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Digitale TräumeDigital Dreams

Vor einigen Jahren wurde in Ghana eine einheimische Internetunternehmerin verhaftet, ihre Angestellten wurden eingesperrt und ihre Computerausrüstung beschlagnahmt. Ihr Verbrechen? Sie hatte Verbrauchern die Möglichkeit geboten, preiswerte Telefonate über das Internet zu führen.

Der Konflikt dieser Geschäftsfrau mit dem Gesetz ist typisch für den Hauptgrund abgesehen von geringen Einkommen warum die Überbrückung der so genannten "digitalen Kluft" zwischen reichen und armen Ländern so schwierig ist. Es liegt nicht an mangelnder Ausrüstung oder mangelndem Wissen vor Ort. Nein, diese Kluft ist zum großen Teil das direkte Ergebnis von innenpolitischen Entscheidungen, die die Nutzung von Internet und Technologie hemmen.

Man sollte die Vorteile des Internets zwar nicht übertreiben, es kann jedoch die Geschäftskosten

senken, den Zugriff auf Informationen erhöhen und Möglichkeiten eröffnen. Entwicklungsländer sind demzufolge vor eine schlichte Wahl gestellt: Entweder sie nutzen neue Technologien, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln und die Produktivität zu steigern, oder sie fallen noch weiter zurück, während Unternehmen und Verbraucher in reichen Ländern die digitalen Fortschritte mehr und mehr in Anspruch nehmen.

Die Bedrohungen und Möglichkeiten, die neue Technologien für Entwicklungsländer darstellen, werden weithin diskutiert. Weit weniger bekannt ist jedoch, wie die Regierungen in Entwicklungsländern die Kluft durch ihre eigenen Regulierungsvorschriften vertiefen.

Einige Regierungen haben Angst, ihren Bürgern einfachen Zugriff auf Informationen zu gewähren. Andere Regierungen wollen die Profite von Firmen schützen, die in ihrer Gunst stehen. In beiden Fällen kann so ein Umfeld entstehen, das Menschen und Unternehmen, die die neuen Technologien gern nutzen würden, feindlich gesonnen ist. Ohne technologiefreundliche Regelungen und Richtlinien im Sinne des Allgemeinwohls werden Spenden und technische Schulungen, so umfangreich sie auch sein mögen, nur wenig daran ändern.

Betrachten wir die Telekommunikationsbranche in Entwicklungsländern im Allgemeinen. Während der Achtzigerjahre haben massive Kredite, Fördermittel und "technische Unterstützung" für staatseigene, monopolistische Telekommunikationsanbieter so gut wie gar nicht dazu beigetragen, die Anzahl der Personen mit Telefon in armen Ländern zu erhöhen.

200 Millionen Dollar, die Ghana 1988 im Rahmen eines Entwicklungsprojektes von der Weltbank und anderen Gebern für die Entwicklung der Telekommunikation erhalten hat, hatten beispielsweise kaum erkennbaren Auswirkungen. Angaben der Internationalen Fernmeldebehörde zufolge, verfügten bei Beginn des Projektes weniger als 0,3% der Bevölkerung Ghanas über ein Telefon. Vier Jahre später hatte sich diese Zahl nicht geändert.

Im Jahr 1996 öffnete die Regierung dann den Markt für den Wettbewerb. Bis zum letzten Jahr hatte sich der Anteil der Bevölkerung Ghanas mit Telefon beinahe um das Sechsfache erhöht.

Das Gleiche lässt sich von armen Ländern auf aller Welt behaupten: Die Verbreitung von Telefonanschlüssen in Entwicklungsländern stagnierte hartnäckig, bis in den Neunzigerjahren hauptsächlich in Form von Mobiltelefonen Wettbewerb zugelassen wurde. Die Telefonnutzung in armen Ländern schnellte infolgedessen in die Höhe.

Regulierungsvorschriften standen der digitalen Entwicklung und Innovation oftmals feindlich gegenüber, sogar dort, wo die traditionelle Fernmeldetechnik liberalisiert wurde. Abgesehen von eigenwilligen Gesetzen, wie etwa jene, die Internet-Telefonie kriminalisieren, üben viele arme Länder strenge Kontrolle über die Anzahl der Internetdienstanbieter (ISPs) aus, die ihre Leistungen anbieten dürfen.

Eine neuere Umfrage, die von der Weltbank bei Aufsichtsbehörden der Telekommunikationsbranche durchgeführt wurde, hat ergeben, dass sich ISPs in 23 der 38 armen Länder, die sich beteiligt haben, die offizielle Genehmigung der Regulierungsbehörde benötigen, bevor sie den Betrieb aufnehmen dürfen. Andere Behörden regulieren die Preise, die ISPs ihren Kunden berechnen.

In Ländern, die den Marktzugang für ISPs auf diese Art und Weise regulieren, gibt es weniger Internetnutzer pro Kopf, unabhängig vom Volkseinkommen und der allgemeinen Entwicklung des Telekommunikationsnetzwerks. Ebenso zahlen Verbraucher in armen Ländern, in denen die Preise der ISPs reguliert werden, mehr für den Internetzugang als Verbraucher in Ländern, die dies nicht tun.

Regulierung an sich ist nicht das Problem. Die Schaffung einer Aufsichtsbehörde ist häufig sogar entscheidender Bestandteil erfolgreicher Telekommunikationsreformen, die ihren Anfang normalerweise durch eine Privatisierung des staatseigenen, monopolistischen Telekommunikationsunternehmens nehmen.

Die umfangreichsten Verbesserungen für Verbraucher entstehen jedoch nicht durch Privatisierung sondern durch Wettbewerb. Vernünftig geregelte Rahmenbedingungen und ihre wirksame Durchsetzung sind bei der Einführung von Wettbewerb häufig notwendig. Ebenso bieten sie Investoren und Verbrauchern angesichts einer neu privatisierten Firma Schutz, die sonst ihre Machtstellung auf dem Markt ausnützen könnte, um Konkurrenz auszuschalten und Wettbewerb zu verhindern.

Regierungen in Entwicklungsländern haben sich jedoch oftmals daran gewöhnt, alle Aspekte ihrer Wirtschaft zu kontrollieren und neigen weniger dazu, Regulierungsbehörden den Wettbewerb fördern zu lassen. Auch wenn Aufsichtsbehörden äußerst wichtig für die Förderung des Wettbewerbs auf dem Telekommunikationsmarkt sind, erhalten diese häufig die Kontrolle über Bereiche, in denen es keinen besonderen Anlass für staatliche Aufsicht gibt.

Es ist irrelevant, ob Internet-Regelungen, die nicht der Förderung des Wettbewerbs und dem Verbraucherschutz dienen, von Regierungen erlassen werden, die Angst vor einem freien Informationsfluss haben, oder, wie im Falle der inhaftierten Unternehmerin, um etablierte Firmen zu schützen. Das Ergebnis ist gleich: Schlechterer Zugriff auf neue Technologien, höhere Preise für Verbraucher und eine abschreckende Wirkung auf Innovation und Unternehmertum vor Ort.

Festzustellen bleibt, dass Kontrollregelungen in Entwicklungsländern, insbesondere in afrikanischen Ländern, häufig zum großen Teil für die geringe Internetdurchdringung und langsame Übernahme von Technologien verantwortlich sind. Wenn Entwicklungsländer an der digitalen Weltwirtschaft bedeutend teilhaben wollen, sind Institutionen mindestens genauso wichtig wie die technische Ausrüstung. Rahmenbedingungen von Aufsichtsbehörden, die dem Marktzutritt von ISPs und anderen Firmen, die für die technologische Infrastruktur von Bedeutung sind, aufgeschlossen gegenüber sind, werden eine Menge mehr dazu beitragen, dass Entwicklungsländer Anschluss an das 21. Jahrhundert finden, als es Spenden jemals könnten.

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