NEW YORK – Während man sich in den Industrieländern vor der überwiegend illegalen Einwanderung unqualifizierter Arbeitskräfte aus Entwicklungsländern fürchtet, treten in Afrika andere Bedenken vor allem im Hinblick auf die legale Abwanderung qualifizierter und - noch wichtiger, hochqualifizierter - Arbeitskräfte in die Industrieländer zu Tage. Bei dieser Abwanderung handelt es sich angeblich um einen neuen schädlichen „Braindrain“, wobei die reichen Länder die benötigten qualifizierten Kräfte aus den armen Ländern aktiv abwerben.
Diese Angst ist fehl am Platz. Zunächst müssen wir einmal zwischen „Bedarf“ und „Nachfrage“ unterscheiden. Ja, in vielen afrikanischen Ländern werden qualifizierte Arbeitskräfte benötigt. Aber aufgrund verschiedener Faktoren im Zusammenhang mit wirtschaftlicher Rückständigkeit sind diese Länder nicht in der Lage, diese Menschen aufzunehmen.
In Indien herrschten in den 1950er und 1960er Jahren – also zu einer Zeit, da viele Akademiker emigrierten – erbärmliche Arbeitsbedingungen. Bürokraten entschieden, ob man zu Konferenzen ins Ausland fahren durfte. Institutsvorstände waren mit übermäßiger Macht ausgestattet. Kein Wunder also, dass viele von uns das Land verließen. Wir Hindus mögen ja an unendlich viele Wiedergeburten glauben, aber wie alle anderen auch, streben wir trotzdem in diesem Leben nach maximalem Wohlergehen.
Aber selbst wenn es möglich wäre, die Menschen zurückzuhalten, würde es den betreffenden Ländern wenig bringen. „Brain“ im Sinne von Talent ist kein statisches Konzept. In Kinshasa unter entsetzlichen Bedingungen festsitzend, wird ein Talent schneller verkümmern, als eine Reise nach New York dauert.
Die Menschen zum Bleiben zu bewegen, ist außerdem leichter gesagt als getan. Mit Ausnahme von Indien und Südkorea, wo man ausgezeichnete Bildungsinstitutionen entwickelte, erhält die Mehrheit der begabtesten Bürger anderer armer Länder ihre Ausbildung im Ausland. In diesem Fall besteht die Herausforderung darin, diese Menschen von einer endgültigen Niederlassung im Ausland abzuhalten.
In jedem Fall aber würden Auswanderungsbeschränkungen eine Verletzung von Menschenrechten darstellen, wie sie in aktuellen internationalen Verträgen dargelegt sind. Aber andererseits stellt sich die Frage, ob Einwanderungsbeschränkungen funktionieren, wie sie von diversen, über den Braindrain besorgten Organisationen in den Industrieländern vorgeschlagen werden.
In dieser Hinsicht bestehen ernsthafte menschenrechtliche Bedenken. Können wir einer Ärztin aus Ghana wirklich sagen, dass sie heimkehren muss, während ein eingewanderter russischer Arzt bleiben und ein neues Leben beginnen darf? Sehr wahrscheinlich steht dies in Ländern wie den Vereinigten Staaten im Widerspruch zu Antidiskriminierungsrichtlinien und Verfassungsbestimmungen.
Die angemessene Reaktion auf die Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte aus armen Ländern, vor allem in Afrika, geht in eine andere Richtung. Angesichts der Tatsache, dass diese Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte nicht beschränkt werden kann – und auch nicht soll – müssen wir institutionelle Mechanismen konzipieren, um damit umzugehen. Dies bedeutet die Annahme eines „Diaspora“-Modells, das auf vier Politikvorschlägen beruht.
Erstens soll man aufhören, darüber zu lamentieren, dass die Menschen aus der Diaspora nicht zurückkehren. Vielmehr ist an die Loyalität der im Ausland lebenden Akademiker zu appellieren, so dass diese ihr Heimatland auf vielfache Weise unterstützen. Man könnte ihnen das Wahlrecht anbieten. Beschränkungen hinsichtlich Investitionen und Grundkäufe können fallen gelassen werden. Und Einwanderungsexperten wie ich schlagen seit den 1970er Jahren die Entwicklung von Programmen vor, die es der akademischen Diaspora ermöglichen, Workshops zu veranstalten, die auf die Ausbildung von Lehrern nach den besten internationalen Standards abzielen.
Zweitens: Obwohl die Diaspora durch mehr Rechte zu integrieren ist, sollten die Betroffenen auch Verpflichtungen akzeptieren, aufgrund derer sie mit den Daheimgebliebenen gleichgestellt wären. In den 1970er Jahren schlug ich vor, dass man die im Ausland lebenden Bürger besteuern soll. Diese als „Bhagwati-Steuer“ bekannte Abgabe folgt natürlich dem „American Way“: Im Ausland lebende US-Staatsbürger und Personen mit Daueraufenthaltserlaubnis müssen ebenso wie im Land lebende Personen Bundessteuern zahlen.
Weil, drittens, für fast alle Aktivitäten in ganz Afrika Qualifikationen nötig sind, müssen wir hier und jetzt Maßnahmen konzipieren, um den Ländern derartige Qualifikation zukommen zu lassen. Weil viele Menschen in reichen Ländern bei guter Gesundheit in Rente gehen und weil der Altruismus mit dem Alter zunimmt, argumentiere ich seit langem für ein Graues Friedenscorps bestehend aus älteren Bürgern, die ihre Fähigkeiten Ländern zur Verfügung stellen sollten, deren akademisch ausgebildete Kräfte es vorziehen, ins Ausland zu gehen.
Schließlich sollte die Auslandshilfe dazu verwendet werden, Afrikanern in Ländern wie den USA, Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden eine massiv verbesserte Ausbildung in allen entscheidenden Bereichen angedeihen zu lassen. Diese Menschen wären in der Diaspora, während das Graue Friedenscorps die aktuellen Erfordernisse im jeweiligen Land abdecken würde. Wenn die Entwicklung dann in Schwung gekommen ist und sich die Bedingungen für Rückkehrwillige ausreichend verbessert haben, wird die mittlerweile enorm angewachsene Diaspora tatsächlich zurückkehren, so wie dies in Indien, Südkorea und China geschah.
Insgesamt würde Afrika von diesen Strategien sowohl unmittelbar als auch langfristig profitieren. Banges Händeringen wegen des „Braindrains“ und törichte Bestrebungen zur Mobilitätsbeschränkung der Menschen werden nicht helfen.


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Roman Bleifer
The processes of labor migration is a consequence of globalization. As the global financial crisis and the formation of elements of the new production system and the international division of labor ( http://crisismir.com/analiticheskie-materialy/ekonomika/13-mirovoj-ekonomicheskij-krizis-prichiny-i-posledstviya-quo-vadis.html ), and migration processes will only increase. Is that a fair process for those mipratsii or other countries, it is a matter of morality rather than economics.
Your proposals seem to omit a potentially significant institutional mechanism to mitigate the outflow of highly skilled workers. As you note, working conditions in developing countries can be “deplorable” (or, at least, frustrating for skilled workers). This is true for the reasons you cite, but also because many developing countries lack the institutional capacity to effectively leverage their skilled workers, significantly impeding skilled workers’ ability to have a positive impact in their home countries. For a skilled individual, the choice between working in a dysfunctional domestic institution and working on the same issues at a relatively effective international institution is likely often simple. Thus, for a country to retain its skilled workers, it must start by reforming its institutions – by combating corruption, improving institutions’ ability to implement reforms, increasing transparency – so that workers’ skills can have an impact closer to their full potential.
You suggest meeting the current demand for highly skilled workers through a “Grey Peace Corps” of skilled senior citizens from developed countries. While these individuals would certainly be able to meet some of a country’s skills demand, they lack the deep cultural understanding and inherent motivation of native workers. The Grey Peace Corps could be a useful near-term stop-gap measure in situations of dire need, but otherwise, countries would be better served by devoting resources to improving institutional capacity and otherwise enticing skilled workers to remain at home.