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Langfristige Ausblicke

NEW YORK – Das nächste Jahr wird spannungsreiche Phasen mit sich bringen, nachdem eine Reihe schwieriger Entscheidungen zwischen aktuellen und zukünftigen Erfordernissen ansteht. Wie wir diese Schwierigkeiten bewältigen, wird zu einem Maßstab für unsere Vision und Führungskraft werden.

Als Gemeinschaft von Nationen stehen uns im kommenden Jahr drei unmittelbare Bewährungsproben bevor. Die erste hat gerade begonnen. Nicht die globale Finanzkrise, so wichtig sie auch sein mag. Ich spreche vielmehr vom Klimawandel, der wirklich existenziellen Bedrohung.

Es bleiben nur mehr 12 kurze Monate bis zum entscheidenden Gipfel in Kopenhagen, wo sich nächstes Jahr im Dezember die führenden Politiker der Welt treffen werden, um ein Abkommen zur Reduktion der globalen Erwärmung zu erzielen. Wir brauchen eine Übereinkunft, die das Kyoto-Protokoll erweitert, vertieft und stärkt. Wir brauchen einen neuen Vertrag für das 21. Jahrhundert, der ausgewogen, umfassend und inklusiv konzipiert ist – und dem sich alle Nationen anschließen können.ampnbsp;

Einen wichtigen Schritt in diese Richtung unternahmen wir heuer Anfang Dezember im polnischen Poznan, wo sich für Klimaschutz zuständige Minister und Experten einfanden, um einen Plan für die Zukunft auszuarbeiten. Die Verhandlungen gestalteten sich schwierig und es verspricht, nicht einfacher zu werden. Manche argumentieren, dass wir es uns nicht leisten können, uns mitten in unserer aktuellen Krise mit dem Klimawandel zu beschäftigen. Ich sage, wir können es uns nicht leisten, dies nicht zu tun. Die Zukunft des Planeten steht auf dem Spiel.

Unsere zweite Bewährungsprobe ist die Wirtschaft. Es steht fest, dass wir globale Impulse brauchen. In den großen Ökonomien hat man auf die aktuelle Krise mit ehrgeizigen Rettungsplänen in den Bereichen Haushaltspolitik und Finanzen reagiert. Der G-20 Krisengipfel im November in Washington zeigte, dass die Regierungen zusammenarbeiten, um ihre Strategien zu koordinieren. Diese Bemühungen wurden bei einem Treffen, das kürzlich in Doha stattfand, noch erweitert. ampnbsp;

Das alles ist begrüßenswert. Aber wir müssen mehr tun. Vor allem bedarf es beherzter und frischer Ideen. Wenn wir unseren Weg aus der Finanzkrise freikaufen wollen, müssen wir klug vorgehen. Das bedeutet, dass es sich bei allen Ausgaben um Investitionen handeln muss. Diese müssen nachhaltig sein, so dass wir das Geld nicht ziellos auf die Probleme verteilen, sondern die Mittel vielmehr zum Bau eines Fundaments für eine stabilere und florierende Zukunft einsetzen.

China hat Führungskompetenz bewiesen. Ein ganzes Drittel seines jüngst angekündigten Konjunkturprogramms im Ausmaß von 586 Milliarden Dollar wird in grünes Wachstum und grüne Infrastruktur fließen. Die Chinesen haben die Chance ergriffen, mehreren Herausforderungen auf einmal zu begegnen – Arbeitsplätze zu schaffen, Energie zu sparen und gegen den Klimawandel zu kämpfen. Die Vereinigten Staaten unter Präsident Barack Obama planen, das Gleiche zu tun.

Diese Entscheidungsträger wissen, dass sich Investitionen in alternative Brennstoffe und umweltfreundliche Technologien zukünftig in den Bereichen Umweltschutz, Energieabhängigkeit und nachhaltiges Wachstum in großem Maß bezahlt machen werden. Aber sie wissen auch, dass grüne Investitionen Arbeitsplätze schaffen und das Wachstum hier und jetzt ankurbeln. Andere Länder sollten diesem Beispiel folgen. Ohne eine groß angelegte, globale Initiative, bei der alle Länder an einem Strang ziehen, werden wir nie ein Zeitalter des nachhaltigen Wohlstands einläuten. Wenn es jemals einen günstigen Zeitpunkt für kühne und ambitionierte Visionen gab – eine Chance zur Gestaltung eines neuen und besseren Weges – dann ist er jetzt gekommen.

Unsere dritte Bewährungsprobe wird eine Frage des pragmatischen Prinzips. Der Klimawandel und die schwierige Situation auf den Finanzmärkten sind nicht unsere einzigen Krisen. Tatsächlich werden dadurch andere Bedrohungen verschärft: Nahrungsunsicherheit, unbeständige Energie- und Rohstoffmärkte und der fürchterliche Fortbestand der Armut. Kein Land blieb verschont. Aber die ärmsten Länder spüren diese Krisen am stärksten.

Wird die Finanzkrise nicht richtig bewältigt, entsteht daraus die menschliche Krise von morgen. Soziale Unruhen und politische Instabilität werden zunehmen und andere Probleme weiter verschärfen. Letztlich besteht die Gefahr einer lawinenartigen Abfolge von Krisen, wobei eine durch die andere ausgelöst wird. Diese Entwicklung könnte potenziell verheerende Folgen für alle zeitigen. ampnbsp;ampnbsp;

Deshalb müssen wir im kommenden Jahr im Geist globaler Solidarität agieren. Die Maßnahmen zur Bewältigung der Finanzkrise müssen im Interesse aller Länder liegen – der ärmsten ebenso wie der reichen und mächtigen. ampnbsp;Hilfsprogramme für Entwicklungsländer sollten als Teil eines globalen Konjunkturplans und langfristigen Konzepts zur wirtschaftlichen Erholung betrachtet werden. Das bedeutet, die Finanzkrise zumindest nicht als Ausrede für die Senkung der internationalen Entwicklungshilfe zu benutzen. Wir müssen unseren Zusagen im Rahmen der Millenniums-Entwicklungsziele als pragmatische und auch als moralische Verantwortung gerecht werden.

Wir befinden uns an der Schwelle zu einem neuen Multilateralismus. Das Pendel der Geschichte bewegt sich zurück in Richtung Vereinte Nationen und kollektiver Maßnahmen. Die Herausforderungen, vor denen wir als Gemeinschaft von Staaten stehen, sind zunehmend jene der Zusammenarbeit und Mitwirkung: die Bekämpfung des Klimawandels, der Wiederaufbau des globalen Finanzsystems und die Förderung nachhaltiger Entwicklung.

In dieser vernetzten Welt besteht die Herausforderung darin, die Verbindung zwischen diesen drei Problemkreisen zu erkennen. Mit Visionen werden wir für jeden einzelnen Problemkreis Lösungen finden, die sich auch auf die anderen übertragen lassen. Aber um diese Visionen in die Tat umzusetzen, bedarf es Führungskraft. Die werden wir auch brauchen werden, um unsere größeren langfristigen Interessen gegen die gravierenden und dringlichen Probleme der Gegenwart abzuwägen.

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