und die Wechselkurse führen zu Inflationsdruck, der die britische Geldpolitik zukünftig belasten wird.

Natürlich leidet die Eurozone unter Regierungsproblemen. Am meisten fällt ins Auge, dass die Frage der Verteilung der unhaltbaren Schuldenlast einiger Mitgliedsländer nicht adäquat beantwortet wurde. Es ist offensichtlich, dass niemand zuständig ist: nicht die einzelnen Regierungen, und sicher nicht die ineffektive Europäische Kommission in Brüssel, gegen die die großen Mitgliedsländer sozusagen Krieg führen.

Trotzdem ist es paradoxerweise die Abwesenheit von Steuerung, die den Euro attraktiv macht. Im Gegensatz zum US-Dollar kann niemand Druck auf die Europäische Zentralbank ausüben, damit sie die Währung abwertet, um Wettbewerbsvorteile über andere Volkswirtschaften zu erlangen. Die europäischen Regierungen können die EZB nicht anweisen, Staatsanleihen zu kaufen.

Je mehr die ineffiziente Führung der Eurozone kritisiert wird, desto größer wird die Bedeutung des Euro als nicht-politische Währung und sichere Wertanlage. In einer stabilen Welt mit sicheren Märkten können die kleinen Länder entspannt ihre eigene Geldpolitik betreiben. In turbulenten Zeiten hoher Marktvolatilität allerdings riskieren sie, erdrückt zu werden.

Also ist das europäische Projekt erstaunlich widerstandsfähig. Mehrere Balken, die miteinander zu einem Floß verbunden sind, haben – selbst ohne Steuerung – klare Vorteile gegenüber einem einzelnen sturmumtosten Baumstamm. Je höher sich die Wellen des Zweifels und der Unsicherheit auftürmen, desto beliebter werden Lösungen, die auf mehr Gemeinsamkeit beruhen.

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