Die bisherigen, außer von der britischen Regierung getroffenen Billionen-Dollar-Zusagen waren in erster Linie auf Wiederherstellung des Marktvertrauens ausgerichtet und nicht auf die Beseitigung der Grundübel bei den Banken. Es wäre daher eine gute Idee, einen Blick nach Asien zu werfen. Das könnte den Regierungen helfen, ihre Aufgaben zu erledigen und sowohl strategisch als auch finanziell den richtigen Weg einzuschlagen.
Um die Krise zu beenden, muss nicht nur das Liquiditätsproblem gelöst werden, sondern es bedarf auch einer Sanierung der Bilanzen und eines Wiederaufbaus der Kapitalbasis der Banken. Obwohl die Situation einen systematischen Ansatz erfordern würde, sind die angebotenen Lösungsvorschläge uneinheitlich oder unzulänglich. Garantien für Interbankkredite werden die Zahl der faulen Kredite nicht reduzieren; der Kauf fauler Kredite wird die Kreditvergabefähigkeit der Banken nicht verbessern und der Erwerb von Minderheitenanteilen bei Banken mit klingenden Namen lässt kleine Banken außer Acht, die aber ebenso von Schulden aus dem Subprime-Bereich betroffen und daher nicht mehr in der Lage sein könnten, lokale Unternehmen und Verbraucher zu bedienen, die die Wirtschaft in Gang halten.
Einer der erstaunlichsten Faktoren bei den Bemühungen zur Bewältigung der Krise ist aber die mangelnde Entschlossenheit, die Bilanzen der Banken sorgfältig zu studieren. Um zielgerichtete Lösungen zu erarbeiten und umzusetzen, müssen die Regulatoren wissen, wie viele Banken in Schwierigkeiten sind und sie müssen abschätzen können, wie schlimm die Situation wirklich ist. Eine Leitlinie für die Rettungsmaßnahmen in den USA und Europa könnten jene Maßnahmen sein, die asiatische Regierungen während der Asien-Krise vor zehn Jahren ergriffen, um die Finanzsektoren der Länder zu retten.
Die asiatischen Regierungen borgten sich viel Geld vom Internationalen Währungsfonds, um ihre zerfallenden Finanzsysteme zu sanieren. Sie machten sich zunächst ein Bild über den Zustand der wichtigsten Finanzinstitutionen und gründeten dann Vermögensverwaltungsfirmen, die faule Kredite zu einem Bruchteil der Nennwerte erwarben. Überdies wurden Restrukturierungsagenturen gegründet, um insolvente Banken zu schließen, kränkelnde Banken zu verstaatlichen und lebensfähige Institutionen zu rekapitalisieren.
Diejenigen, die den Ausleseprozess überlebten, wurden zur Konsolidierung gezwungen und anschließend rekapitalisiert. Schwächere Banken wurden zusammengelegt, um unter staatlicher Aufsicht neue Institutionen zu bilden oder sie wurden mit stärkeren Konkurrenten fusioniert. In manchen Fällen wurden den Banken Fristen gesetzt, innerhalb derer sie eine adäquate Kapitalausstattung vorweisen mussten. Schließlich verkauften die staatlichen Agenturen ihre Anteile an den verstaatlichten Banken an ausländische Investoren und versteigerten die faulen Kredite, die sie neu strukturiert hatten.
Nun ersetze man den Terminus IWF-Kredit durch amerikanisches oder europäisches Rettungspaket, den Ausdruck faule Kredite durch Subprime-Schulden und schon haben wir praktisch vergleichbare Situationen und übertragbare Maßnahmen, mit denen man die Finanzsektoren der USA und Europas sanieren könnte.
Natürlich ist klar, dass die USA und andere G7-Länder gegenüber einer auch nur zeitweiligen Verstaatlichung misstrauisch sind. Aber um sich selbst zu sanieren, braucht das System die bitteren Pillen der Insolvenzen, Konsolidierungen und Rekapitalisierung. Mit dem Erwerb von Minderheitenanteilen bei einer Handvoll von Banken agiert der amerikanische Finanzminister Henry Paulson eher wie ein Investmentbanker, den es um schnelle Resultate geht und nicht wie ein Regulator, der auf die Beseitigung der zugrunde liegenden Probleme abzielt. Der britische Premierminister Gordon Brown verdient das Lob, das ihm momentan gezollt wird. Seine Aktionen im Hinblick auf HBOS und RBS zeigen, dass seine Regierung bereit ist, nicht nur Anteile, sondern auch Kontrolle zu übernehmen.
Eine Möglichkeit, die westliche Regulatoren nun zur Stärkung ihrer Banken verfolgen können, ist, sich an die Staatsfonds und andere große Finanzinstitutionen Asiens zu wenden. Manche asiatische Länder haben aus ihren wirtschaftlichen Miseren gelernt und das hat ihnen geholfen, ihre Staatsfonds mit jenen Mitteln auszustatten, über die sie heute verfügen. China, das in der ersten Hälfte dieses Jahrzehnts mit seinem eigenen faulen Krediten kämpfte, verfügt heute über beinahe 2 Billionen Dollar an Devisenreserven. Diese Summe ist drei Mal höher als das für das US-Rettungspaket vorgesehene Budget.
Es gibt keinen Grund, warum die USA und Europa keinen Nutzen aus dem Reichtum der asiatischen Institutionen ziehen sollten. Damit würde man die Kosten der Rettung für die Steuerzahler reduzieren und indem größere Banken in den Händen verantwortungsbewusster Akteure verbleiben, könnten sich die Regierungen auf die Verstaatlichung und Sanierung kleinerer Banken und Sparkassen konzentrieren, die eine große Zahl von Verbrauchern bedienen.
Im Gegenzug hätten die asiatischen Institutionen die Chance, jene reichen Erträge zu erzielen, um die sich verzweifelt bemühen, die sie aber in ihren Heimatländern nicht lukrieren können. Sinn und Zweck der Staatsfonds ist die Diversifizierung staatlicher Investitionen in risikoreichere und ertragreichere Vermögenswerte. China, Korea, Singapur und Japan haben alternde Bevölkerungen und benötigen dringend Geld zur Finanzierung ihrer massiven Rentenverpflichtungen. Obendrein sind viele ihrer Banken überkapitalisiert und wissen nicht, wohin mit dem Geld: Nach der Asien-Krise und der japanischen Spekulationsblase in den 1990er Jahren wurden die Unternehmen zu konservativen Kreditnehmern, während die regionalen Expansionsmöglichkeiten der Banken aufgrund von Beschränkungen im Bereich ausländischer Eigentümerschaft von lokalen Banken begrenzt bleiben.
Leider haben manche Staatsfonds, die Anfang des Jahres in Finanzinstitutionen investierten, einen Wertverlust ihrer Portefeuilles hinnehmen müssen. Es wäre aber töricht, wenn dies als Grund dafür herhalten müsste, dass man die sich nun ergebenden Chancen ungenützt lässt.
Für die USA und Europa ist es daher von Vorteil, sich der asiatischen Institutionen zu bedienen, damit sich diese an der Sanierung der amerikanischen und europäischen Finanzsysteme beteiligen. Ein Schlüsselfaktor des Erfolgs der asiatischen Restrukturierungsbemühungen ist trotz massiver sozialer, politischer und wirtschaftlicher Hürden der festgelegte und systematische Weg, den jeder Markt im Umgang mit seinen Banken eingeschlagen hat, um den Sektor neu zu organisieren. Dieser Ansatz wird bis jetzt im Westen vermisst. Da die Krise die Weltwirtschaft bedroht, können sich die Regulatoren den Luxus des Sich-Zeit-lassens nicht leisten.


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