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Eine neue Agenda für Chinas neue Führung?

STANFORD – Wechsel in der politischen Führung bedeuten normalerweise entweder Kontinuität oder eine Richtungsänderung. Aber allein die Aussicht auf einen solchen Wechsel verzögert angesichts der Unsicherheit oft wichtige politische Entscheidungen und blockiert wirtschaftliche Aktivitäten.

Dies ist auch beim alle zehn Jahre stattfindenden Führungswechsel in China der Fall, der mit dem 18. Kongress der kommunistischen Partei Chinas seinen Höhepunkt erreichte. Viele werden sich an die Zeit erinnern, als Führungswechsel in China politische und kulturelle Kuriositäten ohne direkte wirtschaftliche Bedeutung für die Großmächte waren, aber diese Tage sind längst vorbei.

China ist heute die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, und trotz der jüngsten Verlangsamung des Wachstums auf jährlich 7% des BIP stellt das Land alle anderen Großmächte in den Schatten. Es ist immer noch die Produktionsstätte der weltweiten Lieferkette vieler Industrieerzeugnisse wie Computer oder Mobiltelefone und beschert Konsumenten weltweit günstigere Preise. Dadurch wurde das Land zu einem Haupthandelspartner der Vereinigten Staaten, der meisten europäischen Länder und vieler anderer Volkswirtschaften, sowie zum Mittelpunkt der innerasiatischen Handels- und Lieferkettendynamik.

Darüber hinaus sitzt China wegen seines hohen Handelsüberschusses der letzten Jahrzehnte auf etwa 3,3 Billionen USD an Fremdwährungsreserven – das meiste davon in US-Dollar, aber auch in anderen großen Währungen. Das Land hilft anderen Staaten bei der Finanzierung ihrer Handelsdefizite und Inlandsinvestitionen (viele, die davon profitieren, haben riesige Haushaltsdefizite, die zu einem Rückgang der nationalen Ersparnisse unter die Inlandsinvestitionen führen).