Zoellick als Retter?

Wird es dem frisch gekürten Weltbankpräsidenten Robert Zoellick gelingen, die Organisation nach der katastrophal fehlgeschlagenen Präsidentschaft Paul Wolfowitz' wieder auf die Beine zu bringen? Obwohl er kein wirklicher Superstar mit der Kragenweite eines Bob Rubins ist, bringt er auf jeden Fall einige positive Eigenschaften für die Position mit.

Erstens, als Schlüsselfigur bei Chinas Beitritt zur Welthandelsorganisation hat sich Zoellick als Internationalist in einer amerikanischen Regierung bewährt, in der Internationalisten zuweilen wie eine bedrohte Tierart erschienen. Zweitens, er glaubt fest an die Kraft der Märkte und des Freihandels, die im letzten halben Jahrhundert eindeutig mehr zur Armutslinderung beigetragen haben als irgendein Hilfsprogramm. Drittens, hinter den Kulissen scheint er ein konsequenter Verfechter der Weltbank zu sein, wohingegen viele seiner Kollegen aus der Bush-Administration ebenso froh wären, wenn die Weltbank geschlossen und ihr Hauptquartier in Washington in private Eigentumswohnungen und Büros umgewandelt würde. Daher ist anzunehmen, dass er eine konstruktive Vision für die Zukunft der Bank hat.

Doch auch Zoellick hat seine Schwächen. Vor allem setzt seine Ernennung die peinlich veraltete Praxis fort, die Stelle stets mit einem Amerikaner zu besetzen. Indem die Weltbank unermüdlich von den Vorzügen der „Good Governance“ (guter Verwaltung) predigt, ohne dabei selbst demokratische Prinzipien einzuführen, untergräbt sie ihre eigene Legitimität. Die Behauptung, dass die Weltbank einen amerikanischen Präsidenten brauche, um sicherzustellen, dass die USA weiterhin Geld spenden, ist lächerlich. Die jährliche Summe der US-Beiträge an die Weltbank ist relativ unbedeutend, selbst wenn man die nicht in den Büchern geführten Kreditbürgschaften mitberücksichtigt. Für viele Entwicklungsländer, von China über Indien bis Brasilien, wäre es ein Leichtes, ihre Hilfsleistungen aufzustocken, wenn die USA ihre Spenden törichterweise verringern würden.

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