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Das schwarze Loch in Amerikas BIP

CAMBRIDGE – Der massive Abschwung der amerikanischen Wirtschaft wird länger anhalten und größere Schäden verursachen als frühere Rezessionen, weil er von einem beispiellosen Vermögensverlust amerikanischer Haushalte angetrieben ist. Obwohl das von Präsident Obama jüngst unterzeichnete Konjunkturprogramm die wirtschaftliche Aktivität irgendwann im Sommer zeitweilig beleben wird, steht beinahe fest, dass sich die Prognose einer in der zweiten Jahreshälfte 2009 einsetzenden nachhaltigen Erholung als allzu optimistisch erweisen wird.

Frühere Rezessionen waren oftmals von einer übermäßigen Akkumulierung von Beständen und Überinvestitionen in Betriebsausstattung geprägt. Mit der Zeit wurden diese Überschüsse abgebaut und so Raum für neue Investitionen geschaffen, wodurch die Wirtschaft wieder auf die Beine kommen konnte. Unterstützt wurde diese Erholung durch eine Senkung der Zinssätze durch die Zentralbanken.  

Diesmal allerdings zerstörte der Absturz der Aktien- und Eigenheimpreise in den USA mehr als 12 Billionen Dollar an Vermögen privater Haushalte. Diese Summe entspricht über 75 Prozent des BIP. Aufgrund früherer Reaktionen auf den Rückgang von Haushaltsvermögen weiß man, dass die Verbraucherausgaben dadurch jährlich um etwa 500 Millionen Dollar sinken, bis das Vermögen wieder hergestellt ist. Während eine höhere Sparquote der Haushalte zwar hilft, dieses Vermögen wieder aufzubauen, bedarf es über eines Jahrzehnts relativ hoher Sparquoten, um die Verluste wettzumachen.

Die nachlassende Bautätigkeit trägt zusätzlich zum aktuellen Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage bei. Die Zahl der pro Jahr in Angriff genommenen Bauprojekte ist um 1,2 Millionen gesunken, wodurch dem jährlichen BIP zusätzlich 250 Milliarden Dollar fehlen. Obwohl sich die Lage letztlich verbessern wird, wenn der Bestand an unverkauften Eigenheimen sinkt, wird die Erholung nur langsam vor sich gehen.

Die amerikanische Wirtschaft ist also mit einem Nachfragerückgang im Ausmaß von 750 Milliarden Dollar konfrontiert. Außerdem werden die üblichen stabilisierenden Faktoren wie Arbeitslosenunterstützung und verminderte Einkommenssteuer diesen Einbruch der Nachfrage nicht ausgleichen, weil dieser nicht durch geringere Einkommen oder höhere Arbeitslosigkeit verursacht ist.

Obwohl das jüngst verabschiedete Konjunkturpaket in den USA insgesamt 800 Milliarden an Steuersenkungen und höheren Staatsausgaben vorsieht, wäre es falsch zu glauben, dass sich damit das amerikanische BIP in jedem der nächsten zwei Jahre auch nur annähernd um 400 Milliarden Dollar erhöhen könnte. Der größte Teil des Geldes aus Steuersenkungen wird eher gespart als für zusätzliche Ausgaben verwendet.

Überdies wird sich ein beträchtlicher Teil der Ausgaben über die nächsten zehn Jahre verteilen. Und manche im Konjunkturpaket vorgesehenen Staatsausgaben werden einfach andere Ausgaben ersetzen, die ohnehin getätigt worden wären.  Eine optimistische Schätzung des direkten Anstieges der jährlichen Nachfrage aufgrund des Konjunkturpakets beläuft sich auf 300 Milliarden Dollar für jedes der nächsten beiden Jahre.

Mit dem Konjunkturpaket wird also weniger als die Hälfte des BIP-Lochs gestopft, das durch den Rückgang des Haushaltsvermögens und den Einbruch im Bauwesen entstand und das verbleibende Nachfragedefizit von 450 Milliarden Dollar in jedem der nächsten zwei Jahre wird zu ernsthaften Zweitrundeneffekten führen. Aufgrund des Nachfragerückgangs werden die Unternehmen ihre Produktion drosseln. Dadurch sinken Beschäftigungszahlen und Einkommen, wodurch es zu weiteren Kürzungen der Verbraucherausgaben kommt.

Natürlich werden Verbesserungen des aktuell dysfunktionalen Finanzsystems dazu führen, dass Banken und andere Finanzinstitutionen wieder Kredite an diejenigen vergeben, die heute kein Geld bekommen. Das wird helfen, wird aber wahrscheinlich nicht reichen, um ein positives BIP-Wachstum zu verzeichnen.

Ein zweites Konjunkturpaket ist daher wahrscheinlich. Allerdings muss es viel besser auf die Steigerung der Nachfrage abgestimmt sein, um zu verhindern, dass zu den Staatsschulden noch mehr hinzukommt als die gestiegenen Staatsausgaben. Ebenso sollten in den steuerlichen Änderungen eines derartigen Konjunkturpakets Ausgabenanreize für Haushalte und Unternehmen enthalten sein.

Obwohl die langfristigen staatlichen Zinssätze momentan sehr niedrig sind, beginnen sie aufgrund der Aussicht auf stark steigende Staatschulden bereits zu steigen. Die von den USA und ausländischen Investoren gehaltenen Schulden betrugen Ende 2008 insgesamt etwa 40 Prozent des BIP. Wahrscheinlich werden sie bis Ende 2010 auf 60 Prozent des BIP ansteigen, wodurch sich auch die Schuldenquote weiter erhöhen wird. Aufgrund des daraus resultierenden Anstiegs der langfristigen Realzinssätze wird es zu einer Drosselung aller Arten zinsempfindlicher Ausgaben kommen, wodurch sich die wirtschaftliche Schwäche noch weiter verschärft.

Es ist daher nicht klar, welches Ereignis den Abwärtstrend des BIP umkehren und den Wirtschaftsabschwung beenden wird. Wird eine drastische Dollarabwertung zu einem Anstieg der Exporte und einem Rückgang der Importe führen? Wird ein rascher Anstieg der Inflationsrate den realen Wert der Schulden des Staates, der Privaten und der Unternehmen reduzieren und damit zu niedrigeren Ersparnissen und höheren Ausgaben führen? Oder wird ein anderes Ereignis die Wirtschaft retten? Die Zukunft wird es zeigen.

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