Skip to main content

Cookies and Privacy

We use cookies to improve your experience on our website. To find out more, read our updated Cookie policy, Privacy policy and Terms & Conditions

meinzendick1_Eric LafforgueArt in All of UsCorbis via Getty Images_ethiopianwomancoffeebeans Eric Lafforgue/Art in All of Us/Corbis via Getty Images

Mehr Chancen für afrikanische Bäuerinnen

WASHINGTON, DC – Über 60% aller berufstätigen Frauen in Afrika südlich der Sahara arbeiten in der Landwirtschaft. Aber die Bäuerinnen in der Region fahren oft nur eine magere Ernte ein, und zwar nicht aufgrund schlechten Wetters oder schwieriger Bodenverhältnisse, sondern wegen ihres Geschlechts – oder, genauer, wegen einer Vielzahl von Gesetzen, Maßnahmen, Programmen und Sitten, durch die sie erheblich benachteiligt werden.

Will man in der Landwirtschaft die Geschlechterlücke schließen, muss man das Problem von drei Seiten angehen: Die erste betrifft die Landrechte. In den meisten afrikanischen Ländern südlich der Sahara besitzen Frauen selten Land. Statt dessen haben sie oft Zugriff auf Land männlicher Verwandter, also ihres Ehemanns, Vaters oder Bruders. Dies macht sie sehr verletzlich: Bei einem Todesfall, einer Scheidung oder einfach einem Sinneswandel des männlichen Gegenparts kann es passieren, dass eine Frau über Nacht ihr Land verliert.

Die daraus entstehende Unsicherheit beeinflusst die Art, wie die Frauen das Land bewirtschaften. Da sie ständig Gefahr laufen, vertrieben zu werden, machen langfristige, produktivitätssteigernde Investitionen finanziell betrachtet keinen Sinn. Warum soll man Terrassen bauen, um die Erosion zu verringern und die Gesundheit des Bodens zu verbessern, wenn jemand anders, sobald die Arbeit beendet ist, das Land und die Verbesserungen für sich beanspruchen kann? Warum soll man eine Obstplantage pflanzen, wenn sie, sobald der letzte Baum im Boden ist, von einem anderen weggenommen werden kann?

In den letzten beiden Jahrzehnten haben viele Länder wichtige Schritte unternommen, um die Landrechte der Frauen zu fördern und zu schützen. Äthiopien beispielsweise hat eine gemeinsame Landregistrierung eingeführt und damit die Rechte der Frauen auf das Land, das sie bebauen, verbrieft – über Zertifikate, die die Namen und Fotos sowohl des Mannes als auch der Frau enthalten. Solche Reformen führen erwiesenermaßen zu stärkeren Investitionen in das Land, insbesondere durch Frauen. Noch mehr gilt dies für jene Frauen, die ihre Landrechte tatsächlich kennen, was die Bedeutung rechtlicher Aufklärungsprogramme unterstreicht.

Aber Land ist nur ein erster Schritt. Zusätzlich mangelt es Frauen am gleichberechtigten Zugang zu Hilfsmitteln wie Dünger oder  Saatgut, ebenso wie an mechanischer Ausrüstung und ergänzenden landwirtschaftlichen Dienstleistungen, die sie über verbesserte Anbaumethoden informieren würden. Verschärft wird diese Ungleichheit noch durch den erschwerten Zugang zu Krediten für den Kauf dieser Hilfsmittel. Am Beispiel von Kenia, Malawi, Sierra Leone, Sambia und Simbabwe haben Studien gezeigt, dass Frauen von finanziellen Dienstleistungen meist deutlich weniger profitieren können.

Die zweite Front, an der die Chancen der Bäuerinnen verbessert werden können, besteht also darin, ihnen Finanzdienstleistungen und landwirtschaftliche Hilfsmittel zur Verfügung zu stellen. Entwicklungsinstitute und NROs haben damit begonnen, auf Frauen bezogene Finanzprogramme und -dienstleistungen zu entwickeln, um ihren Zugang zu landwirtschaftlichen Hilfsmitteln und Vorprodukten zu verbessern. Auch helfen sich die afrikanischen Frauen gegenseitig. Immer mehr weiblich geführte Organisationen wie beispielsweise Mikrofinanzierungsgruppen arbeiten daran, sich untereinander Finanzdienstleistungen, neue Technologien und Informationen zur Verfügung zu stellen. So sind in Kenia die Mitglieder solcher Selbsthilfegruppen mit höherer Wahrscheinlichkeit über klimafreundliche Landwirtschaftsmethoden informiert als andere Frauen.

Subscribe now
ps subscription image no tote bag no discount

Subscribe now

Subscribe today and get unlimited access to OnPoint, the Big Picture, the PS archive of more than 14,000 commentaries, and our annual magazine, for less than $2 a week.

SUBSCRIBE

Die letzte Front ist wahrscheinlich die schwierigste: die Macht, Entscheidungen zu treffen. In viel zu vielen Bereichen mangelt es den Bäuerinnen an den nötigen Befugnissen, um die von ihren angebauten Nutzpflanzen oder ihr dadurch erzieltes Einkommen selbst zu verwalten. Für die Entwicklung hat dies weitreichende Folgen.

In Afrika südlich der Sahara ist die Landwirtschaft für die Armutsbekämpfung zwei- bis viermal effektiver als Wachstum in anderen Sektoren. Darüber hinaus neigen Frauen, wie der Goalkeepers-Bericht der Stiftung von Bill & Melinda Gates im letzten Monat gezeigt hat, stärker als Männer dazu, die von ihnen verwalteten Ressourcen für die Bedürfnisse ihrer Kinder (Nahrung und Ausbildung) einzusetzen.

Angesichts dessen ist die Verbesserung der Kontrolle der Frauen über ihre Ressourcen nicht nur dazu wichtig, das Ziel Nachhaltiger Entwicklung (ZNE) Nr. 5 der Vereinten Nationen  – Geschlechtergleichheit sowie Ermächtigung von Frauen und Mädchen – zu erreichen, sondern auch für viele andere Ziele, darunter die Ausrottung der Armut (ZNE1) und des Hungers (ZNE2).

Obwohl die Chancen von Frauen an allen drei Fronten bereits verbessert werden konnten, reicht dies bei weitem nicht aus. Um weitere Maßnahmen zu fördern und zu begleiten, haben meine Kollegen am Internationalen Forschungsinstitut für Ernährungspolitik und ich den Index für die Ermächtigung von Frauen in der Landwirtschaft (Women’s Empowerment in Agriculture Index, WEAI) entwickelt, der die Entscheidungsmacht, den Ressourcenzugang (auch zu Krediten), die Arbeitsbelastung und die Mitgliedschaft in Gruppen misst.

Indem er in verschiedenen Bereichen den Umfang und die Ursachen der Benachteiligung von Frauen in der Landwirtschaft misst, hilft der WEAI – und eine spätere Neuauflage, der Pro-WEAI, der auch die Auswirkungen von Projekten bewertet – den Regierungen, Geldgebern und NROs dabei, effektive Interventionen zu entwickeln. Bis jetzt wurde der WEAI (einschließlich seiner Verbesserungen) von 99 unterschiedlichen Organisationen in 54 Ländern verwendet. Erkenntnisse aus dem WEAI haben beispielsweise die Entwicklung des ANGeL-Projekts in Bangladesch begleitet, das Möglichkeiten für landwirtschaftliche Maßnahmen und Investitionen zur Verbesserung der Ernährung und zur Ermächtigung von Frauen finden soll.

Wenn es den Bäuerinnen Afrikas gut geht, nützt dies allen: den Frauen selbst; den Kindern, in die sie investieren; den Gemeinschaften, die von ihnen ernährt werden; und den Volkswirtschaften, zu denen sie beitragen. Mit den richtigen Investitionen und Maßnahmen könnten die von Frauen geleiteten Landwirtschaftsbetriebe des Kontinents eine Rekordernte erzielen – und zwar für die Entwicklungspolitik.

Aus dem Englischen von Harald Eckhoff

Help make our reporting on global health and development issues stronger by answering a short survey.

Take Survey

https://prosyn.org/lTtnrptde;
  1. bildt70_SAUL LOEBAFP via Getty Images_trumpukrainezelensky Saul Loeb/AFP via Getty Images

    Impeachment and the Wider World

    Carl Bildt

    As with the proceedings against former US Presidents Richard Nixon and Bill Clinton, the impeachment inquiry into Donald Trump is ultimately a domestic political issue that will be decided in the US Congress. But, unlike those earlier cases, the Ukraine scandal threatens to jam up the entire machinery of US foreign policy.

    4