Friday, September 19, 2014
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Bush sei Dank für Bernanke

Vielleicht weiß es die Welt nicht, aber wir alle haben noch einmal Glück gehabt, als George W. Bush Ben Bernanke als Nachfolger von Alan Greenspan, dem allmächtigen Vorsitzenden der US-Notenbank Federal Reserve, nominierte. Aus dem Weißen Haus drangen einige wirklich beängstigende Namen für potenzielle Vorsitzende der Fed nach außen, und ich, beispielsweise, hatte kein Vertrauen in den Ausgang.

Stattdessen bekamen wir auf fast wundersame Weise einen absolut erstklassigen Ökonomen, eine vertrauenswürdige Person, um die Weltwirtschaft zu führen. Jene von uns, die Bernanke kennen, sehen in ihm jemanden, der über die Erfahrung, den Intellekt und die Persönlichkeit verfügt, um in der Position zu glänzen, die er nächsten Februar übernimmt.

Warum ist diese Position so wichtig? Alan Greenspan ist ein großer Mann, aber es ist eine kuriose Verkettung von Umständen, die die Position des Fed-Chefs auf den Olymp emporgehoben hat.

Zunächst bedenke man, dass die beiden anderen bedeutenden Zentralbanken der Welt (die Europäische Zentralbank und die Bank of Japan) einfach nicht voll funktionsfähig sind. Während die Fed geschickt die Leitzinssätze ändert, um Inflation und Produktion zu stabilisieren, haben die BOJ und die EZB ihre wichtigsten Leitzinsen seit Jahren nicht geändert, wobei die EZB bei 2 % stagniert und die BOJ bei 0 %.

Während das Nichtanpassen der Zinssätze keinen glaubhaften Beweis für eine Störung darstellt – schließlich geht sogar eine kaputte Uhr zweimal am Tag richtig –, geben eingefrorene Zinssätze wirklich den Anschein einer Lähmung. So hat die Fed, da die beiden anderen großen Zentralbanken der Welt im Kampf vermisst werden, die Weltwirtschaftsbühne ganz für sich.

Ebenso wichtig ist, dass der Fed-Chef auch die US-Wirtschaftsbühne beherrscht. Normalerweise würde der Finanzminister der Vereinigten Staaten oder eine andere Führungspersönlichkeit in der Regierung eine ausgleichende Rolle spielen. Doch in der Regierung Bush haben diese Beamten einfach nicht die politische Unterstützung, um einen Ausgleich zu schaffen, insbesondere gegenüber Greenspan.

Präsident Bush hat eindeutig beschlossen, dass er selbst der hauptsächliche Wirtschaftssprecher der Regierung sein sollte. Bush wirkt jedoch zwangsläufig wie ein Cheerleader, während der objektivere Fed-Chef ihn einfach ständig überrundete.

Selbstverständlich musste Greenspan seine Glaubwürdigkeit in wirtschaftlichen Fragen niemals kompromittieren, indem er über Darwins Evolutionstheorie (die viele Anhänger Bushs ablehnen) dozierte oder davon schwärmte, wie wunderbar angeblich alles für die US-Streitkräfte im Irak laufe. Bushs flacher Stimmungsmache standen Greenspans gewaltiges Wissen und seine Erfahrung gegenüber.

Außerdem ist es unmöglich, dass ein US-Präsident, der mit dutzenden anderen dringenden Problemen beschäftigt ist, mit einem Fed-Chef mithalten kann, der über den Luxus verfügt, sich Vollzeit auf Wirtschaftsfragen konzentrieren zu können. Also sollten wir Bush hoch anrechnen, dass er bereit ist, jemanden auszuwählen, der Greenspans Platz als Chefökonom der USA einnehmen kann, in Ermangelung eines anderen Kandidaten.

Wohlgemerkt kann eine ganze Zeit vergehen, bevor Ben Bernankes Name zu einem so geläufigen Begriff wird wie der von Greenspan. Menschen, denen Wirtschaft und Finanzen völlig egal sind, wissen oft trotzdem den Namen des derzeitigen US-Fed-Chefs.

Das hat es mir auf jeden Fall einfacher gemacht, den Leuten zu erklären, dass ich Professor der Wirtschaftswissenschaften bin.

Selbstverständlich haben einige Menschen, wie z. B. ein fähiger, junger Musiker, den ich vor kurzem traf, nie von Alan Greenspan gehört – und eigentlich auch nicht von der US Federal Reserve (innerhalb einer halben Stunde war er fasziniert von der Vorstellung, dass es jemanden geben könnte, der tatsächlich aus einer Laune heraus eine Milliarde Dollar drucken kann). Doch obwohl die meisten Menschen nicht wirklich verstehen, was eine Zentralbank macht, sehen sie Alan Greenspan im Allgemeinen als eine äußerst wichtige Person an, die etwas mit der Festsetzung der Zinssätze zu tun hat und somit ihr Leben beeinflusst.

Dies führt uns zurück zur EZB und zur BOJ, denn ihr wirkliches Problem ist nicht einfach die Zinssatzlähmung, sondern dass sich jede von ihnen bei der Inangriffnahme der wichtigsten Wirtschaftsfragen außerhalb der Währungspolitik ungeheuer eingeschränkt fühlt.

Als führende gesamteuropäische Einrichtung befindet sich die EZB in einer einmaligen Position, um eine Führungsrolle in der europäischen Diskussion um Finanzpolitik, Handelspolitik und demographischen Übergang einzunehmen. Doch während sie im Stillen einige wichtige technische Beiträge zu verschiedenen Debatten liefert, ist sie politisch eingeengt und kann daher nicht entschlossen über ihren Zuständigkeitsbereich hinausgehen.

Dies ist eine bedauernswerte Einschränkung in der Konzipierung der EZB, vorgenommen von einer Gruppe von Nationalstaaten, die noch nicht entschieden haben, ob sie größere Einheit oder stärkere Dezentralisierung vorziehen. Für die BOJ ist das grundlegende Problem ihre tief sitzende institutionelle Angst, politisch Aufruhr zu schüren, und somit ihre Unfähigkeit, die Rolle des Chefökonomen zu übernehmen.

Daraus folgt, dass der amerikanische Fed-Chef derzeit über einen ungewöhnlich starken Einfluss verfügt. Vielleicht wird diese ungezügelte Macht eines Tages von einer wiederauflebenden EZB oder BOJ in die Schranken gewiesen. In der Zwischenzeit können wir nur erleichtert sein, dass Präsident Bush tatsächlich aus Zufall oder Schicksal einen würdigen Nachfolger für Greenspan gefunden hat. Es hätte ein Desaster werden können.

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