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Die Monopolisten der Schultafel

CHICAGO – Ebenso wie viele andere westliche Staatsführer hat US-Präsident Barack Obama während seiner Wahlkampagne als eines seiner größten Wahlversprechen angekündigt, das Bildungssystem zu verbessern. Aber andere innenpolitische Themen – die Gesundheitsreform, Haushaltsprobleme und hohe Arbeitslosigkeit – waren verständlicherweise vorrangig. Und die Vereinigten Staaten stehen damit nicht allein: Auch in Großbritannien und Kontinentaleuropa haben Bildungsreformen einen hohen Stellenwert.

Die Verbesserung der Bildungssituation ist eine der Maßnahmen, durch die Regierungen die Wirtschaft am nachhaltigsten positiv beeinflussen können. Ein gut funktionierendes Bildungssystem ist die beste Methode, um Menschen mit dem Wissen und den Fähigkeiten auszustatten, die sie zur Einkommenssteigerung und zum Konkurrenzkampf in einer globalisierten Wirtschaft benötigen. Der Schlüssel zu einem solchen System liegt darin, die Rolle zu betonen, die stärkerer Wettbewerb für eine bessere Ausbildung spielen kann.

Dies bedeutet natürlich, die Stellung der Lehrergewerkschaften zu berücksichtigen – ein Thema, das bei der politischen Linken und Rechten sehr unterschiedliche Reaktionen hervorruft. Auf der linken Seite sorgen sich viele, dass Präsident Obama, Großbritanniens Premierminister David Cameron, Schwedens Premierminister Fredrik Reinfeldt und andere bereits jetzt einen zu großen Schwerpunkt auf Verantwortlichkeit legen: Sie sehen Reformen, die Lehrer als Teil des Problems betrachten, mit Skepsis. Auf der rechten Seite scheint es oft umgekehrt zu sein: sobald Lehrer gegen Maßnahmen – wie z.B. Gutscheine – sind, müssen diese Maßnahmen gut sein.

Wenn in solchen Debatten beide Seiten über grundlegende Prinzipien derart uneinig sind, ist es schwer, eine gemeinsame Basis zu finden. Aber Wettbewerb ist ein Prinzip, dass breite politische Unterstützung verdient, da es sehr vorteilhafte Auswirkungen auf gewöhnliche Menschen hat. Viele Linke leiden heute, was die Vorteile von Wettbewerb betrifft, unter großer Verwirrung, wofür die Einstellung vieler Progressiver zum Thema Bildung ein gutes Beispiel ist.

In den USA blicken die Linken beispielsweise mit Wohlwollen auf den New Deal von Franklin Roosevelt zurück – und die starke Regierungsbetonung, die dieser während der Großen Depression und danach zur Folge hatte. Aber die Linke sollte auch die Ereignisse des früheren 20. Jahrhunderts während der progressiven Phase beachten, als “Entflechtung” groß in Mode war.

Ein Grund dafür, dass zu dieser Zeit das Großkapital als Bedrohung gesehen wurde, lag an dessen Monopolmacht über die Güter, die für viele amerikanische Bürger eine entscheidende Rolle spielten. Bauern wollten keine hohen Transportkosten bezahlen, um ihre Ernte auf den Markt zu bringen, und wehrten sich gegen die Marktmacht der Eisenbahngesellschaften. Ebenso erwarteten Arbeiter von den Arbeitgebern, sich durch höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen dem Wettbewerb um Arbeitskräfte auszusetzen. Sie wehrten sich gegen große Unternehmenskonglomerate, die den Zugang zu physischem Kapital immer mehr monopolisierten: zu Anlagen, Maschinen und Ausrüstung, die die Arbeiter für mehr Produktivität benötigten.

Ebenso wichtig wie Geschäftsstrategien war die Politik: Noch furchterregender war es, wenn die Preisbildungsmacht des Großkapitals sich mit politischem Einfluss verband. Die Angst, dass das Großkapital das Gemeinwohl durch Unterdrückung des Wettbewerbs schädigen könnte – und genug politische Macht besitzen könnte, um seine Monopolmacht auszunutzen – ermöglichte Reformern von links und rechts die Bildung einer gemeinsamen Basis.

Moderne Progressive, die die wirtschaftliche und politische Landschaft der letzten Jahre betrachten, sehen die Möglichkeit eines weiteren Anschlags auf das Großkapital, indem sie populistische Empörung mit der politischen Macht der organisierten Linken, z.B. der Gewerkschaften, vereinen. Zwar mag die Abneigung der Progressiven gegen das Großkapital in ihren intellektuellen Wurzeln begründet sein, in Bezug auf Wettbewerb aber haben sie die Orientierung verloren.

Im Gegensatz zum vergangenen Jahrhundert, als die offensichtlichste Methode zur Steigerung der Produktivität eines Arbeiters in seinem Zugang zu physischem Kapital lag, besteht der wichtigste Aktivposten eines Arbeitnehmers heute in einer gute Ausbildung. Trotzdem: Anstatt Schulen und Lehrer zum Wohl ihrer Schüler (der Arbeitnehmer von morgen) zu mehr Wettbewerb untereinander zu drängen, verteidigen viele das Bildungsmonopol der Lehrer – und damit deren Monopol auf Investitionen in einkommenssteigerndes Humankapital. Darüber hinaus verfügen Lehrergewerkschaften, ebenso wie die frühen Industriellen, über genug politische Macht, um Reformen zu verhindern, die ihr Monopol brechen könnten.

Einige Gewerkschaften kommen zu der Einsicht, dass Änderungen oder zumindest Zugeständnisse nötig sind. In Illinois unterstützte die Lehrergewerkschaft kürzlich eine Regelung, die Streiks erschwert und die Entlassung leistungsschwacher Lehrer erleichtert. Aber die Chicagoer Gewerkschaft zog ihre Unterstützung daraufhin zurück.

Lediglich den Griff der Gewerkschaften zu lockern und den Wettbewerb zwischen Lehrern und Schulen für die beste Bildung zu fördern, bringt natürlich noch nicht das Wissen und die Fähigkeiten hervor, die von modernen Arbeitnehmern benötigt werden. Die Reformer müssen weiter experimentieren, um den besten Weg zur Messung von Standards zu finden. Sie müssen dafür sorgen, dass der Wettbewerb zwischen Lehrern im richtigen Rahmen stattfindet – und die vielen anderen organisatorischen Innovationen bereitstellen, die von Schulen, Lehrern und Schülern benötigt werden.

Mehr Wettbewerb allerdings scheint definitiv ein Schritt nach vorn zu sein. Indem sie dies akzeptieren, können Progressive mit der politischen Mitte einen Konsens herstellen und eine Hauptwählergruppe unterstützen: normale Arbeitnehmer. Sie müssen erkennen, dass sie bisher ein mächtiges Monopol verteidigt haben, das sich diesen Arbeitnehmern in den Weg stellt.

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