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Das Frauenproblem der Abenomics

TOKIO – Als der japanische Premierminister Shinzo Abe letzte Woche vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen sprach, betonte er seine Absicht, eine Gesellschaft aufzubauen, in der die Frauen glänzen können. Tatsächlich besteht eine bedeutende Grundlage der sogenannten „Abenomics“, des Reformprogramms der Regierung, darin, auf dem Arbeitsmarkt Möglichkeiten für Frauen zu schaffen.

Abe befindet sich eindeutig auf dem richtigen Weg. Laut einer Analyse von Forschern bei Goldman Sachs könnte das Schließen der Geschlechterlücke das BIP in den Vereinigten Staaten um 9% und in Japan um fast 13% steigern. Während seines Aufenthalts in New York diskutierte Abe seine „Womenomics“ mit Hillary Clinton, die die Förderung von Frauen in der Wirtschaft während ihrer Amtszeit als US-Außenministerin ebenfalls zu einem politischen Schlüsselziel erklärt hatte.

Es ist seltsam, dass Abe der erste japanische Staatschef ist, der versteht, dass die Unterauslastung der Fähigkeiten von Frauen die japanische Wirtschaft gebremst hat. Japan lag im „Globalen Bericht über Ungleichheit zwischen den Geschlechtern“ von 2013 unter 136 Ländern auf dem 105ten Platz, nach dem 101sten Platz im Jahr 2012.

Das Problem beginnt in Abes eigenem Bereich – der Politik. Bei seiner Parlamentsumbildung Anfang diesen Monats wurden zwar fünf weibliche Minister ernannt, aber dies geschah gegen starke Widerstände männlicher Parlamentsmitglieder. Wichtiger noch ist, dass durch die Ernennungen lediglich Risse übertüncht werden: Nur 39 der 480 Mitglieder des Unterhauses des japanischen Diet sind Frauen, was einer Quote von 7,9% entspricht. Laut der Interparlamentarischen Union liegt Japan beim Anteil weiblicher Parlamentsmitglieder unter 189 Ländern auf dem 158sten Platz.