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Wie Asien mit Amerikas Zombie-Konsumenten zurechtkommt

NEW HAVEN – Asien braucht Konsumenten nach neuem Modell. Die aus der Krise hervorgegangene Generation wirtschaftlich ausgezehrter „Zombie-Konsumenten“ in den Vereinigten Staaten wird das Wachstum des weltweiten Konsums wahrscheinlich noch über Jahre beeinträchtigen. Und das bedeutet, dass die exportorientierte Wirtschaft der sich entwickelnden asiatischen Länder nunmehr keine andere Wahl hat, als den Blick nach innen zu richten und auf ihre eigenen 3,5 Milliarden Konsumenten zu setzen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Asien mit „lebenden wirtschaftlichen Toten“ zurechtkommen musste. In den 1990er-Jahren standen Japans Zombie-Unternehmen im Mittelpunkt seines ersten „verlorenen Jahrzehnts“. Sklerotischen Unternehmen wurden von ihren Zaibatsu – Bankpartnern ähnelnden Firmenkonglomeraten – lebenserhaltende Kreditrahmen gewährt, die ihren unweigerlichen Kollaps hinauszögerten und Ineffizienzen und Fehlanreize fortbestehen ließen, die nach dem Platzen der Blase zum Zusammenbruch des japanischen Produktivitätswachstums führten.

Als Reaktion auf die Krise der Jahre 2008-2009 sind im Westen ähnliche Rettungsaktionen erfolgt, aus denen  Zombies hervorgegangen sind. Von der Wall Street über AIG bis nach Detroit beeilten sich die USA Unternehmensriesen zu retten, die sonst bankrott gegangen wären. Großbritannien und Europa haben ähnlich reagiert und RBS, HBOS-Lloyds, Fortis, Hypo Real Estate und anderen Rettungsleinen zugeworfen. Im Westen wurde „Too big to Fail“ als Entschuldigung angeführt – „zu groß, um zu scheitern“. Wo ist da der Unterschied zur japanischen Denkweise von vor fast 20 Jahren?

Der Zombie, dem am meisten Bedeutung zukommt, könnte durchaus ein breiter Querschnitt amerikanischer Verbraucher sein, der immer noch unter den verheerenden Auswirkungen der Großen Rezession leiden. Betroffen von einer Arbeitslosenquote auf historisch hohem Stand, massiver Unterbeschäftigung und relativ stagnierenden Reallöhnen und zugleich Belastungen durch Hypotheken ausgesetzt, die den Wert ihrer Immobilien übersteigen, überschuldet und mit suboptimalen Ersparnissen ausgestattet, sind die US-Verbraucher so ausgezehrt wie nie zuvor.

Dennoch hat die US-Regierung praktisch alles versucht, um die Verbraucher davon abzuhalten sich anzupassen. Weit über die notwendige Ausweitung der Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung hinaus, ist das Sicherheitsnetz um Programme erweitert worden, die Eigenheimbesitzer vor Zwangsvollstreckungen bewahren, um andere Formen von Schuldenerlassen und außerordentliche geld- und fiskalpolitische Anreize.

Mitgefühl ist Bestandteil des moralischen Gefüges jeder Gesellschaft. Es ist ein schmaler Grat, der Mitgefühl von der „kreativen Zerstörung“ trennt, die unerlässlich ist, um ein System nach einer Krise von seinen Auswüchsen zu befreien. Japan hat diesen Grat in den 1990er-Jahren überschritten, als die dortigen Zombie-Unternehmen die schmerzhaften, aber notwendigen Anpassungen in der japanischen Wirtschaft nach dem Platzen der Blase verhinderten. Das könnte in den USA geschehen, wenn die Regierung weiter einer Politik den Vorzug gibt, die den Schuldenabbau und die Reparatur der Bilanzen verhindert, die Amerikas Zombie-Konsumenten jetzt nötig haben, um nach der Krise gesunden zu können.

Trotz der lebenserhaltenden Maßnahmen der Regierung, scheinen US-Verbraucher Jahren der Einschränkung entgegenzusteuern. Der Anteil der Konsumausgaben am US-amerikanischen BIP ist aktuell auf kräftige 70% gestiegen. Das ist zwar weniger als auf dem Höhepunkt von 71,3% Anfang 2009, bleibt jedoch volle vier Prozentpunkte über dem historischen Durchschnittsniveau von 66%, das in den letzten fünfundzwanzig Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts vorherrschte.

Eine Rückkehr zu diesem Anteil in früherer Höhe ist wahrscheinlich, während sich amerikanische Verbraucher in der Übergangsphase vom Wahnsinn des Aufschwungs zur nach der Krise notwendigen Vernunft befinden. Das bedeutet über Jahre verhaltenes Wachstum der US-Konsumausgaben – mit vorhersehbar massiven Auswirkungen für den Konsum weltweit. Der Anteil der USA an der Weltbevölkerung beträgt zwar nur 4,5%, seine Verbraucher geben jedoch 10,3 Billionen Dollar jährlich aus – die mit Abstand höchste Summe der Welt.

Wer wird Amerikas Platz einnehmen, wenn US-Verbraucher erwartungsgemäß verhalten konsumieren? Europa? Japan? Ich würde auf keines der beiden Länder wetten.

An dieser Stelle kommt Asien ins Spiel. Als exportorientierte Region ist Asien weiterhin stark von der Nachfrage der Endverbraucher auf den Märkten der entwickelten Welt abhängig. Der Exportanteil der 12 größten Volkswirtschaften des sich entwickelnden Asiens ist von 35% der Produktion der gesamten Region Ende der 1990er-Jahre auf 45% Anfang des Jahres 2007 gestiegen. Deshalb ist es kein Wunder, dass alle Volkswirtschaften in der Region entweder in die Rezession gestürzt sind oder deutliche Konjunkturabschwächungen erlebt haben, als der Welthandel Ende 2008 einbrach. Eine Abkopplung war keine Alternative.

Auch sollte sich Asien nicht durch den aktuellen Rummel um die Hoffnungen und Träume der so genannten „two-speed world“ in falscher Sicherheit wiegen, gemäß der die Regionen „entwickelte Volkswirtschaften“ und „Schwellenländer“ mit unterschiedlicher Geschwindigkeit aus der Wirtschaftskrise finden werden. In seiner starken Abhängigkeit von westlichen Märkten, muss Asien versuchen sich von einer neuen Quelle der Nachfrage unterstützen zu lassen.

Es sollte zuerst einen Blick in den Spiegel werfen. Im gesamten sich entwickelnden Asien bewegen sich die internen privaten Konsumausgaben gegenwärtig auf einem Rekordtief von nur 45% des BIP – zehn Prozentpunkte weniger als der Anteil in Höhe von 55%, der noch bis 2002 zu verzeichnen war.

Es ist nicht so, dass die Verbrauchernachfrage in Asien erloschen wäre. Doch in der Peripherie ist das Wirtschaftswachstum stark auf Exporte und Anlageinvestitionen als wichtigstes Mittel ausgerichtet, um überschüssige Arbeitskräften aufzunehmen und Wohlstand zu mehren. In einer Welt nach der Krise – die durch Amerikas Zombie-Konsumenten beeinträchtigt wird – ist eine auf Konsumförderung ausgerichtete Neugewichtung für das exportorientierte Asien dringend notwendig.

Das wird nirgends deutlicher als in China. Die privaten Konsumausgaben sind im Jahr 2008 auf ein Rekordtief von 35% des BIP gesunken (volle zehn Prozentpunkte weniger als im asiatischen Durchschnitt) und somit sind Neugewichtungen in China unabdingbare Voraussetzung – umso dringender, wenn der Verbrauchszuwachs nach der Krise im Westen schwach bleibt.

Die gute Nachricht ist, dass China offenbar zu einem ähnlichen Ergebnis gelangt ist. Sein 12. Fünfjahresplan konzentriert sich auf drei zentrale Initiativen zur Ankurbelung des heimischen Konsums: Arbeitsplätze (insbesondere im arbeitsintensiven Dienstleistungssektor); Löhne (insbesondere im Hinblick auf eine sich rapide verstädternde Bevölkerung) und eine Verringerung des angstmotivierten Vorsorgesparens (die sich aus einer Erweiterung des sozialen Sicherheitsnetzes ergeben soll). Wenn China an jeder dieser drei Fronten erfolgreich ist – und ich nehme an, das wird es – könnte der Anteil des privaten Konsums am chinesischen BIP um bis zu fünf Prozentpunkte in der Zeit von heute bis zum Jahr 2015 steigen.

Das wären gute Neuigkeiten für die anderen ostasiatischen Volkswirtschaften – namentlich Japan, Korea und Taiwan. Mit relativ geringen Bevölkerungszahlen – im Fall Japans sogar sinkend – haben diese Länder keine andere Wahl als auf Exporte und Außennachfrage zu setzen, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. In allen drei Fällen hat China die USA als ihren wichtigsten Exportmarkt ersetzt.

Dieser Wandel ist gerade noch rechtzeitig erfolgt. Wenn es China gelingt, den einheimischen Konsum erfolgreich anzukurbeln, wird der Rest Asiens gut aufgestellt sein, um den negativen Auswirkungen der neuen Generation amerikanischer Zombie-Konsumenten zu entgehen. Wie die USA damit zurechtkommen, ist eine ganz andere Frage.

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