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Wird der Euro die aktuelle Krise überleben?

CAMBRIDGE, MASS.: Die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) und der Euro feiern in Kürze ihren zehnten Geburtstag. Der Euro wurde ohne ernste Probleme eingeführt und hat seitdem gut funktioniert; die Europäischen Zentralbank hat es geschafft, für jene niedrige Inflation zu sorgen, die zu gewährleisten ihre einzige Aufgabe ist.

Die gegenwärtige Wirtschaftskrise freilich könnte die Überlebensfähigkeit des Euro in schwierigeren Zeiten auf eine harte Probe stellen. Zwar könnte die Krise die durch die EWWU geschaffenen Institutionen stärken; sie könnte jedoch auch verschiedene Gefahren mit sich bringen, derer sich die Mitgliedsstaaten, wenn sie sie vermeiden wollen, bewusst sein müssen.

Das Hauptproblem ist, dass sich die Lage innerhalb der einzelnen EWWU-Mitgliedsstaaten derart unterschiedlich entwickeln könnte, dass einige nationale politische Führer in Versuchung geraten könnten, zu beschließen, dass ihren Ländern mit einer Kombination politischer Strategien besser gedient wäre, die sich von denen der übrigen Mitglieder unterscheiden. Die aktuellen Zinsunterschiede bei Staatsanleihen aus der Eurozone zeigen, dass die Finanzmärkte deren Auseinanderbrechen als echte Möglichkeit ansehen. Die Verzinsung 10-jähriger Staatsanleihen aus Griechenland und Irland etwa liegt derzeit fast einen ganzen Prozentpunkt über der vergleichbarer deutscher Anleihen, und der Zinssatz italienischer Anleihen ist beinahe ebenso hoch.

Es gibt eine Menge historischer Beispiele für ein Auseinanderbrechen von Währungsunionen oder Staaten mit einer Währung. Und auch wenn es technische und rechtliche Gründe gibt, die eine solche Abspaltung eines EWWU-Landes erschweren, dürften kaum Zweifel bestehen, dass ein Land sich, wenn es das wirklich wollte, aus der EWWU zurückziehen könnte.