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holder1_ Tom StoddartGetty Images_girl water Tom Stoddart/Getty Images

Ein Klimaprogramm, dass sich auf Frauen konzentriert

LONDON – Von der öffentlichkeitswirksamen transatlantischen Reise der Teenager-Aktivistin Greta Thunberg auf einem emissionsfreien Boot zur Generalversammlung der Vereinten Nationen bis hin zu den immer größeren Klimaprotesten: Die Welt ist sich der Bedrohung des Klimas stärker bewusst als je zuvor. Aber dieses steigende Bewusstsein müssen die Politiker der Welt erst noch in kollektives Handeln umsetzen, um den Klimawandel abzumildern, ganz zu schweigen von gezielten Bemühungen, die verletzlichsten Bevölkerungsgruppen zu schützen – darunter in erster Linie Frauen und Mädchen.

Die Tatsachen sprechen für sich: Frauen leben mit größerer Wahrscheinlichkeit in Armut als Männer, und geschlechtsspezifische soziale Rollen, die sozioökonomische Machtungleichgewichte reproduzieren, machen Frauen und Mädchen besonders anfällig für eine Vielzahl von Klimafolgen, darunter den eingeschränkten Zugang zu Wasser, Nahrung, Unterkunft und wichtigen Versorgungsleistungen.

Da überrascht es nicht, dass 80% der durch den Klimawandel vertriebenen Menschen Frauen sind. Darüber hinaus leiden Frauen mit größerer Wahrscheinlichkeit als Männer unter verstärkter Arbeitsbelastung und Einkommensverlusten aufgrund klimatischer Naturkatastrophen. Im Südsudan – einem der sich am schnellsten erwärmenden Länder der Welt – haben Dürren und Überflutungen Mädchen und Frauen dazu gezwungen, weitere Strecken zu gehen, um Feuerholz und Wasser zu sammeln – eine zeitaufwändige und potenziell gefährliche Veränderung.

Weil es immer schwieriger wird, den Bedarf der Haushalte an Energie, Wasser und Nahrungsmitteln zu decken, werden die Mädchen oft aus der Schule genommen oder sehr jung verheiratet. Dies verstärkt bestehende Ungleichheiten und schreibt die Verletzlichkeit dieser Mädchen in die Zukunft fort.

Frauen leiden auch mit höherer Wahrscheinlichkeit unter klimatisch ausgelösten Gesundheitsfolgen wie Unterernährung oder Malaria. Außerdem sterben sie häufiger bei Naturkatastrophen wie Dürren oder Überschwemmungen. In einem Oxfam-Bericht wurde festgestellt, dass in Indien, Indonesien und Sri Lanka fast dreimal so viele Männer den Tsunami von 2004 überlebten wie Frauen. Und während des Erdbebens in Nepal von 2015 waren viele schwangere Frauen nicht in der Lage, Gesundheitszentren zu erreichen, was ihr Komplikations- und sogar Todesrisiko erhöhte.

Die Weltgesundheitsorganisation berichtet, dass der Einfluss des Geschlechts auf die Lebenserwartung bei Naturkatastrophen bei schwereren Katastrophen normalerweise höher ist –und auch dort, wo der sozioökonomische Status der Frauen geringer ist. Mit anderen Worten, wir können die Klimakrise nicht bewältigen, ohne die Krise der Geschlechtergleichheit anzugehen.

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Es gibt keinen Zweifel: Eine Krise der Geschlechtergleichheit gibt es tatsächlich. Equal Measures 2030, unsere Partnerschaft, veröffentlichte kürzlich den ZNE-Geschlechterindex, der Daten über die meisten der 17 Ziele Nachhaltiger Entwicklung (ZNE) aus 129 Ländern analysiert, die 95% der weltweiten Mädchen und Frauen repräsentieren. Auf der Grundlage von Indikatoren wie der Anfälligkeit gegenüber dem Klimawandel, der Gesundheit, den wirtschaftlichen Möglichkeiten, den Eigentumsrechten und der geschlechtsbedingten Gewalt haben wir für jedes Land einen Wert berechnet. Auf einer Skala von 100 Punkten lag der weltweite Durchschnitt bei nur 65,7 – was als Note betrachtet gerade eben für die Versetzung reichen würde. Kein Land hat eine vollständige Gleichbehandlung der Geschlechter verwirklicht, wie es im ZNE5 vorgesehen ist.

Was das ZNE13 der „dringenden Handlungen gegen den Klimawandel und seine Auswirkungen“ angeht, forschten wir zu drei Themen: Das erste war die allgemeine klimabedingte Verletzlichkeit. Diese unterscheidet sich je nach Land und Region: in der asiatisch-pazifischen Region sind beispielsweise über 100 Millionen Menschen jährlich vom Klimawandel betroffen. Aber niemand ist immun.

Beim zweiten Thema – der staatlichen Verpflichtung zur Verringerung des Katastrophenrisikos – bekommen nur 15 von 129 Ländern (11%) eine hervorragende Bewertung. Angesichts dessen, dass die Welt vor einer Klimakatastrophe steht, müssen die Länder versuchen, Katastrophen vorherzusagen und sich darauf vorbereiten – und dabei besonders verletzliche Bevölkerungsgruppen beachten.

Zum dritten Thema – der Vertretung von Frauen im politischen Prozess, der sich auf den Klimawandel bezieht – gab es ähnlich enttäuschende Ergebnisse: Obwohl Forschungen zeigen, dass mehr Beteiligung von Frauen in der Politik zu besseren Ergebnissen führt, darunter auch zu geringerer Ungleichheit, sind Frauen in Körperschaften, die klimapolitische Entscheidungen treffen, weltweit unterrepräsentiert.

Wie können Länder bei den stark miteinander verbundenen ZNE5 und ZNE13 Fortschritte machen? Wir bieten sieben Empfehlungen an:

·         die Erstellung von geschlechtsspezifischen Datenbanken mit Informationen über marginalisierte und verletzliche Gemeinschaften, um die Planung zu verbessern;

·         die Stärkung der Vertrauenswürdigkeit, indem die Regierungen dazu verpflichtet werden, einen offenen Zugriff auf Daten zu erlauben;

·         die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Regierungsministerien und anderen relevanten Institutionen;

·         die Gründung innovativer, zielgerichteter Initiativen wie einem neuen gemeinsamen Programm des Asiatisch-Pazifischen Ressourcen- und Forschungszentrum für Frauen (ARROW, Asian Pacific Resource and Research Centre for Women) und dem Dänischen Familienplanungsverband, das sich auf die Schnittstelle zwischen klimatischer Verletzlichkeit sowie sexueller und reproduktiver Rechte und Gesundheit konzentriert;

·         die Steigerung der Repräsentation von Frauen in nationalen und globalen Institutionen zur klimarelevanten Entscheidungsfindung;

·         die Entwicklung von Lösungen, die die Perspektive der vom Klimawandel betroffenen Frauen widerspiegeln;

·         das Engagement für – und die Durchführung von – ehrgeizigeren Aktionen gegen den Klimawandel und für die Gleichheit der Geschlechter, was auf dem UN-Klimagipfel in diesem Monat beginnen kann.

Bei komplexen Herausforderungen kann die Versuchung groß sein, falsche Unvereinbarkeiten zu postulieren. Politiker könnten behaupten, sie müssten sich zwischen Maßnahmen in zwei Bereichen entscheiden. Aber das ZNE13 kann nicht ohne Fortschritte beim ZNE5 erreicht werden, und wir können nicht auf Erfolg beim ZNE5 warten, bevor wir das ZNE13 angehen.

Dies trifft auf die gesamte ZNE-Agenda zu: Wenn die Länder versuchen, einzelne Ziele isoliert voneinander zu bearbeiten, werden sie keins von ihnen erreichen. Wir brauchen unbedingt ehrgeizige, koordinierte und holistische Strategien.

Aus dem Englischen von Harald Eckhoff

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  1. haass107_JUNG YEON-JEAFP via Getty Images_northkoreanuclearmissile Jung Yeon-Je/AFP via Getty Images

    The Coming Nuclear Crises

    Richard N. Haass

    We are entering a new and dangerous period in which nuclear competition or even use of nuclear weapons could again become the greatest threat to global stability. Less certain is whether today’s leaders are up to meeting this emerging challenge.

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