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Wird die Globalisierung dem Irakkrieg zum Opfer fallen?

Wegen ihrer Unfähigkeit, sich auf eine Lösung für den Irakkonflikt zu einigen, gelten UNO und NATO als schwer angeschlagen. Werden diese Risse im System der internationalen Politik jetzt die Struktur der Weltwirtschaft und damit auch die Globalisierung schädigen?

Es war noch niemals einfach, internationale Wirtschaftsabkommen zu schließen. Einen Konsens unter den 145 Mitgliedern der Welthandelsorganisation zu finden, wo eine Gegenstimme große Unruhe hervorrufen kann, war auch schon schwierig, als die Regierungen der Welt noch nicht in ein pro- und ein anti-amerikanisches Lager gespalten waren. Schlimmer noch, multilaterale Handelsabkommen wurden durch bilaterale Absprachen aus den Angeln gehoben, wie zwischen der EU und verschiedenen Entwicklungsländern, lange bevor die Auseinandersetzung um den Irak begann.

Natürlich ist das Problem komplexer, und nicht alles, was die Globalisierung betrifft, ist aussichtslos. So sind zum Beispiel Einwanderungsbestimmungen in verschiedenen europäischen Ländern (besonders in Deutschland) aufgrund von sinkenden Bevölkerungszahlen und Problemen im Bildungssystem gelockert worden. Aber insgesamt sind schlechte wirtschaftliche Zeiten kaum der geeignete Moment für Regierungen, für gewagte internationale Wirtschaftsmodelle einzutreten.

Die Anfälligkeit der weltweit führenden Volkswirtschaften ist das größte Problem. Den USA und der EU verbleiben wenig fiskale und monetäre Instrumente im Kampf gegen schwache Leistung. Die kurzfristigen Zinssätze liegen in den USA mit 1,25% auf dem tiefsten Punkt seit vierzig Jahren. Der Kongress hat die Zehnjahres-Steuersenkung von 726 Mrd. Dollar der Bush-Administration um 100 Mrd. Dollar zurückgeschnitten und das ursprünglich auf 2 Billionen Dollar angesetzte Zehnjahres-Haushaltsdefizit wird mit den Kosten für den Irakkrieg anwachsen, so dass Präsident Bush dieses Jahr zusätzlich 75 Billionen Dollar (0,8% des BSP) mehr für den Militärhaushalt beantragen wird.