Anatomy of the Global Economy
Amerikas Beschäftigungsdilemma
J. Bradford DeLong
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BERKELEY – Es gibt immer zwei Wege Beschäftigung kurzfristig zu fördern. Der erste besteht darin, die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen anzukurbeln und sich dann zurückzulehnen und zu beobachten wie Unternehmen Personal einstellen, um die Waren und Dienstleistungen zu produzieren, die diesen Bedarf erfüllen. Der zweite Weg besteht darin, sich keine Gedanken über die Produktion von Waren und Dienstleistungen zu machen, sondern zu versuchen die Beschäftigung durch direkte Einstellungen durch die Regierung direkt zu fördern.
Der erste Weg ist besser: Das Ergebnis sind nicht nur mehr Arbeitsplätze, sondern es werden auch mehr nützliche Dinge produziert. Das Problem besteht darin, dass diese Methode nicht besonders schnell greift. Sie ist „long and variable lags“ unterworfen, wie Milton Friedman es nannte: langen Zeitverzögerungen, die starken Schwankungen unterliegen. Somit hätten Vorgehensweisen, die darauf abzielen die Beschäftigung bis zum, sagen wir, Ende dieses Kalenderjahres anzukurbeln, vor etwa einem Jahr begonnen werden müssen, um Zeit zu haben ihre volle Wirkung zu entfalten.
Einige Länder – so etwa China – haben tatsächlich vor einem Jahr derartige politische Maßnahmen zur Schaffung von Arbeitsplätzen durchgeführt und die Vorteile machen sich bereits bemerkbar. Andere, wie die Vereinigten Staaten, haben es nicht getan, und so beläuft sich die Arbeitslosenquote weiter auf etwa 10%.
Das heißt nicht, dass die Regierung Obama nicht versucht hat die Beschäftigung zu fördern. Vor einem Jahr hat sie fünf politische Initiativen in Gang gesetzt:
· Zusätzliche Defizitfinanzierung, also höhere öffentliche Ausgaben, die über höhere Schulden finanziert werden;
· Rekapitalisierung von Banken, die besonders gefährdet schienen;
· Der Ankauf von Vermögenswerten durch das US-Finanzministerium und andere US-Bundesunternehmen, um die Anzahl riskanter Anlagen zu verringern, die vom angeschlagenen und risikointoleranten privaten Sektor gehalten wurden;
· Fortgesetzt lockere Geldpolitik durch sehr niedrige Leitzinsen der US-Notenbank;
· Ausweitung außerordentlicher Interventionsmaßnahmen durch die US-Notenbank.
Der im vergangenen Jahr vom US-Finanzministerium durchgeführte Stresstest deutete darauf hin, dass der Bankensektor ausreichend Kapital zurückerlangt hatte. Und die Fed hat ihre Niedrigzinspolitik fortgesetzt. Doch der funktionsgestörte US-Senat hat die zusätzliche Defizitfinanzierung auf 600 Milliarden Dollar über drei Jahre begrenzt – lediglich die Hälfte der 1,2 Billionen Dollar, die das technokratische Ziel waren.
Hinzukommt, dass die US-Notenbank Angst bekam und ihre Bilanzsumme nicht über 2 Billionen Dollar hinaus erhöhte. Und umfangreichen Marktinterventionen, die vom Finanzministerium finanziert und geleitet wurden, ist es nie gelungen in so ausreichend hohem Maße zu greifen, dass eine spürbare Wirkung auf die Beschäftigung eingetreten wäre.
Kurz gesagt haben vielleicht zweieinhalb der fünf politischen Initiativen der Regierung Obama Früchte getragen. Und Angesichts einer Rezession, die sich als etwa doppelt so schwer erwies wie Ende 2008 prognostiziert wurde, haben derart begrenzte Maßnahmen nicht ausgereicht, um die Arbeitslosenquote in den USA unter 10% zu halten – oderauch nur ihren Abwärtstrend einzuleiten.
Damit kommen wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt, zu dem die Arbeitslosigkeit in den USA inakzeptabel hoch ist und nicht sinken will. Infolgedessen gibt es jetzt sehr gute Gründe den Schwerpunkt der US-Konjunktur von Maßnahmen, die darauf abzielen die Nachfrage zu fördern auf Maßnahmen zu verlagern, die darauf abzielen die Beschäftigung direkt zu fördern (ohne sich zu viele Gedanken darüber zu machen, ob diese Maßnahmen in der Hinsicht effizient sind, dass sie die Menge produzierter Waren und Dienstleistungen erheblich steigern).
In der Praxis bedeutet das, dass die Regierung entweder Personal einstellt und arbeiten lässt oder Unternehmen veranlasst mehr Arbeitnehmer zu beschäftigen. Wir reden also entweder über direkte Beschäftigungsprogramme der Regierung oder umfangreiche Steuergutschriften für Unternehmen, die die Anzahl ihrer Mitarbeiter erhöhen.
Es ist noch nicht zu spät für eine grundlegende Verlagerung der öffentlichen Ausgaben hin zu Projekten mit hoher Beschäftigung (aller Wahrscheinlichkeit nach jedoch geringem Wert), um die Arbeitslosigkeit vor Jahresende 2010 zu senken – wenn der Kongress schnell handelt. Und es ist noch nicht zu spät für eine erhebliche vorübergehende und stufenweise Steuergutschrift für Neueinstellungen, die darauf abzielen Unternehmen dazu zu bringen die Beschäftigung vor dem Ende des Jahres 2010 zu fördern.
Aber wird der Kongress zügig handeln? In Anbetracht der Tiefe der politischen Polarisierung in den USA und somit der Notwendigkeit 60 von 100 Stimmen im Senat zu erhalten, um republikanisches Filibustern zu beenden, gibt es keine Anzeichen dafür, dass er in der Lage sein wird schnell zu handeln. Ein solcher Plan kann nur Wirklichkeit werden, wenn 50 demokratische Senatoren bereit sind, sich auf das Verfahren der so genannten Budget Reconciliation zu verlassen, das eine beschleunigte Debatte über Gesetzesvorlagen erlaubt und obstruierende Dauerreden verbietet, – und verwendet wird, um die Gesetzesvorlagen zu kombinieren, die vom Repräsentantenhaus und vom Senat angenommen wurden – und wenn sie bereit sind, diesen Prozess zu beschleunigen und innerhalb eines Monats abzuschließen. Rechnen Sie nicht heute oder morgen damit.
J. Bradford DeLong, ehemaliger Staatssekretär im US-Finanzministerium, ist Professor für Wirtschaftswissenschaften an der University of California in Berkeley und Forschungsmitarbeiter im National Bureau for Economic Research .
Copyright: Project Syndicate, 2010.
www.project-syndicate.org
Aus dem Englischen von Sandra Pontow.
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