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Asiens Fragen an Amerikas nächsten Präsidenten

NEW YORK – In einem der längsten amerikanischen Präsidentschaftswahlkämpfen der Geschichte ist keine der Parteien auf eine der wichtigsten aktuellen Fragen eingegangen: Wie können die Vereinigten Staaten ihre inneren Angelegenheiten erfolgreich mit einem zunehmend vom Wettbewerb geprägten Weltmarkt in Einklang bringen?

Es ist im In- wie im Ausland unmöglich, das Ausmaß und die Tragweite der Veränderung zu ignorieren, die den Globus umwälzt, insbesondere in Asien. Während sich die US-Wirtschaft in der letzten Phase einer grundlegenden Verschiebung von verarbeitenden hin zu dienstleistungsorientierten Industrien befindet, sind China und Indien im Kommen, und in ganz Asien fordern Muslime lautstark eine größere Rolle in internationalen Angelegenheiten.

Dennoch schleichen die demokratischen Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Barack Obama sowie der nominierte Kandidat der Republikaner John McCain weiterhin um solche Fragen herum. Stattdessen haben sie die amerikanische Außenpolitik in ihren Kampagnen auf endlose Debatten über die Kriege in Irak und Afghanistan und den Sinn des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA) reduziert.

Das ist für jeden Amerikaner, dem eine Zukunft in Sicherheit und Wohlstand wichtig ist, sicherlich inakzeptabel. Der nächste US-Präsident muss klarer zu Verstehen geben, wie er oder sie Amerika auf ein 21. Jahrhundert vorbereiten wird, in dem lokale Fragen an globale Entwicklungen gebunden sind, globale Trends lokale Auswirkungen haben können und Amerikas internationale Autorität mit Asiens neu entdeckter Schlagkraft konfrontiert wird.

Vor diesem Hintergrund sind hier fünf Fragen aufgeführt, die den amerikanischen Präsidentschaftskandidaten gestellt werden sollten:

1. Große Baufirmen und Technologieunternehmen wie Microsoft, IBM und Cisco Systems haben bereits riesige Firmenareale in Indien. Jetzt aber müssen wir mitansehen, wie asiatische Unternehmen beginnen, wertvolle US-Wirtschaftsgüter zu erwerben – und werden Zeuge, wie die indische Tata-Gruppe vorschlägt, Jaguar und Land Rover von Ford zu übernehmen. Sehen Sie ausländische Investitionen und Betriebsübernahmen in Amerika als positive Entwicklung oder als eine potentielle Gefahr?

2. Amerika galt einst als Verfechter des freien Handels in der neuen Weltwirtschaft, doch nun nutzen viele Amerikaner Forderungen nach „fairem Handel”, um eine reaktionäre und protektionistische Handelspolitik durchzusetzen. Asiatische Länder verfolgen mit zunehmender Nervosität, wie die Demokraten eine Neuverhandlung der NAFTA vorschlagen. Insbesondere Südkorea bleibt mit der Frage zurück, ob die USA ernsthaft an ähnlichen Handelsabkommen mit einer der stärksten Wirtschaftsnationen Asiens und einem von Amerikas längsten regionalen Verbündeten interessiert sind. Werden Sie Freihandelsabkommen mit Asien unterstützen oder von ihnen abrücken?

3. Ungeachtet der relativen Erfolge der amerikanischen Invasionen in Irak und Afghanistan, haben die Invasionen Amerikas Ansehen unter Asiens 900 Millionen Muslimen, von Pakistan bis zu den Philippinen und überall dazwischen, zweifellos erheblich geschadet. Eine Pew-Umfrage von 2006 hat gezeigt, dass die Unterstützung für die USA in Indonesien, dem bevölkerungsreichsten muslimischen Land der Welt, auf rund 30 % gefallen ist. Wie werden Sie Muslime in Asien einbinden, und wie werden Sie im Inland Unterstützung für engere Beziehungen zu Muslimen in aller Welt gewinnen?

4. Die Asia Society hat kürzlich zusammen mit anderen Einrichtungen eine neue Bildungsstudie vorgestellt, die zeigt, dass die Kenntnisse 15-jähriger Amerikaner in den Naturwissenschaften unter den 30 Ländern im Test auf Rang 25 und weit hinter denen von Gleichaltrigen in Japan, Südkorea und Hongkong lagen. Unterdessen haben US-Colleges und Universitäten Mühe, die besten und klügsten Köpfe aus dem Ausland anzuziehen, weil diesen Studierenden – und ihren Professoren – US-Visa zunehmend vorenthalten werden oder ihnen bei der Einreise quälende Wartezeiten zugemutet werden. Auch führende Unternehmer wie Bill Gates von Microsoft haben sich über den Fachkräftemangel beschwert und eine beträchtliche Aufstockung der „H1-B”-Visa gefordert, die es Fachleuten ermöglichen, für kurze Zeit in den Vereinigten Staaten zu arbeiten. Wie werden Sie amerikanischen Studierenden helfen, weltweit wettbewerbsfähig zu sein, und gleichzeitig im Inland gleiche Voraussetzungen für talentierte ausländische Studenten und Arbeitskräfte sichern?

5. China und Indien verlangen beide Zugeständnisse von den Vereinigten Staaten, bevor sie eine Deckelung der Treibhausgasemissionen überhaupt in Erwägung ziehen. Sind Sie bereit, ein gewisses Wirtschaftswachstum im Inland zu opfern? Oder sind Sie umgekehrt bereit, die Beziehungen mit China und Indien zu gefährden – der Umwelt zuliebe?

Amerikas nächster Präsident muss sich mit Asien erneut auseinandersetzen, und zwar nicht nebenbei und nicht als Folge des „Kriegs gegen den Terror“, sondern als zentrale Komponente einer Roadmap in eine sichere, sorgenfreie und blühende Zukunft. Er oder sie sollten jetzt damit beginnen, indem sie Asiens Fragen beantworten.

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