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Kann Xi das vergoldete Zeitalter in China beenden?

ANN ARBOR – Innerhalb einer Generation entsteht in einer Gesellschaft, in der Millionen Landarbeiter für einen Hungerlohn in Fabriken schuften, eine neue Klasse von Superreichen. Bestechung wird zur gängigsten Form der Einflussnahme auf die Politik. Opportunisten spekulieren rücksichtslos mit Grundstücken und Immobilien. Da Gebietskörperschaften zur Finanzierung von Eisenbahnlinien und anderer großer Infrastrukturprojekte Kredite aufnehmen, schlummern in diesen Bereichen finanzielle Risiken. Und all das passiert im weltweit chancenreichsten Schwellenland, das gleichzeitig auch aufstrebende Weltmacht ist.

Nein, hier handelt es sich nicht um eine Beschreibung des heutigen Chinas, sondern der Vereinigten Staaten während des „vergoldeten Zeitalters“ (des „Gilded Age“ von etwa 1870 bis 1900). Diese prägende Phase des amerikanischen Kapitalismus wird nicht als „goldenes”, sondern als „vergoldetes” Zeitalter bezeichnet, weil hinter der Fassade der raschen Industrialisierung und des Wirtschaftswachstums zahlreiche Probleme vor sich hin schwelten.

Öffentlicher Widerstand gegen die Zustände während des vergoldeten Zeitalters in Amerika führte zu weitreichenden Wirtschafts- und Sozialreformen, die schließlich die Progressive Era (etwa von 1890 bis 1920) einläuteten. Diese Revolution im Inland ebnete neben den imperialen Aneignungen außerhalb der Grenzen des Landes den Weg für Amerikas Aufstieg zur Supermacht des 20. Jahrhunderts.  

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