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Ist das Internationale Finanzsystem zu retten?

Weltbank und Internationaler Währungsfond (IWF) haben ihre Jahresversammlungen hinter sich gebracht. Sie waren von Straßendemonstrationen und von einem Mangel an innovativen Ideen begleitet. Im Folgenden schlägt George Soros eine mutige, neue Maßnahme vor, um das Weltfinanzwesen wieder zu festigen.

Das internationale Finanzwesen ist in dem Sinne zusammengebrochen, als es den Ländern, die es am meisten nötig und sich dafür qualifiziert hatten, nicht im angemessenen Umfang Kapital zufließen läßt. Die globalen Finanzmärkte saugen den größten Teil der Ersparnisse in die Weltzentren ab und versäumen es, das Geld zurück an die Peripherie zu pumpen. Tatsächlich ist seit 1997 das Kapital umgekehrt von den armen Ländern am Rande der Weltwirtschaft zu den reichen Ländern im Zentrum geflossen.

Die Tatsachen sprechen für sich. Amerika unterhält ein chronisches Zahlungsbilanzdefizit, das sich mit 242 Milliarden $ allein in der ersten Hälfte dieses Jahres auf erschreckende Weise der 5 % Marke des Bruttoinlandprodukts (GIP) annähert. Gleichzeitig kann Brasilien, das mit einem ausgeglichenen Haushalt und Handelsüberschüssen einen gesunden wirtschaftlichen Kurs verfolgt, seine Kredite nicht zu vertretbaren Zinsen umschulden.

Die herrschende Doktrin, nach der Marktdisziplin die Unausgewogenheiten ausgleichen soll, stimmt nicht, und dies aus zwei Gründen. Erstens sind die Finanzmärkte an sich instabil. Zweitens begünstigt das internationale Finanzsystem das reiche Zentrum.