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Die Investoren der amerikanischen Eliteuniversitäten

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2006-11-15

Die Yale University, an der ich unterrichte, hat den Wertpapierbestand ihrer Stiftung seit über 20 Jahren einem Mann anvertraut, David Swensen. In diesem Zeitraum ist der Wert des Portfolios von knapp über $ 1 Milliarde auf $ 18 Milliarden gestiegen – eine durchschnittliche Rendite von über 16 % pro Jahr, was der höchste Gewinn aller großen Universitäten zu sein scheint. Und es gibt keine Anzeichen dafür, dass er abnehmen würde: Im letzten Geschäftsjahr, das im Juni endete, betrug die Rendite 22,9 %.

Die Rektoren von Yale kommen und gehen, aber Swensen bleibt. Er hat mehr für die Universität getan als alle Rektoren oder irgendjemand anderes. An einer Universität zählen Ideen mehr als Geld, aber 18 Milliarden Dollar können ein Umfeld für viele neue Ideen schaffen. Bei 11.500 Studierenden sind das über $ 1,5 Millionen pro Student (ohne die Gebäude und die Kunstsammlung der Universität, die jeweils viele weitere Milliarden Dollar wert sind).

Wie ist das geschehen? Wie hat Swensen so viel Geld gemacht? Das fragen sich alle – nicht zuletzt wir hier in Yale.

Schließlich lehren hier viele die „Theorie effizienter Märkte“, nach der die Finanzmärkte auf der ganzen Welt so wettbewerbsfähig geworden sind, dass es unmöglich ist, durch Investitionen mehr als eine normale Rendite zu erwirtschaften. Jeder, der den Markt schlägt, muss einfach Glück haben.

Studien scheinen dies zu belegen. Beispielsweise wurden in einer Studie aus dem Jahr 2004 von Brad Barber und Terrance Odean von der University of California und von Yi-Tsung Lee und Yiu-Jane Liu von der National Chengchi University Daten einzelner Handelsgeschäfte von bestimmten Tageshändlern an der taiwanesischen Börse erhoben. Die Studie fand heraus, dass nur 1 % der Tageshändler in zwei aufeinanderfolgenden Zeiträumen von sechs Monaten – nach Abzug der Handelskosten – einen Gewinn erzielten, dabei war der mittlere Gewinn kaum der Mühe wert: nur ca. 4000 US-Dollar.

Man könnte leicht zu dem Schluss kommen, dass selbst der Versuch, die Märkte zu schlagen, sinnlos sei. Doch dann fallen einem Menschen wie Swensen ein. Kann seine beständige Leistung wirklich auf Glück zurückgeführt werden?

Robert Kiyosaki, der Autor der beliebten Buchserie Rich Dad, Poor Dad , in der es um Investitionen geht, ließ sich bei den Titeln seiner Bücher und seinen Themen vom Vergleich zwischen seinem eigenen hochgebildeten Vater mit dem Vater seines Freundes, der die Schule nach der achten Klasse verließ, inspirieren. Laut Kiyosaki neigte sein armer, jedoch gelehrter Vater dazu, die Fähigkeit, irgendetwas in der wirklichen Welt zu erreichen, pessimistisch einzuschätzen, sodass er seinen Sohn entmutigte, es überhaupt zu versuchen. Dagegen ging der Vater seines Freundes in dem Versuch auf, etwas Großes zu erreichen. Ist es nur Zufall, dass er reich war?

Vielleicht versucht Kiyosaki zu sehr, andere zu inspirieren, aber ich denke oft an ihn, wenn ich höre, wie Finanzprofessoren die Effizienz der Märkte vertreten und von der Aussichtslosigkeit sprechen, Geld mit dem Börsenhandel zu verdienen. Vielleicht fällt es vielen Akademikern schwer, die Initiative zu ergreifen, um etwas in der wirklichen Welt zu erreichen – bisher habe ich noch keinen anderen Professor getroffen, der erwähnt hätte, Kiyosaki gelesen zu haben.

Aber Swensen ist Akademiker und Doktor der Wirtschaftswissenschaften. Er ist von Akademikern umgeben. Irgendwie hat ihn das ganze Gerede über effiziente Märkte nicht davon abgehalten, es zu versuchen und erfolgreich zu sein.

Es scheint da ein Muster zu geben. Zwei ähnliche Universitäten, Harvard und Princeton, haben fast genauso viel Erfolg. Unter Jack Meyer erzielte die Harvard-Stiftung in den letzten zehn Jahren eine durchschnittliche Rendite von 15,2 % pro Jahr, im Vergleich zu Swensens Durchschnitt von 17,2 %, während die Princeton-Stiftung unter Andrew Golden durchschnittlich 15,6 % pro Jahr verdiente. Golden arbeitete von 1988 bis 1993 sogar in Yale unter Swensen.

Swensen hat zwei Bücher zum Thema Investieren geschrieben, eins für Profis und eins für die Allgemeinheit. Ich hatte nach dem Lesen nicht das Gefühl, dass ich wüsste, wie ich das bewerkstelligen sollte, was er getan hat. Aber einige Punkte stechen hervor.

Einer ist sein Langzeitfokus. Yale lässt Swensen langfristig investieren und belästigt ihn nicht mit seiner vierteljährlichen Leistung. Vielleicht ermöglicht ihm dies, sich mehr auf die langfristigen Grundlagen zu konzentrieren – und somit Investitionen zu tätigen, die unter Umständen kurzfristig nicht gut abschneiden. Doch in Wirklichkeit hat er sowohl kurzfristig als auch langfristig durchweg gute Leistungen erbracht.

Zum Teil beruht Swensens Erfolg auf „Absolute Return“, einem Begriff, der derzeit häufig in Anlegerkreisen zitiert wird und den er für ungewöhnliche Investitionsstrategien prägte, z. B. für Fusionsarbitragen und den Kauf gefallener Wertpapiere. Er hat ebenfalls in unkonventionelle Anlagenklassen investiert, unter anderen in Immobilien, Öl, Holz, private Aktienfonds und Risikokapital sowie Buyout-Firmen. Diese Anlagen werden im Allgemeinen nicht von vielen Analysten verfolgt und sind nicht einfach zu verstehen, wodurch er einen größeren Vorteil bei der Anwendung seiner intellektuellen Fähigkeiten und der Fähigkeiten anderer in seinem Umfeld hat.

In diesem Sinne unterscheidet sich Swensen vollkommen von Tageshändlern, die kurzfristig investieren und versuchen, den am stärksten überfüllten Markt zu schlagen – den Markt für börsennotierte Wertpapiere.

Aber ich denke auch, dass der phänomenale Erfolg von Swensen und seinesgleichen das Umfeld widerspiegelt, das Kiyosaki kritisiert. Das Problem ist nicht die Bildung, sondern eine defätistische Einstellung.

Wenn ein analytischer Geist, der dafür ausgebildet ist, rigoros nach der Wahrheit zu suchen, als Teil einer Gemeinschaft solcher Menschen von Selbstzweifeln befreit ist, kann er Erstaunliches vollbringen. Da ich David Swensen kenne, kann ich bestätigen, dass er kein einsamer Tageshändler ist, der versucht, den Markt zu schlagen. Er ist ein guter Zuhörer, unterstützt Menschen, denen er vertraut, und ist umgeben von vielen guten Leuten mit einer großen Bandbreite an Fähigkeiten. Und er ist mit Sicherheit kein Defätist.

Robert J. Shiller ist Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Yale University, Chefökonom und Mitgründer von MacroMarkets LLC (siehe macromarkets.com) und Autor der Bücher Irrationaler Überschwang und Die neue Finanzordnung.

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AUTHOR INFO

Robert Shiller, Professor of Economics at Yale University, is co-author, with George Akerlof, of Animal Spirits: How Human Psychology Drives the Economy and Why It Matters for Global Capitalism.