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Wird beim nächsten Mal alles anders?

CHICAGO – Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff behaupten in ihrem ausgezeichneten, gleichnamigen Buch über Schuldenkrisen, dass die gefährlichsten Worte in allen Sprachen lauten: „Dieses Mal ist alles anders.“ Die vielleicht zweitgefährlichsten Worte sind: „Beim nächsten Mal wird alles anders.“

Diese Worte werden häufig ausgesprochen, wenn Politiker und Zentralbanken ein in Schwierigkeiten geratenes Segment der Wirtschaft retten wollen. „Ja“, kann man sie fast sagen hören, „wir wissen, dass die Marktdisziplin durch Bankenrettungen untergraben wird. Aber man kann nicht erwarten, dass wir tatenlos zusehen, während das System zusammenbricht und Millionen von unschuldigen Menschen darunter leiden müssen. Wir müssen mit den Karten spielen, die wir ausgeteilt bekommen. Aber beim nächsten Mal wird alles anders.“ Sie benutzen dann jedes Instrument, das ihnen zur Verfügung steht, um wirtschaftliche Verluste unter ihrer Aufsicht zu vermeiden.

Der Ansporn der Regierung ist klar. Die Öffentlichkeit belohnt sie dafür, mit dem aktuellen Problem fertigzuwerden – unabhängig davon, ob sie Dämme bauen, um Häuser zu schützen, die in einem Überschwemmungsgebiet gebaut wurden, oder Banken retten, in deren Bilanzen fragwürdige Wertpapiere stehen. Politiker und Zentralbanker haben kaum Vorteile, wenn sie die Gierigen oder Nachlässigen die vollen Konsequenzen ihres Handelns tragen lassen, denn viele Unschuldige hätten ebenfalls darunter zu leiden. Eine mitfühlende Presse würde ihre herzzerreißenden Geschichten über verlorene Arbeitsplätze und Wohnungen ausschmücken, was diejenigen, die von einer Intervention abraten, gefühllos erscheinen lässt. Demokratien sind zwangsläufig weichherzig, wohingegen die Märkte und die Natur es nicht sind; der Staat macht unweigerlich einen Spagat zwischen beidem.

Sofern die harte Gerechtigkeit der Märkte oder der Natur irgendjemanden lehrt, sich besser zu verhalten, hat dies Konsequenzen, die weit über den Horizont derjenigen hinausreichen, die heute an der Macht sind. Wenn man einen Zentralbanker vor die Wahl stellt zwischen dem Risiko, der Nachwelt als der Zentralbankchef in Erinnerung zu bleiben, der das System zusammenbrechen ließ, oder dem vagen zukünftigen Gewinn, den Risikofreudigen eine Lektion zu erteilen, muss man kein Genie sein, um seine Entscheidung vorherzusagen. Die Demokratie neigt dazu, in Sektoren, die ökonomisch oder politisch wichtig sind, eine überhöhte Risikobereitschaft zu institutionalisieren, z. B. im Finanzwesen oder im Immobilienbereich, wodurch diese Sektoren ihre Gewinne privatisieren und die Verluste verstaatlichen können.