Saturday, August 23, 2014
1

Asiens neue dreiseitige Entente

NEU DELHI – Durch den Beginn trilateraler strategischer Absprachen zwischen den Vereinigten Staaten, Indien und Japan, und die Entscheidung der drei Länder, in diesem Jahr gemeinsame Marineübungen abzuhalten, werden die Bemühungen verdeutlicht, zwischen den drei führenden Demokratien im asiatisch-pazifischen Raum eine Entente zu bilden. Auch die neuen strategischen Vorgaben der Obama-Regierung für das Pentagon bekräftigen diese Absichten – in der Region mit der weltweit dynamischsten Wirtschaftsentwicklung, über der das Gespenst des Machtungleichgewichts schwebt. Im Rahmen dieser neuen Strategie wird eine “Neuausrichtung auf den asiatisch-pazifischen Raum” und die Unterstützung Indiens als “regionaler wirtschaftlicher Anker und Garant für Sicherheit in der erweiterten Region des Indischen Ozeans” angestrebt.

Zu einer Zeit, in der sich Asien im Übergang befindet und die Sicherheit des Kontinents gefährdet ist, versuchen die USA, Indien und Japan, eine umfassendere strategische Übereinkunft zur Förderung ihrer gemeinsamen Interessen zu finden. Ihre Bemühungen erinnern an die “dreifache Entente” zwischen Frankreich, Großbritannien und Russland, die vor dem ersten Weltkrieg die Bedrohung durch den raschen Aufstieg eines zunehmend mächtigeren Deutschlands abwehren sollte.

Dieses Mal war der Anlass die immer selbstbewusstere Außenpolitik Chinas. Aber im Gegensatz zur Entente gegen Deutschland von einem Jahrhundert besteht das Ziel heute nicht darin, China in seine Schranken zu weisen und zu isolieren. Statt dessen beabsichtigt die Politik der USA, die chinesische Führung durch wirtschaftliche Verbindungen und vollständige Integration in internationale Institutionen davon abzuhalten, aggressiv nach Hegemonie in Asien zu streben.

Tatsächlich beabsichtigen die drei Demokratien, eine entente cordiale zu bilden, ohne sie in eine formale militärische Allianz zu verwandeln, die als kontraproduktiv erkannt wird. Trotzdem soll diese Entente als wichtiges strategisches Instrument dienen, das immer mächtigere China davon abzuhalten, überheblich zu werden. Außerdem möchten die drei Partner zu einer stabilen, liberalen und auf Regeln beruhenden regionalen Ordnung beitragen.

Nach ihrer ersten Runde strategischen Dialogs in Washington planen die USA, Japan und Indien weitere strukturierte Gespräche in Tokio, um ihre trilaterale Koordination zu stärken. Mit der Zeit könnte die bisher dreiseitige Initiative auch noch Australien einschließen. Der Bildung einer vierseitigen Partnerschaft würde aber wohl eine parallele Achse zwischen Australien, Indien und den USA vorausgehen, insbesondere angesichts der früheren gescheiterten Versuche zur Herstellung einer solchen Koalition zwischen vier Parteien.

Um einer bedeutsame trilaterale Zusammenarbeit zu erreichen, müssten die USA, Japan und Indien wichtige Änderungen in ihren strategischen Vorlieben und Maßnahmen vornehmen. Japan hat bisher nur mit den USA militärische Zusammenarbeit vertraglich vereinbart. Auf Grundlage seiner Erklärung zur Sicherheitszusammenarbeit mit Indien aus dem Jahr 2008 muss Japan auch mit den indischen Marinestreitkräften kooperieren, um zu erreichen, dass, wie sich der ehemalige japanische Premierminister Shinzo Abe ausdrückte, “Japans Marine und die indische Marine nahtlos ineinander greifen.”

In den letzten Jahren haben amerikanische und indische Streitkräfte dutzende gemeinsame Manöver abgehalten, aber einige US-Analytiker kritisieren, dass Indien machtpolitisch immer noch seine strategische Autonomie schützt und damit “Blockfreiheit” anstrebt. In Wirklichkeit ist Indien lediglich vorsichtig, da das Land entlang seiner langen, umstrittenen Grenze im Himalaya gegenüber direktem Druck Chinas sehr anfällig ist. Während Japan von China durch einen Ozean getrennt ist und die USA geografisch weit entfernt liegen, hat China in den letzten Jahren durch Grenzverletzungen und andere Übergriffen seinen Druck auf Indien verstärkt, obwohl die USA sich bei sino-indischen Streitigkeiten neutral verhalten haben.

Aber angesichts der argen amerikanischen Haushaltsprobleme hat die Obama-Regierung kürzlich Pläne für eine Verschlankung des Militärs und größeres Vertrauen auf regionale Verbündete und Partner angekündigt. Dazu muss die USA ihr “hub-and-spoke”-System aus dem Kalten Krieg überwinden, innerhalb dessen das Verhältnis zwischen Schutzherr und Beschütztem kaum dazu geeignet ist, die Bildung neuer Allianzen zu ermöglichen. Indien beispielsweise kann gegenüber den USA keine japanische Rolle einnehmen. Vielmehr bemühen sich die USA, Indien in eine “weiche Allianz” ohne vertragliche Verpflichtungen einzubinden.

In der Tat wäre das “hub-and-spoke”-System besser dazu geeignet, den Status Japans als US-Protektorat beizubehalten, als es dem Land zu ermöglichen, effektiv dazu beizutragen, das zentrale politische Ziel der USA in Asien zu erreichen: ein stabiles Kräfteverhältnis. Eine subtile Änderung der US-Politik, die es Tokio ermöglicht, seine übermäßige Abhängigkeit von Amerika zu reduzieren und mehr für seine eigene Verteidigung zu sorgen, kann zu diesem Gleichgewicht viel effektiver beitragen.

Solch eine Änderung könnte sich bereits aus der US-Vorgabe zur weiteren Reduzierung der Verteidigungsausgaben ergeben, die sich aus der Notwendigkeit einer umfassenden innenpolitischen Erneuerung ergibt, um den relativen Machtverlust des Landes zu stoppen. Sollten sich die USA weniger auf vorbeugende Einsätze und statt dessen mehr auf ihre Rolle als außenpolitischer Stabilisator verlassen müssen, wären grundlegende Änderungen in ihrem seit 1945 bestehenden Sicherheitssystem nötig.

Die drei Entente-Partner müssen sich außerdem über die Grenzen ihrer Partnerschaft im Klaren sein. Ihre grundlegende Übereinstimmung bei strategischen Zielen für den asiatisch-pazifischen Raum bedeutet nicht, dass sie in allen Punkten Hand in Hand gehen. Beispiele dafür sind ihre unterschiedlichen Herangehensweisen an Burma oder ihre aktuellen Meinungsverschiedenheiten über die neuen Energiesanktionen der USA gegen den Iran.

Ohne ein Vertragsverhältnis zwischen den USA und Indien und angesichts unterschiedlicher Waffen- und Ausbildungssysteme beider Länder wird der Aufbau einer echten militärischen Zusammenarbeit innerhalb der Entente nicht leicht sein. Angesichts fehlender Bestrebungen, die dreiseitige Allianz zu stark zu formalisieren, könnten sich die Grenzen dieser Zusammenarbeit aber gut in die politischen Ziele dieser entente cordiale einfügen. Tatsächlich könnte der politische Wert der Entente den militärischen Nutzen übersteigen.

Aber selbst dann kann eine vertiefte Zusammenarbeit zwischen den USA, Indien und Japan dazu beitragen, die Sicherheit auf den Meeren der indo-pazifischen Region – des weltweit führenden Handels- und Energieseewegs – zu stärken und ein gesundes und stabiles asiatisches Machtgleichgewicht zu formen.

Hide Comments Hide Comments Read Comments (1)

Please login or register to post a comment

  1. CommentedPaulo Sérgio

    Although the EU is not a direct participant in the Pacific, it should be involved in these discussions, it should have a sufficient delegation/envoy to mediate and provide input. Balanced power and Asian prosperity is in the EU's interests as much as it is in the other three democracies.

Featured